Deutschland erlebte im vergangenen Jahrhundert zwei Währungszusammenbrüche, 1920–23 und 1945–48. Der Architekt der Erholung nach dem ersten, Hjalmar Schacht, entschied sich für die Zusammenarbeit mit den nationalsozialistischen Nachfolgern der Weimarer Republik und scheiterte. Beim zweiten blieb Ludwig Erhard seinen marktwirtschaftlichen Überzeugungen treu und hatte Erfolg. Obwohl die Umstände verschieden waren, könnten Vergleiche zwischen den beiden Ereignissen Politikern, die mit einer ähnlichen Zerstörung ihrer Landeswährungen konfrontiert sind, eine gewisse Orientierung bieten; eine solche Entwicklung wird zunehmend wahrscheinlicher.
Einleitung
Nehmen wir an, die nächste Kreditkrise sei im Anmarsch. Angesichts der gestiegenen Staatsverschuldung dürfte sie schwerwiegender ausfallen als die letzte im Jahr 2008. Beachten wir zudem, dass sie trotz der vermeintlichen Stimulierung durch niedrige und negative Zinsen eintritt, obwohl diese im Kreditzyklus eigentlich ihr Maximum erreichen sollten, und dass rund 17 Billionen US-Dollar an Anleihen negativ rentieren, eine unnatürliche Verzerrung der Märkte. Nehmen wir weiter an, dass McKinsey in der jährlichen Bankenstudie 2019 recht hat, wenn das Unternehmen sinngemäß sagt, dass 60 % der Banken weltweit ihr Kapital bereits vor einer Kreditkrise aufzehren. Hinzu kommt eine sich entwickelnde Rezession in Deutschland, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, dass sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank von der Bundesregierung gerettet werden müssen. Und der IWF hat kürzlich gewarnt, dass Unternehmensschulden in Höhe von 19 Billionen US-Dollar eine systemische Zeitbombe darstellen und dass die Bestände an besicherten Kreditverpflichtungen (CLOs) sowie das direkte Engagement in Ramschanleihen bei den US-Geschäftsbanken ungefähr der Summe ihres Eigenkapitals entsprechen.
Dann können wir mit einiger Zuversicht sagen, dass sich eine große Kreditkrise anbahnt und dass sie mit ziemlicher Sicherheit weit größer sein wird als Lehman. Wir können ebenfalls sagen, dass die Gelddruckerei der Zentralbanken zur Rettung sowohl des Bankensystems als auch der Staatsfinanzen in weit größerem Umfang stattfinden wird und die Kaufkraft der staatlichen Währungen voraussichtlich destabilisieren wird. Sollte dies eintreten, werden die Zinsen nach oben gezwungen, da die Preise für alles unkontrollierbar zu steigen beginnen, unabhängig von der Zinspolitik der Zentralbanken. Und wo Staaten darauf angewiesen sind, Haushaltsdefizite durch zusätzliche Emissionen von Staatsanleihen zu decken, werden die Staatsfinanzen in eine Krise geraten. Dies gefährdet den Fortbestand ungedeckter Währungen, die allein auf dem Vertrauen in Regierungen und deren Kreditwürdigkeit beruhen, deren Ausgaben außer Kontrolle geraten.
Die Faktoren, die das Tempo des Währungsverfalls bestimmen
Das Ende der Währungen kommt möglicherweise nicht sofort. Die Lehren der Vergangenheit zeigen, dass die Öffentlichkeit oft nur langsam erkennt, was mit ihrem Geld und ihren Ersparnissen geschieht. Zusammenbrüche einzelner Währungen hat es schon früher gegeben, doch dem Anschein nach werden diesmal alle großen Währungen dasselbe Schicksal teilen. In der Vergangenheit standen an den Devisenmärkten stets andere, solidere Währungen zur Verfügung. Da nun aber ein schwächelnder Dollar im Zentrum des Geschehens steht, sind die Alternativen zu einer Gruppe kollabierender Währungen äußerst begrenzt. Die Folgen für Bevölkerungen, die an Sozialleistungen und staatliche Dienste gewöhnt sind, werden zwangsläufig drastisch sein.
Das Zusammenspiel von Devisenmärkten und inländischen Bewertungen bestimmt das Tempo, in dem eine Währung an Wert verliert. Der argentinische Peso ist ein aktuelles Beispiel für eine Währung, die an den Devisenmärkten noch akzeptiert wird, von ihren eigenen Nutzern aber als überbewertet verworfen wird. Den Beweis liefert der Schwarzmarktkurs von über 70 Peso je US-Dollar, verglichen mit dem Devisenmarktkurs von 59.
Anders als die Argentinier, die ihre Pesos bereits geringer bewerten als Ausländer, unterliegen die Massen bei den großen Währungen einer nahezu vollständigen Täuschung über deren Schwäche, und der Lernprozess über die Folgen der Geldschöpfung aus dem Nichts hat noch nicht begonnen. Wie lange gewöhnliche Menschen und die Devisenmärkte brauchen, um die harten Wahrheiten über die beschleunigte Währungsentwertung zu erkennen, kann enorm unterschiedlich sein.
Doch Papierwährungen sterben. Mit Ausnahme der heutigen Währungen, bei denen es noch nicht so weit ist, ist dies stets geschehen, und jeder, der sich mit Geld und Devisenmärkten befasst, sollte auch die Anzeichen ihres Untergangs erkennen können. Der Tod einer Währung ist für alle Beteiligten schmerzhaft. Er ist ein Staatsbankrott, doch obwohl schwer vorstellbar ist, wie, überleben Nationen und ihre Völker die Zerstörung ihrer Währungen.
Deutschland hat dies im vergangenen Jahrhundert zweimal erlebt. Das erste Mal ebnete es zehn Jahre später den Weg für eine Diktatur. Das zweite Mal hatte ein dauerhafteres Vermächtnis: Es machte Deutschland in den vergangenen Jahren zu einer der beiden wirtschaftlich mächtigsten Nationen, zumindest bis sich die Bürokraten und Planer durchsetzten und die D-Mark im neuen Euro aufgehen ließen. Für Politiker, die sich einen Weg durch die sich abzeichnende größte Kreditkrise seit den 1930er-Jahren bahnen müssen, sind die Lehren aus der deutschen Erfahrung heilsam. In Großbritannien wird bis Weihnachten eine neue Regierung gebildet, und in ihren ersten Jahren wird sie wahrscheinlich einer globalen Kredit- und Bankenkrise gegenüberstehen, die die Zukunft des Pfund Sterling bedroht.
Angenommen, Boris Johnson gewinnt und bleibt Premierminister: Aus seinen Schriften wissen wir, dass er freie Märkte, die Bedeutung der Preisfindung, die Übel übermäßiger staatlicher Eingriffe und Regulierung sowie Vetternwirtschaft versteht. Mit diesen Ansichten ist er in der Minderheit, wenngleich einflussreiche Persönlichkeiten in seinem Umfeld sie teilen. Dies ähnelte der Lage zweier Deutscher, die den Zusammenbruch ihrer Währung mit unterschiedlichem Ausgang bewältigten.
Sollte ein weitverbreiteter Währungszusammenbruch das Pfund Sterling mitreißen, wird die politische Klasse ihn nicht aufhalten können. Wird Boris dann ein Hjalmar Schacht oder ein Ludwig Erhard sein, die beide zu unterschiedlichen Zeiten einen Zusammenbruch der Mark erlebten und die anschließende Erholung bewältigten? Ein interessanter Gedanke.
Die Weimarer Regierung in Deutschland
In der Weimarer Inflation wandelte sich eine schwache Regierung: Unter dem früheren, vorkriegszeitlichen Regime hatte sie an Knapps chartalistische Staatstheorie des Geldes geglaubt, die es ihr erlaubte, nach Belieben zu drucken. Dann erfuhr sie auf die harte Tour von deren grundlegenden Irrtümern, und zwar zu spät, um die Entwicklung noch aufzuhalten. Die gesamte westliche Welt hat sich in diesem Jahrhundert auf denselben Weg begeben, daher bietet die deutsche Erfahrung heilsame Orientierung. Ebenso interessant ist die Frage, wie Präsident Trump reagieren würde.
Bevor Hitler 1933 an die Macht kam, blieb die Weimarer Nachkriegsregierung noch lange im Amt, nachdem die Bevölkerung unter der großen Inflation gelitten hatte, die 1923 endete. Die folgenden zehn Jahre zeigten, dass ein Regierungssystem eine Währungskatastrophe überleben kann. Nach der Inflation sah sich die Weimarer Regierung weiterhin gezwungen, die Forderungen der Arbeiter gegen die der Industriekartelle, der Marxisten gegen die der Kapitalisten abzuwägen. Und als Großbritannien 1931 (zusammen mit dem gesamten Sterlingraum) den Goldstandard verließ, machte der Kursverfall des Pfund Sterling die deutschen Exportpreise im Vergleich plötzlich um geschätzte 20 % zu hoch. Bereits 1930 hatte Reichskanzler Brüning auf die sich entwickelnde Depression in Amerika mit einer Verknappung der Kredite und der Rücknahme von Gehaltserhöhungen reagiert, sodass die Abwertung des Pfund Sterling einen zusätzlichen Schlag bedeutete. In Verbindung mit Brünings bewusster Deflationspolitik führte dies zu Massenarbeitslosigkeit und zum Aufstieg der NSDAP, die schließlich im Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler die Kontrolle über die deutsche Wirtschaft übernahm.
Damit war das Muster des Weges in die Diktatur vorgezeichnet, den Hayek in seinem Werk Der Weg zur Knechtschaft beschrieben hat. Künftig dürften einige Staaten mit zusammengebrochener Währung mit ziemlicher Sicherheit einen ähnlichen Verlauf nehmen, der zunächst dadurch gekennzeichnet ist, dass eine schwache Regierung anschließend versucht, es allen recht zu machen.
Welchen Charakter diese Regierung auch haben mag: Es bedarf strenger Beschränkungen bei der Ausgabe einer neuen Ersatzwährung, wenn diese glaubwürdig sein soll. Sehr wahrscheinlich findet sie bereitwillige Unterstützung in einer Bevölkerung, die dringend glauben möchte, dass sie funktioniert. Darin liegt der Grund, warum und wie Hjalmar Schacht Ende 1923 als Währungskommissar und Präsident der Reichsbank Erfolg hatte.
Als er die Mark stabilisierte, war sein Büro eine ehemalige Putzkammer. Seine Sekretärin beschrieb seinen Arbeitstag wie folgt:
„Er saß auf seinem Stuhl und rauchte in seinem kleinen dunklen Zimmer, das nach alten Putzlappen roch. Las er Briefe? Nein. Schrieb er Briefe? Nein. Er telefonierte viel – mit jeder deutschen oder ausländischen Stelle, die mit Geld und Devisen zu tun hatte, ebenso mit der Reichsbank und dem Finanzminister. Und er rauchte. Wir aßen in dieser Zeit nicht viel. Meist gingen wir spät nach Hause, oft mit der letzten Vorortbahn, dritter Klasse. Ansonsten tat er nichts.“[i]
Als Währungskommissar leitete er eine Dienststelle aus nur zwei Personen mit einem Telefon, einschließlich seiner Sekretärin, Fräulein Steffeck. Das ist der Beweis, dass dies bei entsprechender Autorität alles ist, was zur Umsetzung einer nationalen Währungspolitik nötig ist. Die Lehre aus der Weimarer Republik lautet: Bei ordnungsgemäßer Führung kann eine neue staatliche Währung lange genug Bestand haben, um ein Land durch seine Wirtschaftskrise zu bringen. Deutschland trat anschließend in die „Goldenen Zwanziger“ ein, eine Phase wirtschaftlicher Erholung und wirtschaftlichen Wachstums, die allerdings durch die Ausweitung der Bankkredite angetrieben wurde. Während Schachts grundlegende Geldpolitik sehr erfolgreich war, näherte er sich politisch dem Nationalsozialismus an und wurde 1934 Hitlers Wirtschaftsminister, wenngleich er weiterhin für freie Märkte eintrat und zugleich die deutschen Rüstungsausgaben kritisierte.
Obwohl Schacht innerhalb des Establishments wirkte, stand seine Überzeugung von der freien Marktwirtschaft in direktem Widerspruch zum Faschismus. Der deutsche Faschismus erlaubte Privateigentum unter der Bedingung, dass der Staat dessen Produktion lenkte. Schacht gehörte dem NS-Regime an und war zugleich einer seiner größten Kritiker, er war sogar in einen Plan zum Sturz Hitlers im Jahr 1938 verwickelt. Sein internationales Ansehen war jedoch zu groß, als dass Hitler ihn hätte entlassen können; schließlich wurde er 1943 doch entlassen.
Schacht war ein bemerkenswerter Mann, ein deutscher Patriot, der in politisch schwierigster Zeit versuchte, das Beste für sein Land zu tun. In Nürnberg wurde er freigesprochen, und im anschließenden Entnazifizierungsverfahren wurde er vollständig entlastet.
Heute ist er eine vergessene Gestalt. Doch indem er die Wirtschaft durch die Einführung und Aufrechterhaltung einer soliden Geldpolitik stabilisierte, schuf er ein kurzes Zeitfenster, das zu Deutschlands goldenen Jahren Ende der 1920er-Jahre führte. Diese wurden allerdings zu einem großen Teil durch die Ausweitung der Bankkredite in Deutschland und anderswo angetrieben. Von seiner Vernachlässigung der Geldausweitung durch Bankkredite vielleicht abgesehen, scheiterten seine Bemühungen an Ereignissen, die außerhalb seiner Kontrolle lagen. Die Folgen des Börsenkrachs an der Wall Street, Reichskanzler Brünings Deflationspolitik und der zusätzliche Umstand, dass das Pfund Sterling 1931 vom Goldstandard getrieben wurde, waren die Ereignisse, die dem Faschismus die Tür öffneten und nach Deutschlands Niederlage im Zweiten Weltkrieg zur völligen Zerstörung seiner Wirtschaft führten.
Wo Schacht scheiterte, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg ein anderer deutscher Ökonom Erfolg: Ludwig Erhard.
Erhards Aufstieg zur Macht
Erhards Vater stammte aus bäuerlichen Verhältnissen, war vom Land nach Fürth in Nordbayern gezogen und hatte dort ein erfolgreiches Bekleidungsgeschäft aufgebaut. Erhard fils wuchs in gesicherten, wenn auch bescheidenen Verhältnissen mit soliden unternehmerischen Werten auf. Leider erkrankte er als Kind an Kinderlähmung, die ihn zwang, sein Leben lang orthopädische Schuhe zu tragen. Er konnte keinen Sport treiben und war gewissermaßen auf die Rolle des Zuschauers beschränkt. Er hatte nur wenige enge Freunde und galt entweder als Einzelgänger oder als jemand mit einem unabhängigen, nicht kollegial ausgerichteten Geist.
Zwei Wochen bevor Hitler bei einem Gasangriff kriegsversehrt wurde, erlitt Erhard im September 1918 in der Nähe durch alliierte Granatsplitter schwere Verwundungen. Er musste sich sieben Operationen unterziehen und verließ das Krankenhaus erst im folgenden Frühjahr. Er wurde offiziell als Kriegsinvalide mit Rente entlassen. Doch es war Hitler, der sich radikalisierte, während Erhard weiterhin eine ausgeglichenere, positive Lebenseinstellung bewahrte.
Zweifellos geprägt vom Erfolg seines Vaters als kleiner Händler, erkannte Erhard, dass die Verbraucher vor allem anderen zählten, und das in einer Zeit, in der Industriekartelle die deutsche Wirtschaft beherrschten. Wirtschaftspolitische Debatten tobten zwischen der deutschen Historischen Schule, kartellfreundlichen Liberalen, Marxisten und schließlich den Nationalsozialisten. Er aber blieb ein einsamer Verfechter freier Märkte, im Bewusstsein, dass keine Form staatlicher Planung bereitstellen konnte, was die Märkte verlangten, oder realistische Preise festsetzen konnte.
Sein ganzes Erwachsenenleben lang hielt er an seiner Minderheitsmeinung fest. Als Kriegsinvalide war er zu schwach, um im Geschäft seines Vaters zu arbeiten, und schrieb sich 1919 an einer Handelshochschule im nahe gelegenen Nürnberg ein. Das war der Beginn seiner akademischen Laufbahn, in deren Verlauf er ein Interesse an Geld und Wirtschaft entwickelte. Als Ökonom wurde er nie ein Mann des Konsenses. Er schloss sich weder den Liberalen an, die Kartelle und den Staat förderten, noch machte er sich den Sozialismus zu eigen. Er glaubte fest an die Freiheit des einfachen Menschen. Er lehnte die damaligen Moden der Zentralisierung und staatlichen Planung ab.
Anders als Schacht trat Erhard nicht in die NSDAP ein. Er blieb unpolitisch, hatte aber klare persönliche Ziele und brachte sich stets so in Position, dass er sie erreichen konnte.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland in vier militärische Verwaltungszonen aufgeteilt: die russische, die französische, die amerikanische und die britische. Für Erhard war zunächst die amerikanische von Belang, die unter General Lucius D. Clay stand. Dieser hatte vom Aufsichtsgremium (JCS 1067) die Anweisung erhalten, dass der Lebensstandard der deutschen Bevölkerung den ihrer Nachbarn nicht übersteigen dürfe (eine Anweisung, die er schließlich ignorierte). Außerdem sollten Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass Deutschland keinen weiteren Krieg beginnen konnte; dementsprechend sollte die Wirtschaft dezentralisiert, kriegsrelevante Industrien demontiert und die Führungsebene der Unternehmen entnazifiziert werden.
Da die US-Besatzungszone Süddeutschland umfasste, gehörte dazu auch Bayern, Erhards Heimatland, und er geriet rasch als einer der ganz wenigen vom Nationalsozialismus unbelasteten Verfechter der freien Marktwirtschaft in das Blickfeld der Amerikaner. Zudem neigte General Clay selbst zu freien Märkten, und Erhard wurde im September 1945 zum Wirtschaftsminister der bayerischen Regierung ernannt.
Den Besatzungszonen war es anfangs nicht gestattet, miteinander Handel zu treiben, weshalb Erhard sich nachdrücklich für den Zusammenschluss der amerikanischen und der britischen Zone einsetzte, der schließlich auch erfolgte. In ihrer gemeinsamen Verantwortung mit den Amerikanern für die neue Bizone unterschieden sich die Briten stark von diesen: Sie neigten im Einklang mit der Verstaatlichungspolitik der Regierung Attlee zu Zentralisierung und Planung. Erhard räumte diese Hindernisse jedoch Stück für Stück aus dem Weg und gewann das Vertrauen und den Respekt des amerikanischen Militärs, während die britischen Militärs ihn kaum duldeten.
Im Oktober 1947 trat ein neuer Ausschuss, die Sonderstelle Geld und Kredit, unter Erhards Vorsitz zusammen. In dieser Funktion machte er deutlich, dass er die Wirtschaft im Zusammenhang mit der geplanten Währungsreform so bald wie möglich deregulieren und liberalisieren wollte. Am 16. Juni 1948 wurden die Pläne zur Währungsreform festgelegt: Jeder Deutsche sollte sofort vierzig neue Deutsche Mark erhalten und zwei Monate später weitere 20 Mark. Fünf Prozent der Sparguthaben in alter Währung sollten sofort in neuer Währung gutgeschrieben werden, weitere fünf Prozent innerhalb von neunzig Tagen. Alle Altgeldbestände sollten vernichtet werden, was achtzig Prozent des umlaufenden Geldes entsprach. Damit sollte die Kaufkraft der Mark wiederhergestellt werden, und die erforderliche Gesetzgebung wurde zwei Tage später eilig verabschiedet. Die neue Deutsche Mark wurde am 21. Juni in der Bizone gesetzliches Zahlungsmittel.
Erhard nutzte seine Befugnisse als Direktor der Verwaltung für Wirtschaft (VfW), um die Rationierung der meisten Haushaltsgüter zu beenden, ohne die britischen und amerikanischen Behörden zu konsultieren. General Sir Brian Robertson, der Chef der britischen Besatzungsverwaltung, protestierte heftig, da in Großbritannien weiterhin rationiert wurde. General Clay zeigte für die Amerikaner Verständnis für Erhard, da er wusste, dass die Briten ein Veto eingelegt hätten, wenn Erhard zuvor die Militärbehörden befragt hätte. Daher ließ man die Frage der Überschreitung seiner Befugnisse fallen.
In der darauffolgenden Woche erlebte die Wirtschaft der Bizone ein scheinbares Wunder. Waren erschienen in den Geschäften, und die Händler verkauften sie gegen ein neues Geld mit angemessener Kaufkraft. Der Schwarzmarkt verschwand, und die Arbeiter verloren keine Zeit mehr fern ihrer Arbeitsplätze, um auf dem Schwarzmarkt Waren zu beschaffen. Es war der Beginn der neuen deutschen Wirtschaft.
Es gab kurzfristige Probleme. Die Preise stiegen, während die Löhne weiterhin kontrolliert wurden, doch das war nur vorübergehend. Erhard musste den Kampf fortsetzen, um sicherzustellen, dass freie Märkte funktionierten, dass der Verbraucher Vorrang vor staatlich gelenkten Unternehmen hatte und dass die Kartelle abgeschafft blieben. Dieser Kampf dauerte bis in die späten 1950er-Jahre. Doch fast allein, umgeben von Bürokraten, Planern und anderen Feinden freier Märkte, hatte er durch beharrliche Entschlossenheit Deutschland auf den Weg zum Wohlstand gebracht. Man sprach vom deutschen Wirtschaftswunder, obwohl es nichts dergleichen war: Es war das deutsche Volk, dem ein größeres Maß an wirtschaftlicher Freiheit gewährt wurde als je zuvor. Was die Menschen aus dieser Freiheit machten, war Erhards bleibendes Vermächtnis.
Die Lehren für heute
Es darf kein Zweifel bestehen, dass Zentralbanker die Bedingungen für ihren eigenen Untergang selbst schaffen. Sie tragen die volle Verantwortung für einen Zyklus aus Kreditausweitung und Kreditkontraktion, der zu dem führt, was allgemein als Konjunkturzyklus bezeichnet wird. Dieser Begriff legt nahe, die Schuld liege bei den „Animal Spirits“ der freien Märkte. Das ist falsch.
Das grundlegende Problem der Geld- und Kreditausweitung besteht darin, dass sie das zufällige Marktgeschehen, den nichtzyklischen Fall, durch koordiniertes Handeln ersetzt. Durch die Geldausweitung werden Produktion und Konsum gleichzeitig angeregt. Anstatt dass Schumpeters schöpferische Zerstörung zufällig über die Zeit verteilt eintritt, wird sie verstärkt und in einer zyklischen Krise gebündelt. Darüber hinaus weiten über den Dollar und das G20-Forum nunmehr alle Zentralbanken Geld und Kredit gleichzeitig aus. Dadurch ist sichergestellt, dass die unvermeidliche Krise überall auftreten und durch gemeinsame Handelsbeziehungen noch weiter verstärkt wird. Es liegt zudem in der Natur der Sache, dass aufeinanderfolgende Kreditzyklen zunehmend destabilisierend werden, weil die durch die Geldpolitik früherer Krisen verursachten Verzerrungen nie aus dem System herausgespült werden dürfen.
Man kann nicht mit Gewissheit sagen, dass die bevorstehende Kreditkrise die staatlichen Währungen zerstören wird. Die Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass die Ausweitung der Geldmenge und der Bankkredite beim US-Dollar, die voraussichtlich unternommen wird, um zu verhindern, dass die sich abzeichnende Rezession in eine tiefe Depression umschlägt, so groß ausfallen wird, dass sie seine Kaufkraft untergräbt. In der Eurozone war die Geldausweitung bisher gedämpfter, doch liegt dies daran, dass sie hauptsächlich von den Regierungen und nicht von den privaten Sektoren außerhalb des Finanzbereichs aufgenommen wurde. Und die Geldausweitung in Japan ist fast vollständig auf Sparkonten geflossen und an den Staat verliehen worden. China hat eine gelenkte Geldausweitung in Gang gesetzt, die größer ist als die aller anderen wichtigen Währungen.
Es wäre ein Wunder, wenn es nicht zu einer weitreichenden Währungskatastrophe käme. Entgegen den Ansichten von Schwarzmalern und sogenannten Preppern wird das Leben jedoch weitergehen. Der Schlüssel zur Lage nach diesem Ereignis wird sein, ob freie Märkte tatsächlich angenommen werden. Ein wiedergewählter Präsident Trump und Premierminister Johnson täten gut daran, sich mit den Lehren aus Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert zu befassen, die zunächst zeigten, wie man es nicht machen sollte, und dann, wie man ein dauerhaftes Vermächtnis für die eigene Nation und für sich selbst schafft.
[i] Adam Fergusson: When Money Dies: The Nightmare of the Weimar Collapse, Kapitel 13.
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