
In seiner Pressekonferenz im Anschluss an die FOMC-Sitzung, auf der der Leitzins (Fed Funds Rate) unverändert blieb, sprach Fed-Chef Powell von einer Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit infolge eines restriktiven Zinsniveaus. Diese unerwartete Aussage ließ die Edelmetalle kräftig steigen: Gold stieg wieder über 2.000 US-Dollar und Silber über 24 US-Dollar.
Im europäischen Handel heute Morgen lag Gold bei 2.042 US-Dollar, ein Plus von 38 US-Dollar gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 24,22 US-Dollar, ein Plus von 1,24 US-Dollar im gleichen Zeitraum. Das Volumen in beiden Comex-Kontrakten war moderat und zog nach der FOMC-Erklärung an. Die Comex-Lieferungen setzten sich zügig fort: In diesem Monat wurden bisher 279.000 Unzen Gold (8,7 Tonnen) und 6.390.000 Unzen Silber (198,7 Tonnen) geliefert. Das offene Interesse (Open Interest) in beiden Kontrakten ist moderat, wie unsere nächsten Diagramme zeigen.

Bei Gold zeigen die Zahlen des Commitment-of-Traders-Berichts, dass die Minen sich weiterhin nicht um Absicherungsgeschäfte bemühen. Dazu gleich mehr.

Das ist von Bedeutung, denn dadurch fällt die Last der Short-Seite auf die Swaps, die größtenteils aus den Handelsabteilungen der Edelmetallbanken bestehen. Trotz des moderaten Open Interest erklärt dies das hohe finanzielle Engagement im nächsten Diagramm.

Die Short-Seite verteilt sich auf 29 Parteien, sodass die durchschnittliche Short-Position 1,78 Mrd. US-Dollar beträgt, für einige von ihnen zweifellos ein unangenehmer Wert.
Angesichts der gemäßigten Töne von Powell sind die Anleiherenditen deutlich gefallen; die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe liegt ein ganzes Prozent unter ihrem Oktoberhoch. Dazu das nächste Diagramm.

Wenig überraschend ist auch der handelsgewichtete Index des Dollars gefallen.

Das Tempo dieses Rückgangs ist ungewöhnlich, und es besteht das Risiko, dass er sich selbst verstärkt. Der Rückgang des handelsgewichteten Dollar-Index entspricht dem Anstieg des japanischen Yen. Das ist wichtig, weil Zinsarbitrageure Yen über den Swap-Markt leihen und gegen Dollar verkaufen. Die Dollar werden in Treasury Bills angelegt. Die Hebelung der Position war für Hedgefonds und Banken, die diesen Handel betreiben, außerordentlich lukrativ. Das gilt jedoch nur, bevor man den Währungsverlust von 5 % berücksichtigt, der seit dem 1. November eingetreten ist. Bei fünf- oder zehnfacher Hebelung werden die Verluste enorm.
Hinzu kommt, dass japanische Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Banken ihre Auslandspositionen auflösen. Daran erkennen wir, dass sich eine Panik entwickelt, die den Yen voraussichtlich weiter steigen und den Dollar weiter fallen lässt. Das Gleiche gilt für ähnliche Carry-Trades zwischen Euro und Dollar. Es ist nicht auszuschließen, dass wir uns in der Anfangsphase eines erheblichen Dollarverfalls befinden.
Es besteht kaum ein Zweifel, dass Zentralbanker intern mit einer Krise dieser Art gerechnet haben, wie ihre aggressive Anhäufung von Gold-Edelmetall belegt. Sie beobachten Devisenströme und -positionen. Und ihre Informationen von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und aus anderen Quellen sind unübertroffen.
Aus diesem Grund sollten sowohl Anleger als auch alle, die sich um die globale Finanzstabilität sorgen, dies beachten. Der jüngste Rückgang unter 2.000 US-Dollar könnte der letzte gewesen sein. Wer sich noch nicht aus Dollar in Gold abgesichert hat, wird voraussichtlich den steigenden Gold- und Silberpreisen hinterherlaufen.