Es besteht kaum Zweifel, dass die Deflationsrisiken in den vergangenen Wochen gestiegen sind, schon allein weil der Dollar gegenüber anderen Währungen stark gestiegen ist.
Zu verstehen, worin dieses Risiko tatsächlich besteht, und nicht, was die Meinungsmacher darunter verstehen, wird für das finanzielle Überleben entscheidend sein, insbesondere für alle, die sich für Edelmetalle interessieren.
Das wirtschaftliche Establishment bringt Deflation, also sinkende Preise, mit mangelnder Nachfrage in Verbindung. Daraus folgt: Wenn man die Deflation andauern lässt, führt sie zu Unternehmenspleiten und letztlich zu Bankeninsolvenzen infolge der Verknappung von Bankkrediten. Deshalb, so die Argumentation, müssten Nachfrage und Verbrauchervertrauen gestützt werden, damit es nicht dazu kommt.
Das sollten wir bei der Beurteilung der Reaktion auf aktuelle Ereignisse im Hinterkopf behalten. Derzeit gibt es Anzeichen, die den Zentralbanken Sorgen bereiten müssen: Die japanische Wirtschaft implodiert trotz aggressiver geldpolitischer Impulse, und in der Eurozone zeigen sich ähnliche Symptome. Das Vereinigte Königreich ist stark vom Handel mit der Eurozone abhängig, und es wird vermutet, dass sich seine starke Entwicklung abkühlt. Die folgende Grafik zeigt, wie sich all dies seit August in den jeweiligen Währungen niedergeschlagen hat.

Besonders alarmierend ist der Kursrückgang dieser Währungen seit Mitte Oktober, wobei der Yen besonders stark nachgegeben hat. Angesichts der erwarteten Auswirkungen auf die US-Preisinflation können wir sicher sein, dass die Fed handeln wird, falls diese wichtigen Währungen weiter schwächeln.
Um das Ausmaß des Problems zu verstehen, muss man die enorme Größe der beteiligten Kapitalströme erfassen. Die folgende Abbildung zeigt das Verhältnis zwischen den Nicht-USD-Währungen und dem USD selbst.

Das Verhältnis zwischen der Geldbasis des Dollars und der globalen breiten Geldmenge entspricht einem Hebel von mehr als dem Vierzigfachen. Da Japan und die Eurozone vor einer sich vertiefenden Rezession stehen, werden sich die Kapitalströme naturgemäß wieder in Richtung Dollar umkehren, und genau das scheint derzeit zu geschehen. Volkswirte, die für die USA weiterhin Wirtschaftswachstum erwarten, scheinen die weiterreichenden Folgen für die US-Wirtschaft und den Dollar selbst nur langsam erkannt zu haben.
Die Fed, die die Verantwortung für die Weltreservewährung trägt, wird unter Druck stehen, die Lage durch eine Schwächung des Dollars zu entschärfen. Bislang scheint die Entwertung des Dollars durch die Fed auf der Ebene der Verbraucherpreise bemerkenswert erfolglos geblieben zu sein, was sie zu einem entschlosseneren Vorgehen ermutigen könnte. Sie sollte jedoch vorsichtig sein: Dies ist keine Angelegenheit, die sich fein steuern lässt.
Vorläufig scheinen sich die Kapitalmärkte der Deflation nur stückweise anzupassen. Analysten senken ihre Wachstumserwartungen für Japan, die Eurozone und China und empfehlen, Rohstoffe zu verkaufen. Diese Logik haben sie noch nicht auf Aktien übertragen und die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen noch nicht beurteilt. Sobald sie das tun, ist mit steigenden Renditen für Staatsanleihen und fallenden Aktienkursen zu rechnen.
Auch der Rückgang des Goldpreises ist von der wirtschaftlichen Realität abgekoppelt. Zwar lässt sich ein starker Dollar oberflächlich leicht mit einem schwachen Goldpreis in Verbindung bringen, doch diese Argumentation übersieht die unvermeidlichen systemischen Risiken und Währungsrisiken, die aus einem wirtschaftlichen Einbruch entstehen. Die offensichtliche Fehlbewertung von Gold, Aktien, Anleihen und sogar Währungen deutet darauf hin, dass sie alle reif für eine gleichzeitige Korrektur sind, ausgelöst durch das, was das wirtschaftliche Establishment als Deflation bezeichnet, treffender aber als Konjunktureinbruch zu benennen ist.