Das grundlegende Marktproblem besteht darin, dass die Staaten mehr Geld aufnehmen, als verfügbar ist, was normalerweise die Zinsen stark in die Höhe treiben würde.
Einige Länder haben dies umgangen, indem sie Geld drucken und zugleich vorgeben, Anleihen auszugeben. Einige wenige Länder können dies nicht, weil ihnen eine eigene, druckbare Währung fehlt. Und genau das ist die Wurzel des Problems der schwächeren Mitglieder der Eurozone.
Für einige von ihnen ist dieses Problem so akut geworden, dass sie ihre Defizite nicht mehr finanzieren können. Weniger offensichtlich ist, dass diese hoch verschuldeten Staaten auch bestehende Schulden bei Fälligkeit umschulden müssen. Traditionell wurden diese Schulden an den Märkten im Wege der Anschlussfinanzierung aufgenommen, doch das funktioniert nur, solange die Märkte grundsätzlich Vertrauen haben, was nicht mehr der Fall ist: Dafür hat die Unfähigkeit der politischen Klasse, ihre Schwierigkeiten zu lösen, gesorgt. Wenn Anleihen fällig werden, dürften Anleger und Banken daher kaum erneut investieren und Bargeld vorziehen. Selbst wenn die schwächeren Staaten die Rückzahlungen finanzieren können, etwa aus einer erweiterten Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), wird dies dazu verwendet, die auf Euro lautenden Bankkredite zu reduzieren und die Eigenkapitalquoten zu verbessern.
Das muss kein schlechtes Ergebnis sein, denn der wirtschaftliche Effekt besteht lediglich darin, die Finanzierung der Staatsschulden auf die EFSF zu verlagern. Die Frage ist, wer die EFSF finanzieren wird, die aufgrund ihrer Hebelung ein riskantes Unterfangen ist. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: die EZB (was zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorausgesetzt werden sollte) und diejenigen mit Handelsüberschüssen, die wieder angelegt werden müssen, insbesondere China. Und da China die einzige größere Quelle dieser potenziellen Finanzierung im Rennen ist, verfügt es über enorme Verhandlungsmacht.
Es ist aufschlussreich, die Sache aus chinesischer Sicht zu betrachten. China soll verschwenderische Nationen retten, denen der Kredit ausgegangen ist und deren Bürger einen weit höheren Lebensstandard genießen als die eigenen. Das läuft auf eine Machtposition hinaus, die der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes vorauseilt. Hinzu kommt, dass Chinas Ökonomen mit dem marxistischen Diktum aufgewachsen sind, dass der Kapitalismus sich letztlich selbst zerstört; man bittet sie also, lediglich etwas hinauszuzögern, das unvermeidlich ist. Werden sie die EFSF finanzieren? Über einen symbolischen Betrag hinaus erscheint das unwahrscheinlich. Werden sie aber tatenlos zusehen, wie Europa untergeht? Das wäre eine verpasste Gelegenheit, ihre enorme Macht auszuspielen, und wir müssen diesen Gedanken in einen historischen Zusammenhang stellen.
Eines haben die Chinesen gelernt: Sie können ihre eigene Sicherheit nicht allein mit militärischen Mitteln gewährleisten, sondern benötigen auch wirtschaftliche Stärke. Das war der Grund, weshalb der Kommunismus alter Prägung scheiterte. Sie haben nur dreißig Jahre gebraucht, um diese Stärke zu erlangen. Um sie zu festigen, wollen sie sich nun von der Abhängigkeit vom US-Dollar befreien. Der Preis, den die Eurozone für Finanzmittel zahlen muss, besteht daher entweder darin, dass China einen gewissen Einfluss auf den Euro erhält, etwa durch eine ständige Vertretung bei der EZB, und/oder darin, dass der Yuan bei der Abwicklung des Handels deutlich an Bedeutung gewinnt. Und es ist unwahrscheinlich, dass Kredite über die EFSF laufen werden, da China seine Bedingungen selbst festlegen will.
Dies beschreibt die Stärke ihrer Position. Es bleibt abzuwarten, wie China diesen lang ersehnten Ausweg aus der Dominanz des Dollars nutzt und wie es sein starkes Blatt ausspielt. Zunächst könnte es klugerweise auf Zeit spielen und die Lage in der Eurozone sich weiter verschlechtern lassen, um die gewünschten Bedingungen zu erhalten.