
Gold und Silber notierten diese Woche tiefer. Gold lag im europäischen Handel heute Morgen netto 21 US-Dollar niedriger bei 1.834 US-Dollar, nachdem es am Mittwoch zeitweise bis auf 1.810 US-Dollar gefallen war. Silber geriet noch stärker unter Druck und verlor 1,18 US-Dollar auf 20,06 US-Dollar, nachdem es zwischenzeitlich bis auf 19,90 US-Dollar gefallen war.
Diese Woche sagte Jay Powell zwei Tage lang vor dem Senat und dem Kongress aus, was Befürchtungen vor einer weiteren Straffung auslöste. Gestern jedoch gaben die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen entlang der gesamten Kurve nach, was darauf hindeutet, dass die „Falken“ ihre Baisse-Positionen auflösten. Dass die Terminmärkte stark short in US-Staatsanleihen positioniert sind (also auf steigende Renditen setzen), hat einige Kommentare hervorgerufen. Und wenn alle verkauft haben und niemand mehr da ist, der verkaufen kann, dann kann es nur noch aufwärts gehen.
Dasselbe gilt für die Edelmetalle. Die Händler, die in US-Treasury-Futures short sind, dürften auch an der Comex in Gold und Silber short sein. Eine Untersuchung der Veränderungen des Open Interest im Verhältnis zu den Kursbewegungen bestätigt diese Analyse. Dies ist das Thema unserer nächsten beiden Charts.

Sowohl bei Gold als auch bei Silber stieg das Open Interest bei den jüngsten Kursrückgängen. Dies deutet darauf hin, dass die Kategorie „Managed Money“, die normalerweise netto long ist, nun netto short ist. Als Gegenposition dazu haben die Edelmetallbanken ihre Short-Positionen netto geschlossen und sind geringfügig long. Eine solche Konstellation markiert üblicherweise wichtige Wendepunkte bei Gold und Silber.
Wir sollten uns nicht allein auf fundierte Vermutungen stützen, sondern es ist auch geboten, die physische Lage zu betrachten. An der Comex wurden diese Woche bislang weitere 1,8 Tonnen Gold zur Lieferung gestellt, womit sich die Gesamtmenge in diesem Jahr auf 77,75 Tonnen beläuft. Bei Silber wurden diese Woche weitere 40,29 Tonnen zur Lieferung gestellt, insgesamt 1.433,24 Tonnen in diesem Jahr.
Laut dem World Gold Council stocken die Zentralbanken in Asien ihre Goldreserven weiter auf: die Türkei (22,5 Tonnen im Februar), Singapur (44,6 Tonnen im Januar), China (24,9 Tonnen im Februar) und Usbekistan (8,1 Tonnen im Februar). Besonders interessant ist Singapur. Wir können sicher sein, dass die dortigen hochrangigen Verantwortlichen den Puls Chinas genau fühlen und ihre Goldreserven nicht ohne guten Grund um fast 30 % erhöht hätten.
Der WGC berichtet außerdem, dass die weltweiten ETF-Bestände im Februar um 34,47 Tonnen sanken. Das passt zu einer sich eintrübenden Anlegerstimmung, wie wir sie in überverkauften Marktphasen erwarten.
Geopolitisch scheinen die USA die Spannungen sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber China weiter zu verschärfen und setzen zugleich Staaten andernorts unter Druck, sich von der asiatischen Achse zu distanzieren. In den kommenden Wochen dürfte sich zunehmend das Gefühl unumkehrbarer Spannungen einstellen, was die Möglichkeit eines neuen heißen Krieges erhöht. Auf der globalen Finanzbühne ist zudem anzumerken, dass die Aktien der Credit Suisse, einer global systemrelevanten Bank, neue Tiefstände erreicht haben. Das von der Schweizerischen Nationalbank organisierte Rettungspaket scheint nicht allzu gut zu laufen.
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