Die Aussichten für Gold verbessern sich

Das Zusammentreffen dreier miteinander verbundener Ereignisse verändert die Aussichten spürbar zugunsten eines höheren Goldpreises.

Die veränderten Aussichten für die US-Zinsen haben der vierjährigen Hausse des Dollars wahrscheinlich ein Ende gesetzt, es ist klar, dass negative Zinsen in Zukunft zunehmend wahrscheinlich werden, und das globale Bankensystem ist nicht in der Verfassung, die möglichen Herausforderungen des Jahres 2016 zu bewältigen. Dieser Artikel führt den Leser durch die voraussichtlichen wirtschaftlichen Auswirkungen, die für die künftige Kaufkraft des Dollars und damit für die Aussichten des Goldpreises relevant sind.

Am 5. Februar war die Kursentwicklung bei Gold bemerkenswert. Gegen 9:40 Uhr New Yorker Zeit warf ein Verkäufer 10.000 Kontrakte im Wert von etwa 1,2 Mrd. $ auf den Comex-Markt. Der Preis fiel von 1.162 $ auf 1.145 $, ein Rückgang um 17 $. Da er im Verlauf der Woche gestiegen war, war er anfällig für Gewinnmitnahmen, sodass es grundsätzlich ein guter Zeitpunkt war, den Preis zu drücken, um dem Markt den Schwung zu nehmen. Von diesem Niveau von 1.145 $ aus stieg Gold jedoch rasch und unerwartet kräftig und gewann bis zum Handelsschluss nahezu 30 $ hinzu. Darüber hinaus ist der Goldpreis auch in dieser Woche weiter gestiegen.

Natürlich wissen wir nicht, wer der Verkäufer war, doch er dürfte erhebliche Verluste verbuchen. Handelte es sich um den Exchange Stabilisation Fund der US-Regierung, spielen die Kosten keine Rolle. Entscheidend wäre vielmehr, dass der Versuch, den Goldpreis zu deckeln, kläglich gescheitert ist und lediglich einen grundlegenden Stimmungswandel am Markt offengelegt hat: von äußerst pessimistisch hin zu wachsendem Optimismus. Dies wird durch das steigende Open Interest an der Comex gestützt, ein klares Zeichen dafür, dass ein steigender Goldpreis nicht mehr allein durch die Glattstellung von Short-Positionen getrieben wird, sondern dass inzwischen neue Käufe den Markt bestimmen.

Der Stimmungswandel ist bemerkenswert und fiel zeitlich mit der Senkung des Einlagenzinssatzes der Bank of Japan auf minus 0,1 % zusammen. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch den Vereinigten Staaten eine Negativzinspolitik (NIRP) bevorstehen könnte. Wir müssen daher kurz von der Betrachtung des Goldpreises abweichen und die möglichen Auswirkungen der NIRP untersuchen.

Am besten versteht man die NIRP als eine von der Zentralbank erhobene Steuer. Schätzungsweise 7 Billionen US-Dollar an Staatsanleihen weisen inzwischen negative Renditen auf. Das kostet den globalen Privatsektor 7 Milliarden US-Dollar je 0,1 % negativer Rückzahlungsrendite. Geschäftsbanken werden zudem versuchen, die Kosten negativer Zinsen auf ihre Kreditbücher durch höhere Gebühren für ihre Kunden, einschließlich der Kreditnehmer, auszugleichen, wie es die Banken in der Schweiz bereits gezeigt haben. Paradoxerweise werden negative Zinsen daher das Wirtschaftswachstum nicht anregen, sondern stellen eine zusätzliche Belastung für Anleiheinvestoren, Sparer und Kreditnehmer dar und dämpfen die Ausweitung der Bankkredite sowie echte Investitionen in Anleihen. Der einzige Nutznießer ist die Zentralbank, die die NIRP-Steuer vereinnahmt und die Preise der Vermögenswerte in ihrer Bilanz aufbläht.

Solche Eingriffe enden stets in den Tränen unbeabsichtigter Folgen. Sie zeigen, wie verzweifelt die außerordentlichen Maßnahmen geworden sind, die von den Zentralbanken in Erwägung gezogen werden. Ein rational handelnder Zentralbanker erkennt gewiss die möglichen Nachteile der NIRP, doch die Furcht vor einer Deflation dürfte seine oder ihre vorherrschende emotionale Triebkraft sein.

Die NIRP hat durchaus das Potenzial, eine Rückkehr zum Inflationsziel der Fed von 2 % auszulösen. Führt die Fed sie ein, werden die Preise aller Rohstoffe, die vorrangig in Dollar notiert sind, in eine natürliche Backwardation übergehen. Dadurch könnte der physische Besitz von Rohstoffen wie Edelmetallen günstiger werden als das Halten von Bankeinlagen.

Das Ziel der NIRP ist ein Preiseffekt, der sich am besten so beschreiben lässt, dass er die Präferenz der Öffentlichkeit vom Halten von Geld hin zum Kauf von mehr Gütern verschieben soll. Dies ist nicht mit einem Preisanstieg zu verwechseln, der eine höhere im Umlauf befindliche Geld- und Kreditmenge widerspiegelt, wie ihn die herkömmliche Geldtheorie vorhersagt. Wahrscheinlich werden die Preise, wie sich zeigen wird, unabhängig von jeder Veränderung des Bankkreditvolumens zu steigen beginnen.

Käufer von Rohstoffen wie Gold vernichten ihr Geld nicht, es sei denn, eine Bank verkauft ihnen den Rohstoff physisch aus ihrer eigenen Bilanz. Stattdessen erhält der Rohstofflieferant Buchgeld auf sein Konto überwiesen, das er zur Deckung seiner Betriebskosten weitergibt. Es landet als kleinere Einlagen auf den Bankkonten der Beschäftigten und Zulieferer der Rohstoffimporteure und der inländischen Bergbauunternehmen. Bei importierten Rohstoffen werden die Einlagen über die Devisenmärkte zurückgeführt und größtenteils wieder vom Bankensystem aufgenommen, wo sie überwiegend vernichtet werden.

Neben Rohstoffen gilt dies auch für die übrigen Kostenbestandteile bei der Herstellung von Gütern und der Erbringung von Dienstleistungen. Mit dem Verständnis, dass der Großteil der Einlagen bestehen bleibt, wenn Käufer des Privatsektors Rohstoffe und Vormaterialien erwerben, können wir uns nun dem wahrscheinlichen Preiseffekt der NIRP zuwenden. Preisstabilität bei einer Papierwährung hängt von den allgemeinen Geldpräferenzen der Öffentlichkeit im Verhältnis zum Besitz von Gütern ab. Steigen die Preise nicht im Einklang mit der monetären Expansion, wie es seit der Lehman-Krise der Fall ist, müssen die Menschen ihre Einlagen erhöhen und steigern dadurch unbewusst ihre Präferenz für Geld.

Deshalb führt eine Zunahme der Menge an Papiergeld und Krediten nicht automatisch zu Preisinflation. Seit die Lehman-Krise die letzte Reihe „außerordentlicher Maßnahmen“ ausgelöst hat, sind die Sicht- und Spareinlagen bei den Banken von 4,7 Billionen auf 9,9 Billionen US-Dollar gewachsen. Das bedeutet, dass normale Menschen und ihre Unternehmen ihre Präferenz für Geld mehr als verdoppelt haben, während die Preise im Einzelhandel weniger gestiegen sind, als die Ausweitung der Geldmenge hätte erwarten lassen.

Dies geschah, weil Buchgeld die Kehrseite der Ausweitung der Bankkredite ist. Man stelle sich nun vor, was geschieht, wenn der Privatsektor insgesamt diesen Trend der Geldpräferenz auch nur geringfügig umkehrt, wobei stets zu bedenken ist, dass Menschen sowohl als Produzenten als auch als Konsumenten handeln. Wir hätten dann eine Situation, in der die Bevölkerung, sowohl als Produzent als auch als Konsument, Geld im Verhältnis zu Gütern weniger wünscht als zuvor. Die Preise für Güter würden dann steigen, ohne dass sich die wirtschaftliche Aktivität nennenswert verändert. Kurz gesagt: Die Verringerung der allgemeinen Geldpräferenz im Privatsektor ist die eigentliche Ursache der Stagflation, und ein einmal begonnener Prozess kann leicht außer Kontrolle geraten.

Wir müssen nicht darüber spekulieren, wie weit die Negativzinsen gehen müssen, um diesen Effekt auszulösen. Denn wenn NIRP eingeführt wird, wird es so lange ausgeweitet, bis höhere Preise angeregt werden. Man würde erwarten, dass die Wahrscheinlichkeit von NIRP zuerst an den Devisenmärkten vorweggenommen wird, wenn Spekulanten beginnen, den Schaden für die Kaufkraft des Dollars einzupreisen. Bemerkenswert ist daher, dass der Dollar seit Anfang Dezember gegenüber Euro und Yen deutlich nachgegeben hat, und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit in den letzten vierzehn Tagen.

Dies steht im Zusammenhang mit der wachsenden Erkenntnis, dass die US-Wirtschaft ins Stocken gerät und dass vielen Unternehmensschuldnern künftig der Cashflow fehlen wird, um den Schuldendienst zu finanzieren. Die Anhebung des Leitzinses (Fed Funds Rate) durch die Fed im Dezember wird daher zunehmend als schwerer Fehler gesehen, der rückgängig gemacht werden muss, was NIRP offensichtlich weit wahrscheinlicher macht. Für Anleger stellt sich nun jedoch die Frage: Wie sichert man sich gegen einen Kursverfall des Dollars ab, wenn die anderen großen Währungen, insbesondere Yen und Euro, bereits NIRP verfolgen? Für diese Währungen ist ein mäßiger Kursrückgang gegenüber dem Dollar ein Zeichen erfolgreicher und wettbewerbsfähiger Geldpolitik. Und wenn die Fed auf NIRP setzt, ist zu erwarten, dass andere große Zentralbanken ihre Negativzinsen noch weiter senken. Der Verkauf des Dollars gegen andere Währungen dürfte daher als Absicherung nur begrenzt attraktiv sein. Der Fokus wird sich deshalb voraussichtlich auf den Aufbau von Rohstoffpositionen, einschließlich Energie, verlagern.

Es gibt einen weiteren Grund, weshalb Menschen ihre Geldpräferenzen ändern möchten: Ihre Bankeinlagen sind zunehmend dem Risiko von Bankenzusammenbrüchen ausgesetzt. Kleine Einleger sind theoretisch durch staatlich geförderte Einlagensicherungssysteme geschützt, größere Guthaben könnten jedoch sehr beweglich werden.

In den vergangenen Wochen sind die Aktienkurse der Banken stark gefallen, und auch die Preise für Kreditausfallswaps (Credit Default Swaps) einzelner Banken sind alarmierend gestiegen. Es kann kaum ein Zweifel bestehen, dass die Banken zu fragil sind, um die faulen Kredite zu überstehen, die selbst aus einem teilweisen Abgleiten in eine Schuldenliquidation folgen würden.

Deshalb haben die Zentralbanken zunächst Nullzinsen eingeführt und experimentieren nun mit NIRP. Wie oben bereits beschrieben, wirkt NIRP jedoch logischerweise wie eine Steuer auf Anleihegläubiger und Banken. Die Kosten werden an deren Kunden weitergegeben, sodass es nicht der wirtschaftliche Impuls ist, für den Zentralbankökonomen es halten. Es ist so gut wie sicher, dass ein Teil des Zuwachses von 5 Billionen Dollar an Einlagen und Ersparnissen auf Bankkonten seit der Lehman-Krise beginnen wird, in Gold und andere Absicherungen außerhalb der Papierwährungen zu fließen.

Einen Vorgeschmack darauf, wie ernst diese Lage werden kann, gab die Bankenkrise in Zypern 2013. Es war ein stümperhaft durchgeführtes Bail-in, das zu einer Flucht von Einlagen aus den Banken an der Peripherie der Eurozone in die sicheren deutschen Banken führte. Dieses Sicherheitsnetz gibt es nicht mehr, weil die deutschen Banken nicht solide sind.

Weniger bekannt wurde der Versuch von Kunden der Edelmetallbanken, ihre nicht zugeteilten Goldkonten in zugeteilte Edelmetallkonten umzuwandeln und die physische Auslieferung zu verlangen. Um einen sich anbahnenden Ansturm auf Gold bei den nur teilgedeckten Edelmetallbanken zu entschärfen, starteten westliche Zentralbanken im Verbund mit den Edelmetallbanken eine Baisse-Attacke am Terminmarkt für Gold. Die Absicht war, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Gold keine taugliche Absicherung gegen Risiken im Finanzsystem sei, und die Goldbestände in physischen ETFs freizusetzen. Auch dieses Sicherheitsnetz steht diesmal nicht zur Verfügung.

Das führt uns zurück zur Kursentwicklung am vergangenen Freitag, die den Goldpreis nicht drücken konnte. Wir können nicht sicher wissen, ob es sich um eine von der US-Regierung unterstützte Aktion handelte, aber selbst wenn nicht, gelang es nicht, den Beginn dessen zu entschärfen, was zunehmend wie ein neuer Bullenmarkt für Gold aussieht. Zwar ist eine Rally nach Dezember in den letzten beiden Jahren letztlich gescheitert, doch diese sieht wirklich anders aus und fühlt sich anders an.

Eine zutreffendere Einschätzung der Märkte lautet, dass wir in einen Bärenmarkt für den US-Dollar eintreten, dessen Kaufkraft nicht nur unerwartet fallen, sondern sich mit zunehmender Geschwindigkeit weiter verringern könnte, je wahrscheinlicher die Einführung von NIRP für den Dollar wird. Sollte der Goldpreis auf 2.000 oder sogar 20.000 Dollar steigen, wäre das vor allem ein Symptom für das Scheitern des Dollars.

Es scheint, dass wir uns schließlich dem zerstörerischen Ende der geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken nähern. Wir werden auf die harte Tour feststellen, während die Verzweiflung über das Scheitern der Geldpolitik wächst, dass ein Staat, der sein eigenes Geld verdirbt, es letztlich zerstört.

 

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