Deutsche debattieren offen im Fernsehen über einen Euro-Austritt

Die Deutschen stehen dem Euro zunehmend feindselig gegenüber – der Widerstand konzentriert sich auf konservative Bundesländer wie Bayern, Hessen und Baden-Württemberg.

Diese Länder leiden unter höheren Ausgleichszahlungen und lehnen endlose Rettungspakete zunehmend ab. Viele beginnen, den Euro als Hindernis für die europäische Einheit statt als Hilfe dafür zu betrachten.

Viele Deutsche ärgern sich zunehmend über kleinliche Vorschriften, die in Großbritannien seit Langem Anlass für den Spott der Boulevardpresse sind. Dass sie von der nicht gewählten Europäischen Kommission auferlegt werden, macht es nur noch schlimmer. Ist es da verwunderlich, dass viele Bayern offen die Rückkehr eines Freistaats fordern – frei von den Vorgaben aus Brüssel und Berlin?

Eine neue Partei mit dem Namen „Alternative für Deutschland“ (AfD) wird im September zur Wahl des Deutschen Bundestags antreten. Diese Partei, der Universitätsprofessoren, ehemalige Industriemanager sowie Unternehmer angehören, befürwortet einen deutschen Euro-Austritt („Gerxit“?).

Vergangene Woche übertrug der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ZDF zur besten Sendezeit eine offene Diskussion über die Möglichkeit eines deutschen Euro-Austritts. Die Euro-Befürworter hatten es sehr schwer, da ihre Argumente zur Verteidigung der Einheitswährung allein auf der Annahme beruhten, sie sichere den Frieden in ganz Europa. Diese Vorstellung wurde von den anderen Gästen jedoch glatt zurückgewiesen; sie erklärten, der Euro sei offensichtlich gescheitert und Bundeskanzlerin Merkel sei eine „Hofdame der Reichen“ und der Banken.

Zu den Führungspersonen dieser neuen Partei zählt unter anderem Professor Bernd Lucke, der – neben den ausgesprochenen Euro-Gegnern Dirk Müller („Mister Dax“) und Oskar Lafontaine (Die Linke), Rainer Brüderle (FDP), Jean Asselborn (Außenminister Luxemburgs) und der italienischen Journalistin Flaminia Bussotti – in der Sendung von Maybrit Illner offen über einen deutschen Euro-Austritt diskutierte. Es war die erste derartige Diskussion im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen – und das zur besten Sendezeit.

Laut einer aktuellen Umfrage von TNS-Emnid glauben 32 % aller Befragten, dass die EU ihnen persönliche Nachteile gebracht hat. 65 % der Befragten gaben an, der Euro habe ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Diese 65 % glauben vermutlich auch, dass eine Rückkehr zur D-Mark ihre Lebensqualität verbessern würde. 49 % erklärten offen, das Land stünde außerhalb der EU besser da.

Neben der AfD ist unter dem Namen „Partei der Vernunft“ (PdV) eine zweite politische Partei entstanden, deren Standpunkte fast vollständig auf den Theorien der Österreichischen Schule beruhen.

Laut einer aktuellen Umfrage von TNS-Emnid für das Magazin Focus könnte jede Partei, die offen für einen deutschen Euro-Austritt eintritt, bis zu 26 % aller Stimmen erzielen. Wenn die AfD ihre Karten richtig ausspielt, könnte sie einen Erfolg erzielen, der dem von Beppe Grillos „Fünf-Sterne-Bewegung“ in Italien ähnelt. Auch dies wurde in der bereits erwähnten Sendung diskutiert.

Was mich betrifft, so kann ich jedem, der die Karte des deutschen Euro-Austritts auf den Tisch legt, nur viel Erfolg wünschen – in dem Bemühen, frühere Fehler zu korrigieren.

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