Nur wenige Mainstream-Kommentatoren verstehen den Ernst der wirtschaftlichen und monetären Lage. von einer V-förmigen, raschen Rückkehr zur Normalität hin zu einer länger anhaltenden Erholungsphase.
Dass sich fünf Monate, bevor das Virus Amerika erreichte, an den US-Geldmärkten eine Liquiditätskrise entwickelte, ist in Vergessenheit geraten. Allein ein steigender Goldpreis zeugt von einer tieferen Krise, die sich aus schrumpfender Bankkreditvergabe zusammensetzt, während die Zentralbanken versuchen, die Wirtschaft zu retten, Staatsdefizite zu finanzieren und die Marktblase aufgebläht zu halten.
Das nächste Problem ist eine Krise der Banken, die für Anleger und Einleger völlig unerwartet kommt. In einer Zeit, in der die Kreditrisiken in nie gekannte Höhen schnellen, ist ihre finanzielle Verfassung fragiler als vor der Lehman-Krise. Ausfälle bei europäischen G-SIBs in den nächsten ein bis zwei Monaten sind kaum zu vermeiden und führen zu einer ausgewachsenen Geld- und Kreditkrise, die Vermögenswerte, Staatsfinanzierung und die Papierwährungen selbst zu untergraben droht.
Wir können nun den Weg erkennen, der zur Zerstörung der Papierwährungen führt, und den Zeitpunkt einigermaßen vernünftig abschätzen.
Wie die Zentralbanken die aktuelle Lage sehen.
Die Finanzwelt ist ratlos: Wie sind die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu bewerten? Die offizielle Antwort lautet offenbar sinngemäß: keine Panik. Die ersten Befürchtungen von Millionen Todesopfern haben sich gelegt, und im Lichte der Erfahrung wird in einer Reihe stark betroffener Länder nun ein vernünftigerer Ansatz verfolgt, nämlich die Lockerung der Beschränkungen. Ob diese sich entwickelnde Politik richtig ist, wird sich zu gegebener Zeit zeigen. Doch die Motivation verschiebt sich von der Rettung von Menschenleben hin zur Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens.
Obwohl ich die inflationistische Politik der Zentralbanken kritisiere, ist es stets aufschlussreich, die Geldpolitik aus der Sicht eines Zentralbankers zu betrachten. Am vergangenen Freitag gab Andrew Bailey, der neue Gouverneur der Bank of England, Chris Giles von der Financial Times ein Interview, in dem er offen und recht freimütig über die Herausforderungen sprach, vor denen die Bank gemeinsam mit anderen großen Zentralbanken steht.[i]
Was die Inflation betrifft, so definiert Bailey sie, wie aus seinen Äußerungen hervorgeht, als Veränderung des allgemeinen Preisniveaus, was kaum überrascht, da die Zentralbanken den Auftrag haben, diese anzusteuern. Er glaubt, dass die Preisinflationsrate gegen null sinken wird, und nennt als wesentlichen Faktor die jüngsten Bewegungen des Ölpreises, der sich seither allerdings erholt hat. Das verschafft ihm Spielraum, die Geldpolitik in größtmöglichem Umfang einzusetzen.
Seiner Ansicht nach würde die Geldpolitik sogenannte „Narben“ minimieren. Dies ist das neue Schlagwort von Ökonomen, die die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise meist als vorübergehend abtun: Wenn sie verheilt, bleibt als einziger Beleg eine Narbe zurück. Mit anderen Worten: Einige überschuldete Unternehmen werden scheitern, und andere würden Veränderungen im Konsumverhalten zum Opfer fallen, sobald die Normalität zurückkehrt. Die Arbeitsannahme lautet daher, dass die Wirtschaft nach Überwindung der Coronakrise im Großen und Ganzen zur Normalität zurückkehren würde, und obwohl er es nicht ausdrücklich sagte, erwartet er eine V-förmige Erholung, möglicherweise mit einer moderaten zeitlichen Komponente.
Die Bank führt ein Programm zur quantitativen Lockerung im Umfang von 200 Mrd. £ durch, das zwei Drittel des erwarteten britischen Finanzierungsbedarfs im Zusammenhang mit dem Coronavirus entspricht, um die folgenden politischen Ziele zu erreichen:
- Stabilisierung der Finanzmärkte durch den Kauf von Gilts im Wert von 50 bis 60 Mrd. £ pro Monat, im Einklang mit den Maßnahmen anderer Zentralbanken in ihren Märkten. Dies deutet darauf hin, dass die Wirtschaft bis Ende Juli auf dem Weg der Erholung sein soll.
- Den Markt zu beruhigen, dass zusätzliche Staatsschulden aufgenommen würden, und das Profil der gesamten Staatsverschuldung zu glätten. Dies ermöglicht es der Bank, die Renditen von Gilts und ebenso die von Unternehmensanleihen niedrig zu halten.
- Wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Mit anderen Worten: eine keynesianische Politik zu verfolgen, um zur Vollbeschäftigung zurückzukehren.
- Kontrafaktische Probleme anzugehen, die zu erwarten wären, wenn die Bank keine quantitative Lockerung durchführte. Abgesehen von gestörten Märkten meinte Bailey vermutlich die Deflationsängste bei fehlenden geldpolitischen Impulsen.
Wenn Bailey recht hat und die quantitative Lockerung (QE) in Höhe von 200 Mrd. £ die britische Wirtschaft durch die Krise bringt, dann bedeutet diese Summe einen Zuwachs der Staatsverschuldung um etwas mehr als 10 %. Der Zuwachs der Geldmenge M3 im Februar beträgt 6,8 %, was kaum ein Problem darstellt. Es wird jedoch Schwierigkeiten geben, falls er sich irrt; Störungen könnten aus einer oder mehreren von drei Quellen entstehen. Sollten andere Zentralbanken, vor allem die Fed, ihre Währungen proportional stärker verwässern, könnte dies die Rohstoffpreise, insbesondere die für landwirtschaftliche Erzeugnisse, in Sterling gerechnet in die Höhe treiben und so die Kaufkraft des Pfund Sterling für lebensnotwendige Güter untergraben. Zweitens befinden sich 28 % der ausstehenden Gilts im Besitz von Ausländern, die das Geld in ihren eigenen Währungen benötigen und daher wahrscheinlich zu Verkäufern werden. Die dritte Bedrohung ist ein Systemversagen, das zusätzliche Ausgaben erfordern würde, um eine oder mehrere große Banken zu retten und die Folgen zu bewältigen.
Es besteht kaum ein Zweifel, dass Baileys Überlegungen von seinen Amtskollegen in den anderen großen Zentralbanken geteilt werden. Neben den oben genannten Gefahren liegt der Fehler darin, schlicht anzunehmen, die Wirtschaft sei ein Gebilde, das sich im Laufe der Zeit nicht wesentlich verändert. Dies scheint ein harmloser Irrtum zu sein, führt aber zu der Annahme, es gebe eine Normalität, zu der man zurückkehren könne. Bailey tut das Problem mit der Bemerkung ab, einige Unternehmen würden nicht überleben und andere müssten sich möglicherweise verändern. Er setzt jedoch offenkundig auf eine Rückkehr zur Normalität, obwohl es so etwas nicht gibt. Die eigentliche Aufgabe der wirtschaftlichen, geld- und kreditpolitischen Analyse besteht darin, die Chancen und Gefahren zu erkennen, die die Zukunft von der Gegenwart unterscheiden.
Fragen des Kredits
Per Definition verstehen Zentralbanker Kreditzyklen nicht vollständig, andernfalls hätten sie schon vor langer Zeit etwas unternommen, um deren störende Natur zu beheben. Stattdessen glauben sie an Konjunkturzyklen, die aus ihrer Sicht die Geldpolitik stören, und verwechseln damit Ursache und Wirkung. Für staatliche Institutionen praktischerweise machen die Zentralbanken den Privatsektor für irrationales Verhalten verantwortlich. Die Banken, die offensichtlich die Ursache der Kreditzyklen sind, gelten demnach lediglich als Reagierende auf veränderte Geschäftsbedingungen und müssen in ihrem eigenen Interesse davon abgehalten werden, die Lage in Zeiten periodischer Krisen noch zu verschärfen.
Doch die Zentralbanker tragen ihren Teil zur Kreditinstabilität bei, indem sie die Banken von vornherein dazu ermutigen, Kredite auszuweiten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Allein diese Tatsache macht es ihnen nahezu unmöglich, die Folgen ihrer Geldpolitik zu akzeptieren. Zentralbanker wie Andrew Bailey betrachten die Bankkredite nicht nur durch das falsche Ende des Fernrohrs, sondern erkennen auch nicht, dass sich eine Kreditkrise anbahnt. Diese Ahnungslosigkeit erklärt, warum sie glauben, das Coronavirus sei lediglich ein einmaliger Schlag und nach kurzer Zeit könne alles wieder zur Normalität zurückkehren, sofern die Erholung richtig gesteuert werde.
Ihr simplistischer Ansatz erklärt nicht die Liquiditätsengpässe im US-Bankensystem, die im vergangenen September auftraten, lange bevor das Virus irgendjemanden infiziert hatte. Er erklärt nicht, warum die Fed gezwungen war, ihren Versuch zur Verkürzung der Bilanz aufzugeben, über fünf Monate vor dem ersten Virusopfer in den USA. Er ignoriert die Folgen des Zollkriegs zwischen Amerika und China, der den internationalen Handel bis Anfang 2019 einbrechen ließ. Zentralbanker waren blind für die Hinweise darauf, dass die Welt bereits in eine Rezession abglitt und dass die Geschäftsbanken angesichts steigender Kreditrisiken gefährlich hoch verschuldet waren und es noch immer sind.
Die Bürokraten in den Zentralbanken und den Bankenaufsichtsbehörden glauben, die Geschäftsbanken vor den extremen Risiken einer Überkreditvergabe geschützt zu haben. Seit der Lehman-Krise wurden Regeln und Compliance-Maßnahmen eingeführt, die diese systemischen Risiken verringern sollen, und von Zeit zu Zeit wurden regelmäßige Stresstests durchgeführt, um das bestehende Risikoniveau zu ermitteln. Leider scheinen Stresstests nicht darauf angelegt zu sein, systemische Schwächen aufzudecken, sondern zu bestätigen, dass es sie nicht mehr gibt.
Ein neues Papier von Dean Buckner und Kevin Dowd hat die aktuelle Lage der britischen Banken untersucht, was auch im weiteren Sinne aufschlussreich für das Verhältnis zwischen Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Geschäftsbanken ist.[ii] Es kommt zu dem Schluss, dass sich „die Kernkennzahlen der fünf großen britischen Banken seit Jahresbeginn stark verschlechtert haben, und noch mehr seit Ende 2006, also am Vorabend der globalen Finanzkrise“. Weiter heißt es:
„Die Erzählung der BoE vom ‚Great Capital Rebuild‘, also von einem stark rekapitalisierten britischen Bankensystem, ist kaum mehr als eine aufwendige und gelegentlich chaotische Schönfärberei. Die BoE konzentrierte den Großteil ihrer Bemühungen darauf, das Bankensystem durch höhere regulatorische Kapitalquoten stark erscheinen zu lassen, statt dafür zu sorgen, dass es durch eine ausreichend große Erhöhung des tatsächlichen, sinnvoll gemessenen Kapitals stark wurde. Das Ergebnis ist, dass das britische Bankensystem in besorgniserregend fragilem Zustand in den Abschwung geht, und zwar vermeidbar.“
Die Autoren haben dies den britischen Zentralbankern und Aufsehern nicht plötzlich vorgesetzt. Seit fast einem Jahrzehnt veröffentlicht Professor Dowd allein oder gemeinsam mit anderen Papiere, in denen er vor der Unzulänglichkeit der offiziellen Bemühungen warnt, die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems gegenüber systemischen Schocks zu stärken. Und nun soll ein schwächeres Bankensystem die Realwirtschaft stützen, in der die Kreditrisiken in schwindelerregende Höhen steigen.
Nicht nur das britische Bankensystem steckt in Schwierigkeiten. Zwar beschränkt sich das Papier von Buckner und Dowd auf britische Banken und im Detail gibt es Unterschiede, doch wir wissen, dass die Bankenregulierung grenzüberschreitend standardisiert ist und dass das Motiv, bei Stresstests nichts Schlechtes zu sehen, auch anderen großen Zentralbanken gemein ist. Ein zentraler Punkt, den die meisten Beobachter übersehen, ist, dass die Märkte uns bereits signalisieren, dass eine Bankenkrise besteht: Die Aktienkurse der Banken liegen deutlich unter den Buchwerten.
Die Autoren gehen weiter und weisen darauf hin, dass die wichtigste Beziehung die zwischen der Bilanzsumme und der Marktkapitalisierung ist, dem tatsächlichen, zukunftsgerichteten und unabhängig am Markt bestimmten Wert einer Bank, anstelle einer statischen Buchhaltungszahl für das Eigenkapital der Aktionäre in der Bilanz. Bei der Barclays Bank ergibt das Verhältnis von Aktiva zu Marktkapitalisierung für die Aktionäre eine Hebelwirkung vom 62-Fachen, und das in einer Zeit zunehmender Kreditrisiken. Anders gesagt: Zusätzliche Verlustrückstellungen von nur 1,6 % der Bilanzsumme löschen die Marktkapitalisierung der Bank aus. Große Banken der Eurozone befinden sich in einer ähnlichen oder schlechteren Verfassung, wie Tabelle 1 für alle britischen und europäischen, als global systemrelevant eingestuften und börsennotierten Banken (G-SIBs) zeigt. Die G-SIBs sollen zusätzliche Kapitalpuffer haben, um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung der Lehman-Krise zu verringern.

Es ist offensichtlich kaum vorstellbar, dass einige dieser hochverschuldeten Banken die sich verschlechternden Kreditbedingungen von heute überleben, und ebenso wenig ist vorstellbar, dass sie, falls eine oder mehrere von ihnen scheitern, nicht andere Banken mit in den Abgrund reißen.
Andrew Bailey und Christine Lagarde sollten nicht nur ihren eigenen drei weisen Affen Glauben schenken, sondern auch auf Knien darum beten, dass die Erholung V-förmig und rasch verläuft, denn das Bankensystem würde nicht einmal dies überstehen, geschweige denn etwas Schlimmeres. Der Ausblick ist jedoch deutlich schlechter, da bereits zuvor ein Abgleiten in die globale Rezession eingesetzt hat. Das Problem der Banker der G-SIBs besteht darin, die Risiken zu bewältigen, mit denen sie ohnehin schon konfrontiert sind, und nicht die zusätzlichen Risiken, die die Zentralbanken ihnen nun aufbürden wollen.
Mit Blick auf die Zukunft können wir mit zunehmender Gewissheit eine europäische und britische Bankenkrise erwarten. Es gibt keinen stichhaltigen Grund, warum sie nicht eintreten sollte. Die keynesianische Schuldenmaschine hat seit der Lehman-Krise unbeirrt weitergemacht und die Schuldenprobleme, die zu ihr geführt hatten, ungefähr verdoppelt. Das Papier von Bucknall & Dowd belegt, dass das Bankensystem, zumindest im Vereinigten Königreich und per Extrapolation in Europa und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch anderswo, schlechter für eine Krise im Ausmaß der Lehman-Krise gerüstet ist, geschweige denn für die größere Krise, die vor uns liegt. Hinzu kommt, dass das Coronavirus die Weltwirtschaft lahmgelegt hat. Das bestmögliche Ergebnis ist, dass Regierungen und der nichtfinanzielle Privatsektor mit deutlich höheren Schulden aus der Krise hervorgehen.
Angesichts dieser Faktoren lässt sich kaum überzeugend argumentieren, dass eine Bankenkrise nicht schon sehr bald eintreten wird, möglicherweise bereits in ein bis zwei Monaten. Eine Banken- und Systemkrise wird die Kosten für die Zentralbanken und ihre Regierungen erheblich erhöhen, nicht nur, weil sie Rettungsmaßnahmen finanzieren müssen, sondern auch, weil sie die damit verbundenen Folgen auffangen müssen, etwa das unvermeidliche Austrocknen der Interbankenkredite im Finanzsektor und der Bankkredite an nichtfinanzielle Kreditnehmer.
Wir wissen nun mit größter Gewissheit, wie die politische Antwort ausfallen wird: eine weitere Beschleunigung der Inflation der Geldbasis. Im Fall des Vereinigten Königreichs werden sich die auf 300 Mrd. £ geschätzten Kosten des Coronavirus für den Fiskus als bloße Vorspeise erweisen, nicht nur für einen Hauptgang, sondern für das gesamte Festmahl. Und was für das Vereinigte Königreich gilt, wird auch für die anderen großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften gelten, denen die echten Sparer fehlen, um das alles zu finanzieren.
Der goldene Kanarienvogel
Zum Zeitpunkt der Abfassung haben nur wenige, wenn überhaupt, Schlagzeilenautoren in den Medien auf die Gefahren hingewiesen, die dem globalen Bankensystem durch den Corona-Shutdown und die Kontraktion der Bankkredite drohen. Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Wochen kräftig erholt, und die Anleiherenditen sind niedrig geblieben. Als Frühindikatoren vermitteln diese Finanzmärkte eine ätherische Stabilität. Das einzige Anzeichen dafür, dass die Schwarzen Schwäne, heutzutage ein häufiger Anblick, unter der Oberfläche heftig strampeln, während sie darüber ruhig wirken, zeigt sich im Goldpreis. In US-Dollar gemessen hat er die Höchststände der letzten Bankenkrise der Eurozone noch nicht erobert, scheint aber auf dem Weg dazu zu sein. Die folgende Grafik zeigt, wie sich der Goldpreis in den letzten zwanzig Monaten entwickelt hat.

Im August 2018 wurde erstmals deutlich, dass der amerikanische Zollkrieg gegen China den internationalen Handel störte; zeitgleich begann die gegenwärtige Hausse des Goldpreises. In jüngster Zeit waren die Goldmärkte und ihre Derivate beispiellosen Belastungen ausgesetzt, weil Bullion-Banken mit Short-Positionen von den geldpolitischen Änderungen als Reaktion auf das Coronavirus auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Bisher hat sich Gold so verhalten, wie man es erwarten würde: Es preist steigende Raten der künftigen Geldmengenausweitung ein.
Es dient jedoch auch als Warnung vor kommenden Schwierigkeiten. Der Schock, den es noch nicht eingepreist hat, ist das wachsende systemische Risiko von Bankenzusammenbrüchen. Sofern es nicht durch erfolgreiche Eingriffe unterdrückt wird, muss ein stark steigender Goldpreis die logische Folge einer immer wahrscheinlicheren Bankenkrise sein, wenn Menschen Bankeinlagen zugunsten von physischem Edelmetall meiden, das außerhalb des Bankensystems verwahrt wird.
In früheren Inflationen von Papierwährungen gab es stets eine Bargeldalternative zu Bankeinlagen. Ein Bankensturm führte zu einer stärkeren Präferenz für Bargeld. Zumindest stiegen die Preise für Waren nicht als unmittelbare Folge systemischer Krisen, und es ist bemerkenswert, dass verstärktes Horten von Bargeld eher zu fallenden Preisen führt. Das kann nicht mehr der Fall sein. Privatkundenbanken weltweit wurden angewiesen, die Auszahlung selbst relativ kleiner Bargeldbeträge zu erschweren, sodass es für einen Einleger praktisch unmöglich ist, mehr als die kleinsten Einlagen in bar abzuheben. Sofern ein Einleger nicht bereits ein Konto bei einer Bank besitzt, die er für sicher hält, bleibt ihm nur, die Einlage auszugeben und einem anderen die Sorge zu überlassen, Gläubiger in einem scheiternden Bankensystem zu sein.
Auch Finanzanlagen dürften über die sehr kurze Frist hinaus nicht sicher sein, und die Einschränkung der Bank- und Hypothekenkredite unter diesen Bedingungen macht Wohn- und Gewerbeimmobilien ebenfalls zu einer schlechten Wahl. Unser verängstigter Einleger sucht verzweifelt nach Alternativen zum Geld auf der Bank, und daher dürfte der Goldpreis als Maßstab für den Verlauf der Krise der verlässlichste Indikator sein.
Aus diesem Grund wird ein stark steigender Goldpreis von den großen Zentralbanken nicht begrüßt werden, die zu Recht befürchten werden, dass er auf schwindendes Vertrauen in das Geldsystem hindeutet. Die Zentralbanken der Schwellenländer haben ein anderes Problem: Sie sehen den Dollar, von dem sie abhängen, scheitern. Zweifellos hat dies viele Zentralbanken dieser Gruppe dazu ermutigt, Goldreserven als Dollar-Ersatz aufzubauen, zumindest bis sich der Weg zu einem neuen Währungsregime abzeichnet.
Der Weg in die Bedeutungslosigkeit des Papiergelds
Im Wissen, dass die Lage erheblich ernster ist als eine bloß vorübergehende Unterbrechung durch COVID-19, können wir mit Sicherheit von einer verhängnisvollen Kombination aus wachsenden notleidenden Krediten und Bankern ausgehen, die verzweifelt versuchen, steigende Kreditrisiken einzudämmen. Die Lage beschwört den Geist Irving Fishers herauf, dem die Beschreibung der zerstörerischen Wirkungsweise einer Schuldendeflationsspirale zugeschrieben wird, die die Wirtschaft unaufhaltsam in eine Depression treibt. Die Zentralbanken werden alles tun, um eine schuldengetriebene Depression zu vermeiden, doch es dürfte sich als unlösbare Aufgabe erweisen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Bankenzusammenbrüche und Bankenrettungen die Folge sein. Und da Geschäftsbanker um ihre eigene Zahlungsfähigkeit fürchten, werden sie schlechte Übermittler von Zentralbankgeld in die Realwirtschaft sein.
Aus diesen Hindernissen für die Geldplanung lässt sich vorläufig ein Pfad künftiger Ereignisse skizzieren, von denen einige voraussichtlich gleichzeitig ablaufen, darunter die folgenden:
- Der erste Zusammenbruch einer G-SIB wird zunächst weitverbreitete Verkäufe von Bankanleihen und die Abwanderung großer, nicht gesicherter Einlagen von riskanteren Banken auslösen. Kapitalflucht schafft Finanzierungsprobleme für gefährdete Banken, und die Geldmärkte für Großkunden werden austrocknen. Versuche, Bail-ins durchzuführen, die in den meisten, wenn nicht allen G20-Staaten gesetzlich verankert wurden, werden die Lage nur verschlimmern. Bail-ins sollten die Kosten von Bankenrettungen auf den Privatsektor statt auf die Staaten verlagern, wie dies bei Bail-outs der Fall ist. Daher wird es beim Scheitern von Banken zusätzliche Belastungen für Anleihegläubiger und Großeinleger geben.
- Die Marktkapitalisierungen börsennotierter Banken werden erneut einen Ruck nach unten machen und die Kurs-Buchwert-Verhältnisse deutlich senken. Regierungen, Staatsfonds und Zentralbanken dürften Notstützungsmaßnahmen für die Aktien der G-SIBs und aller anderen gefährdeten börsennotierten Banken starten, um die Märkte zu beruhigen.
- Nach einer anfänglichen Panik könnte die Entschlossenheit der Behörden, die Banken zu stützen, eine kurze Phase der Stabilität erkaufen. Wenn die Lockdown-Beschränkungen aufgehoben werden, ist mit einer teilweisen Erholung der Gesamtwirtschaft zu rechnen, die von notwendigen Wartungs- und Nachholaktivitäten getragen wird, welche durch die Lockdowns aufgeschoben wurden. Zu diesem Zeitpunkt atmet jeder auf in der Hoffnung, das Schlimmste sei überstanden.
- Nach einer vorübergehenden Phase der Entspannung dürften die hohe Arbeitslosigkeit und die Zurückhaltung der Verbraucher eine weitere wirtschaftliche Erholung begrenzen. Reale Vermögenswerte, die als Bankensicherheiten gehalten werden, werden weiter an Wert verlieren, was den Druck auf die kreditgebenden Banken erneuert. Es wird immer deutlicher werden, dass die globale und die lokale Wirtschaft mit dem Ende des Virus nicht zur Normalität zurückkehren. Nach einer schwachen Erholung infolge der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen wird offensichtlich werden, dass die Versuche der Zentralbanken, mithilfe eines kaputten Bankensystems Kredit in die Realwirtschaft zu leiten, scheitern. Kleine und mittlere Unternehmen, die typischerweise nach dem Pareto-Prinzip 80 % der gesamten Wirtschaftsleistung erbringen, werden die finanzielle Unterstützung, die Großunternehmen leichter erhalten, wahrscheinlich nicht in gleicher Weise bekommen.
- Die Preise für Wohnimmobilien werden sinken, vielfach deutlich, und zwar infolge mangelnder Nachfrage, der Risikoscheu der Käufer und fehlender erschwinglicher Hypothekenfinanzierung, an der sich die Preise im Grenzbereich orientieren. Auch die Werte von Gewerbeimmobilien werden aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Einzelhandels- und Büroflächen zurückgehen. Beide Sektoren sind für die Banken wichtige Kreditsicherheiten, was die Probleme des Systems zusätzlich verschärft.
- Angesichts der sich verschlechternden Wirtschaftslage werden Zentralbanker, die die unmittelbaren Auswirkungen auf den Verbraucherpreisindex im Blick haben, dazu neigen, die monetäre Inflation noch weiter zu verstärken, vor allem um die Finanzmärkte zu stützen. Sie werden darin den einzigen Weg sehen, ihre Regierungen aus einer Falle herauszuhalten, die aus der Kombination von rasch steigenden Schulden und den Kosten ihrer Finanzierung besteht.
- Unausweichlich werden die Preise von Staatsanleihen beginnen, die erhöhten Haushaltsdefizite und die Folgen einer inflationären Finanzierung widerzuspiegeln. Die Zentralbanken werden feststellen, dass sie die einzigen nennenswerten Käufer von Staats- und Unternehmensschulden sind. Ihr Widerstand gegen Zinserhöhungen wird dann von der Marktrealität untergraben werden.
- Die breite Öffentlichkeit wird sich stärker mit steigenden Preisen für Lebensmittel, Energie und andere lebensnotwendige Güter befassen, ein Prozess, der bereits begonnen hat. Im Laufe der Geschichte waren es die wirtschaftliche und soziale Zerstörung durch steigende Preise für diese Grundgüter, die zu Preiskontrollen und zum Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in das Staatsgeld geführt haben. An diesem Punkt dürfte die Öffentlichkeit endlich erkennen, dass es die Währung ist, die ihren Nutzen verliert, und dass sie so schnell wieder abgestoßen werden muss, wie man sie erhält.
Zeitplan
Nach einer Bankenkrise dürften sich die Verschlechterung der wirtschaftlichen und monetären Lage schneller entwickeln, als es die Umstände vermuten lassen. Informationen, globale Kommunikation und die Vernetzung der Märkte sprechen dafür. Die Entwicklung von Kryptowährungen wie Bitcoin hat die Millennial-Generationen stärker für die Entwertung des Geldes sensibilisiert als ihre Eltern. Vor allem aber wird der Versuch einer Bevölkerung, Einlagen aus den Banken abzuziehen, zum sofortigen Kauf nicht-monetärer Güter führen, da der Ausweg in die Bargeldhaltung versperrt ist. Bargeld ist aus dieser Funktion herausreguliert worden, und der Reservoir-Effekt, der die Preisfolgen einer Krise verzögerte, besteht nicht mehr.
Man kann erwarten, dass Regierungen und Zentralbanken zusammenarbeiten, um den Zusammenbruch ihrer Währungen zu verhindern, doch letztlich liegt die Entscheidung bei der breiten Öffentlichkeit. Zwar haben Inflationen erhebliche Zeiträume angedauert, doch der endgültige Zusammenbruch, wenn die Öffentlichkeit erkennt, was mit dem Geld geschieht, hat in der Vergangenheit typischerweise zwischen sechs Monaten und einem Jahr gedauert. Die deutsche Inflation vor 97 Jahren begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg, doch ihre katastrophale Phase lässt sich auf den Zeitraum von Mai 1923 bis zum darauffolgenden November datieren. Der geldpolitische Zusammenbruch unter John Law, die engste Parallele zur heutigen Lage, verlief ungefähr von Februar 1720 bis zum darauffolgenden September.
Im Vorfeld seines Zusammenbruchs hing Laws Mississippi-Experiment zunehmend vom Gelddrucken ab, um die Werte von Finanzanlagen zu stützen. Dieselbe inflationäre Politik wird heute betrieben. Der Endpunkt von Laws inflationärer Stimulierung zeichnet sich als identisch mit unserem neokeynesianischen Experiment ab, und schon allein deshalb wird es immer wahrscheinlicher, dass es rasch zu einem Ende kommt.
[i] Youtube.com/watch?v=jGb9TpmfxOO
[ii] Can the UK Banks Pass the COVID-19 Stress Test? Siehe http://eumaeus.org/wordp/index.php/2020/05/06/can-uk-banks-pass-the-covid-19-stress-test/
[iii] Quelle: Yahoo! Finance (abgerufen am 19. Mai)
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