
Das Risiko zum Jahresende besteht darin, dass das Establishment den Goldpreis nach unten steuert, um seine Short-Positionen zu begünstigen. Bislang gibt es dafür bei Gold keine Belege, bei Silber scheint dies hingegen zuzutreffen. In einer Sherlock-Holmes-Geschichte löste der Diebstahl eines wertvollen Rennpferdes kein Bellen eines Wachhundes aus – eine passende Metapher für das Ausbleiben eines Preisdrucks.
Im europäischen Handel am Morgen lag Gold bei 2.065 US-Dollar, 13 Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag und 13,2 % im Plus seit Jahresbeginn. Silber notierte bei 23,65 US-Dollar, 56 Cent niedriger als vor einer Woche und seit Jahresbeginn kaum verändert. Die Handelsvolumina an der Comex lagen bei beiden Kontrakten saisonbedingt niedrig.
An der Comex gehen die Lieferungen weiter: Im Dezember wurden 16,45 Tonnen Gold geliefert, im Gesamtjahr somit 412,73 Tonnen. Bei Silber waren es 395,3 Tonnen im Dezember beziehungsweise 4.315 Tonnen im Jahr. Solche Liefermengen waren bei der Auflegung dieser Kontrakte nie vorgesehen; die Lieferoption war kaum mehr als ein Referenzpunkt für den Verfall.
Die nächste Grafik zeigt das Open Interest beider Comex-Kontrakte. Die sich vergrößernde Lücke zwischen den Preisen von Gold und Silber und der Zahl der ihnen zugrunde liegenden Terminkontrakte verdeutlicht, dass Gold steigt, während Silber ohne die Unterstützung spekulativen Interesses auf der Stelle verharrt. Vielleicht bellt deshalb kein Hund, obwohl der Goldpreis davonzieht.

Die relative Outperformance von Gold beruht offensichtlich darauf, dass es in schwierigen Zeiten für die Fiat-Dollars als Geld bewertet wird, während es bei Silber keinen vergleichbaren Preisaufschlag gibt. Silber folgt zwar nominell weiterhin Gold, wird heute aber eindeutig als Industriemetall bewertet. Die Demonetarisierung von Silber ist der eigentliche Gehalt des Gold-Silber-Verhältnisses.

Das Verhältnis muss unter 80 fallen, bevor wir spekulieren können, dass Silber wieder etwas von seinem Geldcharakter zurückgewinnt.
Die Aussichten für Gold sind zweifellos positiv, wie die nächste Grafik zeigt. Sollten die Short-Verkäufer heute einen Baisse-Angriff in letzter Minute versuchen, scheint das Abwärtspotenzial begrenzt. Da der Preis jedoch nun aus einer dreijährigen Konsolidierungsformation ausbricht und die zugrunde liegenden gleitenden Durchschnitte in perfekter bullischer Formation stehen, ist dies ein technisches Anschauungsbeispiel für künftige Lehrbücher.
Die Gründe liegen auf der Hand. Die Fed hat signalisiert, dass sie den Versuch aufgibt, die Inflation zu steuern, und stattdessen die Schulden in den Mittelpunkt stellt, die außer Kontrolle geraten. Vor diesem Hintergrund ist der Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 5 % auf aktuell 3,9 % in nur sechs Wochen höchst inflationär. Dies spiegelt sich im handelsgewichteten Index des fallenden Dollars wider, der als Nächstes an der Reihe ist.

Wenn der handelsgewichtete Index unter 100 fällt, dürfte dies zwangsläufig als äußerst bärisch gewertet werden. Und da das ausufernde Schuldenproblem der US-Regierung mit Sicherheit zutage treten wird, erscheint dies unausweichlich.
Bei den Aussichten für den Goldpreis im Jahr 2024 geht es vor allem um den Dollar und weniger um Gold. Von der Übernahme des BRICS-Vorsitzes durch Russland in der kommenden Woche über das Scheitern des amerikanischen Stellvertreterkriegs in der Ukraine bis hin zu den Unsicherheiten im Nahen Osten kann vieles für die globale Stellung des Dollars schiefgehen.
Kein Wunder, dass die Aussichten für den Dollarpreis von Gold so gut sind.