Der Euro ist möglicherweise riskanter, als Sie denken

Die Finanzminister der Eurozone scheinen von Professor Yanis Varoufakis, dem griechischen Finanzminister, eine kostenlose Lektion in Spieltheorie erhalten zu haben.

Zum Zeitpunkt der Abfassung ist Griechenlands Zukunft in der Eurozone keineswegs gesichert, doch Griechenland scheint etwas erreicht zu haben.

Er unterbreitete seinen Amtskollegen ein Angebot, das sie nicht abzulehnen wagten, auch wenn es noch von einigen Parlamenten ratifiziert werden muss, darunter heute auch vom deutschen. Varoufakis dürfte sehr genau wissen, dass die Eurozone in einer schwächeren Position ist, als die Bürokraten und Finanzminister selbst glaubten. Es war wichtig, dass sie sich dieser Realität bewusst wurden, die für seinen Ansatz zentral war. Offenbar können die Staaten der Eurozone Griechenland nach dem Vertrag von Lissabon nicht ausschließen: Das Land kann nur mit der einstimmigen Zustimmung aller, einschließlich seiner eigenen, austreten. Und vermutlich war ihnen nicht klar, dass eine harte Haltung gegenüber Griechenland die EZB zwingen würde, Schulden in Höhe von nahezu dem Zehnfachen ihres Eigenkapitals von nur 10,8 Mrd. € abzuschreiben. Dies würde erfordern, dass alle Mitgliedstaaten ihre Kapitaleinlagen erhöhen, auch die anderen Staaten der Eurozone, die Sparprogrammen unterliegen.

Ebenso dürfte Varoufakis gewusst haben, dass er seine Gegenüber nicht zu weit treiben konnte, da das Establishment in Brüssel auch seine nationalen Parlamente sowie die Lage in Italien, Spanien, Portugal und sogar Irland berücksichtigen muss. Eine Revolte gegen zuvor vereinbarte Sparprogramme in einem dieser Staaten hätte unabsehbare Folgen, nicht nur für die Zukunft der Eurozone, sondern auch für den Euro selbst.

Im Nachgang dieser Episode dürfte der Status des Euro als Geld zunehmend infrage gestellt werden, nicht nur an den Devisenmärkten, sondern auch von seinen Nutzern. Dies sollte vor dem Hintergrund von Ludwig von Mises' Regressionstheorem betrachtet werden. Vereinfacht besagt das Theorem, dass die Geltung einer Währung als Geld auf ihrer Geschichte und auf der Grundlage des Werts beruht, den sie hatte, bevor sie als Geld akzeptiert wurde. Diese unmodische Sichtweise trifft nachweislich auf Gold und Silber zu, aber trifft sie auch auf Papierwährungen zu?

Der US-Dollar und das Pfund Sterling haben beide mehr als hundert Jahre überdauert, da sich ihr ursprünglicher Wert auf lange Phasen der Goldkonvertibilität stützte, beim Pfund Sterling schon weit davor auf Silber. Dies verleiht ihnen in den Augen der Nutzer eine Herkunft, die kaum jemand anzweifeln würde. Sie sind jedoch absolute Ausnahmen unter den heutigen Fiat-Währungen, die bunt zusammengewürfelte Überlebende von rund 57 Hyperinflationen sind, und es gibt reichlich Beispiele dafür, dass ein fehlender Regress mit einem nur vorübergehenden Charakter einhergeht. Man schaue nur auf die Ukraine, die ihre zweite Hyperinflation innerhalb von 25 Jahren erlebt. Nachdem Großbritannien seinen afrikanischen Kolonien in den 1960er-Jahren die Unabhängigkeit gewährt hatte, fiel der Wert aller ihrer Währungen im Schwarzmarkthandel stark (einzige Ausnahme war Botswana, das den Pula erst lange nach der Unabhängigkeit einführte).

Die Logik, wenn auch nicht die Vertrautheit, legt nahe, dass am Regressionstheorem etwas dran ist, was uns zurück zum Euro führt. Wie der kenianische Schilling, der sambische Kwacha oder die ukrainische Hrywnja besaß der Euro bei seiner Schaffung keinerlei Herkunft. Es gab keine Phase, in der die Menschen die Wahl zwischen nationalen Währungen hatten, die den Übergang erleichtert hätte. Während Anleihen und Finanzinstrumente ab Januar 1999 auf Euro lauteten, ersetzten Banknoten und Münzen drei Jahre später über Nacht die nationalen Banknoten und Münzen.

Wenn also das Regressionstheorem von Mises irgendeine Gültigkeit hat, sollten Euro-Besitzer ihre Optionen erwägen. Ungünstig ist auch der Zeitpunkt, da die EZB im Begriff ist, ihre bislang aggressivste Phase monetärer Expansion einzuleiten, die am Ende das Schicksal des Euro besiegeln könnte. In diesem Fall würde sich der Euro als die Achillesferse des globalen Währungssystems erweisen.

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