Das zweite Halbjahr 2022 steht bevor

H2Becons1.png

Gold und Silber gaben diese Woche zum Halbjahresende deutlich nach, da die Rezessionsängste zunehmen. Heute Morgen im frühen europäischen Handel lag Gold bei 1.796 US-Dollar, 36 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 19,80 US-Dollar, 1,25 US-Dollar niedriger. Gold liegt damit nun leicht unter dem Schlussstand des Vorjahres, Silber hat 15 % verloren.

Auch der breitere Rohstoffsektor gab nach, da die Märkte ihre Erwartungen von eindeutig inflationären Bedingungen auf zunehmende Anzeichen einer globalen Rezession anpassen. Dies zeigt sich im Chart eines breit gefächerten Rohstoff-ETFs.

H2Becons2.png

Die Schwäche bei den Edelmetallen und im Übrigen auch im breiteren Rohstoffsektor ist zu einem großen Teil den Banken zuzuschreiben, die Short-Positionen halten und zum Halbjahresende ihre Bewertungen zu Marktpreisen steuern. Sie erzielen zwar erhebliche Gewinne im Handel mit Derivaten nicht nur auf Gold und Silber, sondern auch auf Energie und Industriemetalle, doch geschieht dies stets vor dem Hintergrund von Short-Positionen. Gerade zu Quartals- und Halbjahresenden sehen wir häufig deutliche Kursrückgänge, wenn die Markterwartungen sorgfältig gelenkt werden. Unser nächster Chart zeigt die Brutto- und Netto-Short-Positionen in Gold-Futures der Kategorie „Swap“ an der Comex, bei der es sich überwiegend um Händler der Edelmetallbanken handelt.

H2Becons3.png

Seit März sind die Brutto-Short-Positionen der Swap-Händler um mehr als 25 Mrd. US-Dollar an Wert zurückgegangen, abzüglich ihrer Long-Positionen um 21 Mrd. US-Dollar. Da heute (1. Juli) das zweite Halbjahr 2022 beginnt, könnten wir uns einem Wendepunkt nähern?

Es besteht kaum ein Zweifel, dass die Stimmung am Markt für Gold und Silber extrem schlecht ist. Bei Comex-Silber beispielsweise sind die Swap-Händler netto um etwa 4.000 Kontrakte long, was den Short-Positionen absichernder Produzenten entspricht. Wir befinden uns in einem klassischen Ausverkauf, einer Phase, in der alle Nachrichten gegen Gold und Silber zu sprechen scheinen und die Optimisten kapitulieren. Die Edelmetallbanken dürften weiterhin niedrigere Preise sehen wollen, sodass der Ausverkauf möglicherweise noch nicht vorüber ist. Er nähert sich jedoch dem Ende.

Es gibt einen Silberstreif am Horizont. Überdehnte Banken verkürzen ihre Bilanzen, sodass der Druck auf Handelsabteilungen aller Art, ihre Positionen zu schließen, wächst. Entstehende Verluste werden zu einem nachrangigen Faktor, da die Treasury-Abteilungen der Banken sich ganz aus der Finanzierung von Finanzaktivitäten zurückziehen wollen. Dies führt nicht nur zur Liquidation von Anleihen und Aktien, die Kunden halten, sondern auch der eigenen Positionen der Banken. Der Rückgang der Kreditvergabe an Anleger ist unser nächster Chart, und wir können davon ausgehen, dass sich sein Abwärtstrend fortsetzt.

H2Becons4.png

Die Kräfte, die die verfügbare Finanzierung für Bestände an Anleihen und Aktien verringern, wirken sich auch auf Derivate aus. Bei Anleihen und Aktien ist damit zu rechnen, dass die Marktliquidität durch Market-Maker abnimmt, wenn der Verkaufsdruck zunimmt. Bei Rohstoffen verhält es sich umgekehrt, denn hier wird künstliches Angebot abgezogen und nicht die Finanzierung von Long-Positionen.

Die Fähigkeit des Systems, Rohstoffpreise zu kontrollieren oder zu drücken, wird durch diese Entwicklungen beeinträchtigt werden. Marktversagen wie der jüngste Nickelpreissprung an der LME dürfte häufiger auftreten.

Zusätzlich zu den Auswirkungen schwacher Währungen auf die Preise könnte sich das zweite Halbjahr 2022 für Gold und Silber als spektakulär erweisen. 

 

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung durch Goldmoney oder den Autor bzw. die Autoren dar. Sie sollten nicht auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Informationen handeln oder sich auf diese verlassen, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, die Verlässlichkeit der Informationen im Artikel sicherzustellen; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf künftige Ergebnisse verstanden werden können, und man sollte sich nicht darauf verlassen. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die infolge der in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen entstehen, und jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.

Zurück zu den Goldmoney Analysen