Trotz der jüngsten Schwäche bei Gold und Silber deuten die ersten Anzeichen darauf hin, dass die aktuelle Konsolidierungsphase wohl nicht lange andauern wird, bevor die Preise ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen.
Es mag zu früh sein, nach dem Ausverkauf der vergangenen zwei Wochen zu folgern, dass die Gold- und Silberpreise ihren Tiefpunkt erreicht haben. Die derzeitigen Engpässe bei der physischen Liquidität und die Gründe für den Kauf von Gold und Silber bestehen jedoch fort, was darauf hindeutet, dass die Preise für einen weiteren Anstieg bereitet werden.

Gold und Silber haben sich in dieser Woche stabilisiert, nachdem sie in der Vorwoche von ihren Rekordhochs zurückgefallen waren. Im Londoner Handel notierte Gold heute Morgen bei 4.010 US-Dollar, nach einem Tiefstand von 3.887 US-Dollar am Dienstag, und schloss damit per Saldo 100 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber zeigte sich widerstandsfähiger und lag bei 48,80 US-Dollar nach einem Tief von 45,60 US-Dollar, per Saldo ein Plus von 20 Cent.
Unter Verweis auf Indikatoren der relativen Stärke erklärten uns technische Analysten, Gold und Silber seien massiv überkauft gewesen und hätten daher ein bedeutendes Hoch ausgebildet. Wäre das der Fall, würde sich dies in einem Rekordstand des Open Interest an der Comex niederschlagen, denn überkaufte Marktlagen liegen per Definition vor, wenn die Spekulation übermäßig wird. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie die nächsten Charts für Gold und Silber deutlich zeigen:

Mit 456.000 Kontrakten deutet das Open Interest bei Gold auf ein vergleichsweise geringes Interesse der Spekulanten hin. Bei Silber gab es kaum spekulative Käufe, als der Preis von 30 auf über 50 US-Dollar stieg. Die Marktdaten widerlegen daher die mechanischen Signale der relativen Stärke; stattdessen deuten sie auf einen massiven Liquiditätsengpass als Preistreiber hin.
Die Händler werden erneut hin- und hergeworfen.
In dieser Woche laufen die Novemberkontrakte und -optionen aus – eine Zeit, in der die Swap-Händler gern schwache Marktteilnehmer aus dem Markt drängen. Wenn es nächste Woche vorbei ist, dürfte die Zahl der Lieferanmeldungen zunehmen und die Liquiditätsprobleme in London in den Vordergrund rücken. Silber befindet sich weiterhin in Backwardation, doch der Abstand ist auf nur wenige Cent geschrumpft. Dennoch zeigt er, dass der Liquiditätsengpass weiter besteht. Bei Gold, das weiterhin in Contango notiert, ist dies weniger offensichtlich.
Während die Bullion-Banken bei Silber Schwierigkeiten haben, wirken sie bei Gold ausgewogener, möglicherweise weil Papier-Long-Positionen in London die Short-Positionen in Comex-Futures ausgleichen. Sie kennen die Nachfrage der Zentralbanken und wissen vor allem, dass die Zentralbanken nach dem Fiasko bei der Bank of England Anfang des Jahres zögern, Leihverträge zu verlängern.
Die Leser wird zudem amüsieren, dass das Sicherheitspersonal, das die Tresore der Bank bewacht, mit Streik für höhere Bezahlung droht.
Gestern veröffentlichte der World Gold Council seine Schätzungen zur Goldnachfrage im dritten Quartal. Demnach stieg sie trotz höherer Preise nach Tonnage um 3 %, getragen von der Investmentnachfrage. Dies spiegelt sich im Kauf von ETFs wider, wie die Grafik des WGC zeigt:

Der Anstieg im September, bei dem keine Region Nettoverkäufer war, passt dazu, dass Investmentfonds und Privatanleger eine Anlageklasse für sich entdecken, in der sie untergewichtet sind.
Nun ist es an der Zeit, uns ein wenig Preisspekulation zu gönnen.
Der jüngste Ausverkauf bei Gold wird von Fondsmanagern mit ziemlicher Sicherheit mit Erleichterung aufgenommen, da diese von ihren Kunden gefragt werden, warum sie nicht in Gold und Goldminen investiert haben, obwohl Gold alle anderen Anlageklassen übertroffen hat. Mit ziemlicher Sicherheit werden sie ihnen (fälschlicherweise) sagen, die aktuelle Entwicklung des Goldes zeige die Gefahren, einer spekulativen Blase hinterherzulaufen.
Sollte sich herausstellen, dass der Ausverkauf der letzten zwei Wochen letztlich noch höhere Preise stützt, weil der Angebotsengpass anhält, werden Fondsmanager gezwungen sein, ihre Skepsis zu überdenken und hastig zu kaufen, bevor die Preise sie erneut in Verlegenheit bringen. Der Mangel an verfügbarem Edelmetall könnte die Preise dann weit nach oben treiben.
Die Zinspolitik der Fed
Am Mittwoch senkte die Fed ihren Leitzins wie allgemein erwartet um ¼ Prozentpunkt auf 3 ¾ %. Jay Powell warnte jedoch, eine weitere Senkung bis zum Jahresende sei kein Selbstläufer, woraufhin die Anleiherenditen leicht anzogen. Trotz Powells Zurückhaltung ist jedoch klar, dass das Inflationsziel zugunsten der Vermeidung einer Rezession aufgegeben wird, und dies ist ein deutliches Signal für Dollarschwäche und Stärke des Goldes.