Das Saysche Gesetz und makroökonomische Unkenntnis

Der vielleicht größte Fehler der modernen Volkswirtschaftslehre war die Aufgabe des Sayschen Gesetzes, auch als Gesetz der Märkte bekannt. Kurz gefasst zeigte es, dass die Produktion durch die Arbeitsteilung fest mit dem Konsum verbunden ist und dass erstere mittels Geld und Kredit an letzteren gekoppelt ist.

Zwar schwankt die Produktionsmenge einzelner Güter, doch in freien Märkten kann es niemals eine allgemeine Überproduktion geben. Genau dies musste Keynes widerlegen, um dem Staat eine Rolle zuzuweisen, in der er eingreift, um die vermeintlichen Mängel freier Märkte auszugleichen. Obwohl die fundierte Analyse zeigt, dass Keynes das Saysche Gesetz nicht widerlegt hat, gelang es ihm, das etablierte Establishment davon zu überzeugen, dass ihm dies tatsächlich gelungen sei.

Dieser Artikel zeichnet die Geschichte des Sayschen Gesetzes nach, von Jean-Baptiste Says ursprünglichem Werk zu diesem Thema bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie Keynes die Wahrheit über freie Märkte verbogen hat, dass das Verständnis des Sayschen Gesetzes erklärt, warum staatliche Eingriffe scheitern, und warum die Preise in der bevorstehenden wirtschaftlichen Rezession weiter steigen werden.

Einleitung

In den 1930er-Jahren stand fortschrittlich denkenden Ökonomen, die dem Staat eine wirtschaftliche Rolle zuschreiben wollten, in der klassischen Ökonomie eine Hürde im Weg: die selbstverständliche Wahrheit dessen, was als Saysches Gesetz bezeichnet wurde. Das auch als Gesetz der Märkte bekannte Saysche Gesetz besagte, dass wir in der Fabrik oder im Büro erscheinen, um einen Arbeitstag zu leisten, damit wir uns all das leisten können, was andere Menschen herstellen und was das Leben erträglich und sogar angenehm macht.

Es geht auf die Schriften von Jean-Baptiste Say zurück, einem französischen Ökonomen, der in seinem Traité d’économie politique (Abhandlung über die politische Ökonomie), erstmals 1803 erschienen, die Beziehung zwischen Produktion und Konsum sowie die Rolle der Arbeitsteilung in der wirtschaftlichen Organisation des Menschen beschrieb. Es war eine bemerkenswerte Leistung, die Wirtschaftswissenschaft und die Rolle von Geld und Kredit so detailliert zu definieren, als die Disziplin noch jung war.

Das war vor über zwei Jahrhunderten, bevor Marx seine Neuordnung der gesamten Wirtschaft vorschlug, nach der der Staat im Namen der Arbeiter die Produktionsmittel übernehmen sollte und raffgierige Kapitalisten samt ihren bürgerlichen Handlangern sich dem kollektiven Willen der Arbeiter beugen müssten. 

Lange vor Marx und Engels war dieses Gesetz der Märkte umstritten. In seinen Principles of Political Economy von 1820 argumentierte Thomas Malthus, es sei falsch, da er glaubte, ein Nachfragemangel führe zu Überproduktion und Arbeitslosigkeit. Es stehe im Widerspruch zu den beobachteten Konjunkturzyklen. Malthus hatte nach seinem Werk von 1798 öffentliches Ansehen erlangt, dem Essay on the Principle of Population.

Malthus’ Entgegnung wurde von James Mill, Robert Torrens und Say selbst öffentlich widerlegt. David Ricardo stellte Malthus’ Konzept des Nachfragemangels in privater Korrespondenz infrage. Diese Debatte zog sich durch die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, bis die Ökonomen schließlich akzeptierten, dass eine allgemeine Überproduktion von Gütern unplausibel war. Logischerweise war daher eine Rezession im Sinne unzureichender Nachfrage unmöglich.

Malthus vertrat ein proto-keynesianisches Argument, und Keynes griff diesen Punkt in seiner General Theory als Rechtfertigung für den Umsturz der klassischen Ökonomie auf: 

„Das Saysche Gesetz, wonach der aggregierte Nachfragepreis der Produktion insgesamt für alle Produktionsmengen ihrem aggregierten Angebotspreis entspricht, ist somit gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht. Ist dies jedoch nicht das wahre Gesetz, das die aggregierten Nachfrage- und Angebotsfunktionen verbindet, so bleibt ein äußerst wichtiges Kapitel der Wirtschaftstheorie ungeschrieben, ohne das jede Erörterung des Gesamtbeschäftigungsvolumens zwecklos ist.“ (The Principle of Effective Demand, S. 26)

Ungleichgewichte zwischen Produktion und Konsum stehen daher bis heute im Zentrum der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte. Doch statt dass der ökonomische Mainstream akzeptiert, dass es in einem freien Markt keine allgemeine Überproduktion geben kann, wie es zwischen 1850 und 1936 anerkannt war (letzteres war das Jahr, in dem Keynes seine General Theory veröffentlichte), wurde die Frage auf den Kopf gestellt. Die Mehrheit der heutigen Ökonomen argumentiert auf der Grundlage ihrer neokeynesianischen Lehrbücher und der Beobachtung gelenkter Volkswirtschaften, dass eine allgemeine Überproduktion freien Märkten innewohne und dass der Staat aus Furcht vor Arbeitslosigkeit eine Rolle dabei habe, ausgleichende Nachfrage zu schaffen.

Die Klärung dieser Frage ist stets wichtig, heute jedoch besonders, da allgemein davon ausgegangen wird, dass die meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften vor einer Rezession stehen oder sie zumindest nur schwer vermeiden können. Hinzu kommen Nebenfragen, insbesondere zu den Ursachen der Preisinflation, zu den Konjunkturzyklen sowie zur Rolle von Geld und Kredit. 

Die Definition des Sayschen Gesetzes

Jean-Baptiste Say hat das nach ihm benannte Gesetz nie definiert; das blieb anderen überlassen. Den Kern beschrieb er in Buch 1 Von der Produktion seiner Principals.  In Kapitel 15 schrieb er Folgendes, das den Kern erfasst: 

„Sollte ein Handwerker sagen: ‚Ich brauche für meine Wollwaren keine anderen Produkte, ich will Geld‘, so wäre es kaum schwierig, ihn davon zu überzeugen, dass seine Kunden ihn nicht in Geld bezahlen könnten, ohne es sich zuvor durch den Verkauf anderer eigener Waren beschafft zu haben. ‚Jener Bauer dort‘, könnte man ihm sagen, ‚wird Ihre Wollwaren kaufen, wenn seine Ernte gut ist, und er wird mehr oder weniger kaufen, je nachdem, ob sie reichlich oder dürftig ausfällt; fällt seine Ernte völlig aus, kann er gar nichts kaufen. Ebenso wenig können Sie selbst seine Wolle oder sein Korn kaufen, wenn Sie nicht Wollwaren oder einen anderen Artikel besitzen, mit dem Sie bezahlen können. Sie sagen, Sie wollten nur Geld; ich sage, Sie wollen andere Waren und nicht Geld. Wofür wollen Sie das Geld denn tatsächlich? Doch wohl für den Kauf von Rohstoffen oder Vorräten für Ihr Gewerbe oder von Lebensmitteln für Ihren Unterhalt? Es sind also Produkte, die Sie wollen, und nicht Geld.‘“[i]

Und in einer Fußnote zu dieser Passage fügt er hinzu:

„Selbst wenn Geld mit der Absicht erworben wird, es zu horten oder zu vergraben, besteht der letztliche Zweck stets darin, es für einen Kauf irgendeiner Art zu verwenden. Der Erbe des glücklichen Finders verwendet es so, wenn es der Geizhals nicht tut; denn Geld als Geld hat keinen anderen Nutzen, als damit zu kaufen.“

Say beschreibt die Arbeitsteilung und zieht die naheliegende Schlussfolgerung, dass Produktion untrennbar mit Konsum verbunden ist. Was für den Bauern gilt, gilt ebenso für den Handwerker. Es gilt für den Konsum zu Produktionszwecken ebenso wie für den Endverbrauch. Und in der Fußnote dazu macht Say deutlich, dass die Rolle des Geldes darin besteht, die Arbeitsteilung zu erleichtern, indem es die Brücke zwischen Produktion und Konsum bildet. Wichtig ist zudem: Ob Geld sofort verwendet, gehortet oder gespart wird, macht keinen Unterschied.

Weil das Saysche Gesetz nie als solches niedergeschrieben wurde, konnte Keynes ohne breiten Widerspruch seine eigene Fassung vorlegen: „dass der Gesamtnachfragepreis der Produktion insgesamt für alle Produktionsmengen ihrem Gesamtangebotspreis entspricht, ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht“. Dies ist eine bewusste Verfälschung. Darauf ließ er einen Hinweis folgen, der den Leser in die gewünschte Richtung lenken sollte: „Wenn dies jedoch nicht das wahre Gesetz ist, das die Gesamtnachfrage- und Gesamtangebotsfunktionen verbindet …“ Doch hätte sich der Leser seiner Allgemeinen Theorie die Mühe gemacht, Says Principals zu lesen, wüsste er, dass Say auch die Bedingungen, die eine Volkswirtschaft untergraben können, ausführlich beschrieben hat – einschließlich der Vorschläge von Keynes, die in dessen Allgemeiner Theorie folgten.

Say zeigt klar, dass es keine allgemeine Überproduktion im Verhältnis zum Konsum gibt, räumt aber ein, dass die Überproduktion einzelner Güter durchaus vorkommt. Sie entsteht durch Fehlkalkulationen von Produzenten, die die Nachfrage nach ihren Produkten überschätzen, sei es aufgrund eigener Fehler oder weil sich die Wünsche der Verbraucher geändert haben. Wenn dies geschieht und die in der überschätzten Produktion Beschäftigten die Früchte ihrer Arbeit verlieren, verlieren sie auch ihre Konsumfähigkeit. Obwohl sich die Werte einzelner Güter ändern (und dies ständig tun), ist offensichtlich, dass das Verhältnis zwischen Gesamtproduktion und Gesamtkonsum insgesamt erhalten bleibt.

Auch Fehlinvestitionen stören dieses Gleichgewicht nicht. Der ineffiziente Einsatz von Kapital in all seinen Formen ist eine eigene Frage, die das Potenzial der gesamten Volkswirtschaft einschränkt. Und wer nicht produziert, um zu konsumieren, muss von jemandem unterstützt werden, der es tut. Hausfrauen, Kinder und ältere Menschen müssen alle von anderen in ihrem Familienverbund versorgt werden. Wohlfahrt stammt letztlich aus der Produktion anderer, sei es durch Wohltätigkeit oder durch Steuern. Und wird der Konsum durch staatliche Defizitausgaben finanziert, ist dies eine versteckte Steuer auf die Produktion. Staatliche Eingriffe dieser Art verursachen zwar vorübergehende Ungleichgewichte, die sich ausgleichen, wenn sich die Märkte für Waren und Dienstleistungen anpassen, doch das Gleichgewicht zwischen der Produktion und ihrer Finanzierung des Konsums ist eine Tatsache des Lebens.

Das Saysche Gesetz und die Rohstoffe

Wir müssen außerdem unterscheiden zwischen Preisen, die Veränderungen in Produktion und Konsum widerspiegeln, und Preisen, die sich in Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus niederschlagen. Der erstgenannte Fall wird von Says Schriften vollständig abgedeckt.

Die Verwirrung entsteht, wenn sich eine Rezession oder ein wirtschaftlicher Einbruch entwickelt. Makroökonomen erwarten Preisrückgänge infolge eines Nachfrageeinbruchs, mit anderen Worten: Sie rechnen mit einem Produktionsüberschuss, einer malthusianischen Überproduktion. Die Liquidation von Lagerbeständen kann zwar einen negativen Preiseffekt haben, doch ist dieser nur kurzfristig und erklärt nicht zwingend das Ausmaß eines tatsächlichen Rückgangs des allgemeinen Preisniveaus, das sich im Wert des Zahlungsmittelumlaufs widerspiegelt. Solange die Produktion den Konsum noch finanziert und das Gleichgewicht zwischen beiden erhalten bleibt, dürfte es der Wert der Rohstoffe sein, der zu Preisrückgängen führt, weil vom Beginn einer Rezession ein Rohstoffüberschuss erwartet wird, bevor die rohstoffgewinnenden Branchen ihre Produktion drosseln. Die Preise für Öl und Gas sind in dieser Hinsicht besonders volatil, da ein großer Teil der Fördermenge unempfindlich auf Nachfrageänderungen reagiert. Und Bergbauunternehmen reagieren auf eine Schwäche der Rohstoffpreise zunächst häufig mit einer Ausweitung der Förderung.

Die folgende Grafik zeigt den Preis für WTI-Öl in US-Dollar sowie die offiziell festgestellten Rezessionen. Der Zusammenhang zwischen beiden ist unklar: Der Ölpreis stieg zu Beginn der festgestellten Rezessionen von 1990 und 2007, während er vor der kurzen Rezession von 2020 stark fiel. Er fiel jedoch später in den Rezessionen von 1991, 2001 und 2008. Wo ein Zusammenhang besteht, wurden die Preiseffekte von Rezessionen auf Öl und andere Rohstoffe wahrscheinlich durch spekulative Aktivität in Derivaten verstärkt, die die WTI-Preise im April 2020 sogar kurzzeitig in den negativen Bereich trieb.

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Es gibt außerdem Preisänderungen, die von Änderungen der Währungsbewertung ausgehen. Die WTI-Ölpreise stiegen von einem Wert unter null im April 2020 in nur dreiundzwanzig Monaten auf einen Höchststand von 120 US-Dollar. Doch schon bevor die Russen in die Ukraine einmarschierten, obwohl allgemein erwartet wurde, dass sie dies nicht tun würden, war der Preis auf 90 US-Dollar gestiegen. 

Wir können zwar annehmen, dass in einem wirtschaftlichen Einbruch die Preise für Energie und Rohstoffe als Vorleistungen aufgrund unflexibler Angebotsreaktionen sinken dürften, wenn man sie in solidem Geld misst, doch heute sind alle Tauschmittel Fiat-Währung und auf Fiat-Währung basierende Kredite. Angesichts der enormen Volatilität der in Fiat-Währungen gemessenen Preise scheinen Preisänderungen weit stärker von den Währungen als von den Rohstoffen auszugehen. Dies zeigt unsere zweite Grafik deutlich, die das Öl sowohl in Fiat-Dollar als auch in Gold bewertet darstellt, wobei Gold seit 1.800 Jahren sowohl im römischen Recht als auch in dessen modernen Nachfolgern das letztgültige gesetzliche Geld ist.

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Der Wert des Goldes selbst war nicht immun gegen Einflüsse, die von Fiat-Währungen und von Finanzspekulation in Derivaten ausgehen, wodurch Volatilität in die Goldpreise getragen wird, die andernfalls nicht bestünde.

Auch wenn wir also annehmen können, dass Schwankungen der Rohstoffpreise in Aufschwüngen und Abschwüngen zum vorübergehenden Anschein von Rohstoffknappheit und Überangebot führen können, zeigt die Evidenz, dass die bei den Rohstoffwerten beobachtete Preisvolatilität in weit höherem Maße in den Fiat-Währungen liegt als in den Rohstoffwerten selbst. Werden diese Verzerrungen berücksichtigt, sind sie daher kein Beleg für eine malthusianische Überproduktion. Darüber hinaus bestätigen empirische Belege aus den Aufschwüngen und Einbrüchen des neunzehnten Jahrhunderts unter Goldmünzstandards unsere Analyse.

Wir können auch die Preise der Depressionszeit erklären. Sie brachen nicht, wie Keynes annahm, aufgrund einer allgemeinen Überproduktion ein, selbst unter Berücksichtigung der Sonderfaktoren, die die Landwirtschaft betrafen, sondern aufgrund eines Zusammenbruchs der Kredite, wodurch die Kaufkraft der Goldsubstitute stieg. Banken brachen zusammen und vernichteten sowohl Vermögenswerte als auch Bankeinlagen. Das hat Keynes in seinem Bestreben, freie Märkte zu verwerfen, nicht verstanden. 

Staatliche Eingriffe und Regulierung

Der eindeutige Zweck von Keynes’ malthusianischer Ablehnung des Sayschen Theorems mit der Begründung, es erkläre Rezessionen nicht (angedeutet in seinem „gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht“), bestand darin, auf seine makroökonomische Theorie hinzuführen, wonach der Staat in der Wirtschaft eine Rolle bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage habe. Indem er sich selbst davon überzeugte, dass Malthus mit seiner Auffassung recht hatte, Überproduktion und Arbeitslosigkeit seien Beleg für unzureichende Nachfrage, verwarf er das Saysche Theorem früh in seiner General Theory (auf Seite 26 von 428). 

Seither glauben Neokeynesianer daran, die Nachfrage anzukurbeln, teils indem das Sparen entmutigt wird (das Sparparadoxon), teils indem die Zinsen gedrückt werden, die als unnötige Last galten, welche müßige Rentiers (sein abfälliger Begriff für Sparer) einer Volkswirtschaft aufbürdeten. Keynes schrieb: „Somit ist es am vorteilhaftesten, den Zinssatz auf jenen Punkt zu senken, der im Verhältnis zur Kurve der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals Vollbeschäftigung herbeiführt“ (siehe seine Schlussbemerkungen). Er forderte zudem die „Euthanasie des Rentiers“ und „… folglich die Euthanasie der kumulativen Unterdrückungsmacht des Kapitalisten, den Knappheitswert des Kapitals auszubeuten.“ Im Hinblick auf Kapitalinvestitionen äußerte er außerdem den folgenden Wunsch:

„So könnten wir in der Praxis (da nichts davon unerreichbar ist) eine Zunahme des Kapitalvolumens anstreben, bis es nicht mehr knapp ist, sodass der funktionslose Investor keinen Bonus mehr erhält, sowie ein System direkter Besteuerung, das es erlaubt, die Intelligenz, Entschlossenheit und Führungskompetenz des Finanziers, des Unternehmers et hoc genus omni (die ihr Handwerk gewiss so sehr lieben, dass sich die Arbeit weit billiger als derzeit beschaffen ließe), zu angemessenen Vergütungsbedingungen in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.“

Keynes’ Denken bewegte sich in die Richtung, den freien Märkten vollständig zu entkommen und in eine staatliche Wirtschaftstheorie zu münden. Sein Weg verlief parallel zu dem von Marx und den Sowjets und endete im Nirwana eines ähnlichen Ziels. 

Obwohl nur sehr wenige seiner Weggefährten Keynes auf seinem Gedankengang bis zur Endstation folgen, bleiben sie bei ihm, wenn es um die wirtschaftliche Stimulierung geht. Bekanntlich wurde sie von John Law in Frankreich in den Jahren 1716–1720 in die Tat umgesetzt; die Stimulierung durch Geldmengenausweitung ist für Inflationisten das bevorzugte Mittel, um einen vermeintlichen Nachfragemangel auszugleichen. 

Keynesianische Geldmengenausweitung bedeutet im Kontext des Say’schen Theorems, dass Angebot und Nachfrage einander nicht mehr ausgleichen, da es zusätzliche Nachfrage gibt, der auf der Angebotsseite keine Quelle entspricht. Das Ergebnis ist offensichtlich: Unabhängig vom allgemeinen Niveau der Wirtschaftstätigkeit treibt eine im Verhältnis zum verfügbaren Angebot zu hohe Nachfrage schlicht das allgemeine Preisniveau in die Höhe, bis die zusätzliche Nachfrage vollständig in der breiteren Wirtschaft aufgenommen ist. Dies wird in der modernen Geldpolitik stillschweigend eingeräumt, die eine Preisinflation von 2 % anstrebt, in der Annahme, sie sei entweder ein Beleg für das „richtige Maß“ an Stimulierung, oder aber in der Überzeugung, dass es die Aussicht auf steigende Preise sei, die Nachfrage vorzieht.

Jedem, der sich ernsthaft mit der Sache befasst, sollte klar sein, dass die Nutzung der Aussicht auf sanft steigende Preise zur Schaffung zusätzlicher Nachfrage das falsche Ziel verfolgt. Durch das Say’sche Theorem wissen wir, dass eine Zunahme der Produktion zwangsläufig zu zusätzlicher Konsumnachfrage führt. Statt Nachfragesteuerung hat sich angebotsseitige Reform als wirtschaftlich vorteilhaft erwiesen, und das Say’sche Theorem erklärt, warum das so ist. Zugleich erfordert sie jedoch finanzpolitische Disziplin des Staates, damit die angebotsseitige Stimulierung nicht durch Währungsentwertung finanziert wird. Weit besser wäre es, wenn der Staat gar nicht eingriffe. Doch da die Katze längst aus dem Sack ist, hat sich der staatliche Interventionismus noch verstärkt und reicht inzwischen bis in eine allumfassende Regulierung der Wirtschaftstätigkeit.

Heute sind diese staatsinterventionistischen Ziele allgegenwärtig. In seinem Werk Principals geht Say ausführlich auf deren Auswirkungen ein. In Bezug auf die Regulierung schrieb er in Buch I, Kapitel 17, Abschnitt 1 Folgendes:

„Wenn sich die Obrigkeit diesem natürlichen Lauf der Dinge in den Weg stellt und sagt: Das Erzeugnis, das ihr herzustellen im Begriff seid, das den größten Gewinn abwirft und folglich am meisten nachgefragt wird, ist für eure Verhältnisse keineswegs das geeignetste, ihr müsst etwas anderes unternehmen, so lenkt sie offenkundig einen Teil der Produktivkräfte der Nation auf einen Gegenstand geringeren Begehrens, auf Kosten eines anderen von dringlicherem Begehren.“ 

Vor der Weltwirtschaftskrise war dieser Punkt allgemein verstanden. Und wie andere auch verfolgte die US-Regierung keine allgemeine Politik der Intervention oder Regulierung. Das änderte sich, zunächst unter Präsident Hoover und dann unter Präsident Roosevelt. Nachdem der Präzedenzfall geschaffen war, hat sich die Intervention durch Regulierung seither verstärkt, während die Regierungen den dünnsten Anstrich freier Märkte bewahrt haben. Folglich sind die Produzenten nicht länger die Diener der Verbraucher, sondern des Staates. Das geht so weit, dass die Höhe der Rentabilität häufig nur noch in dem Maß erlaubt ist, wie es die Behörden festlegen.

Say erinnert an einen Vorläufer der Agrarpolitik der EU: Im Jahr 1794 wurden in Frankreich Landwirte sogar hingerichtet, weil sie Kornfelder entgegen der Agrarpolitik der revolutionären Regierung in Weideland umgewandelt hatten. Heute werden sie dafür belohnt, ihr Ackerland zu renaturieren. Dieser etatistische Drang, in die Erzeugung einzugreifen, hat eine lange Geschichte, wie das Höchstpreisedikt des römischen Kaisers Diokletian aus dem Jahr 301 n. Chr. zeigt. Die empirischen Belege dieser Episoden weisen darauf hin, dass sie allesamt die etatistischen Ziele verfehlten.

Die heutige Leugnung des Nachweises für das Scheitern dieser Politik geschieht im Interesse der Etatisten. Keynes muss Says „Principals“ (gemeint sind die „Principles“) samt den Belegen für die Gefahren staatlicher Eingriffe gelesen haben, die mehr als ein Jahrhundert zuvor ins Englische übersetzt worden waren. Es ist kaum vorstellbar, dass er sowohl die empirischen Belege als auch deren Erklärung aus mangelndem Verständnis verworfen hat. Dass seine Anhänger auf ähnliche Weise getäuscht wurden, ist vielleicht ein Hinweis auf die menschliche Fehlbarkeit. 

Ein weiteres beliebtes Feld staatlicher Eingriffe ist der internationale Handel. Auch dazu hatte Say viel zu sagen und kam zu folgendem Schluss:

„Das Opfer, das wir Ausländern bringen, um den Rohstoff zu beschaffen, ist nicht im Geringsten mehr zu bedauern als das Opfer an Vorschüssen und Verbrauch, das in jedem Produktionszweig gebracht werden muss, bevor wir ein neues Erzeugnis erhalten. Das Eigeninteresse ist in allen Fällen der beste Richter über das Ausmaß des Opfers und über die Entschädigung, die wir dafür erwarten dürfen; und obwohl uns dieser Wegweiser mitunter in die Irre führen mag, ist er auf lange Sicht der sicherste und zugleich der kostengünstigste.“ 

Diese frühe Formulierung des Gesetzes der komparativen Vorteile haben Regierungen ignoriert, mit mitunter katastrophalen Folgen. Der unüberlegte Smoot-Hawley Tariff Act von 1930 trug nicht nur zum Zusammenbruch der US-Wirtschaft bei, sondern setzte in Verbindung mit landwirtschaftlicher Überproduktion auch dem Rest der freien Welt zu.

Wir sehen, dass die politische Klasse ihren Wählern schon lange vor dem Schaden, den Keynes anrichtete, keinen Gefallen tat, indem sie malthusianischen Überzeugungen den Vorrang vor den fundierten Überlegungen von J.-B. Say gab. Dieser Schaden beschränkt sich nicht darauf, den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage zu leugnen, sondern erstreckt sich auch auf die Verfälschung des Tauschmittels durch die Behörden.

Die Rolle des Geldes im Sayschen Gesetz

In einem freien Markt, in dem Produktion in Konsum umgesetzt wird, bedarf es dazwischen eines Tauschmittels. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Konsum von Endprodukten oder Dienstleistungen handelt, um den Erwerb der Bestandteile für die Montage eines Produkts oder der Maschinen für die Produktion, oder um aufgeschobenen Konsum in Form von Ersparnissen. Selbst wenn jemand beschließt, ein Tauschmittel zu horten, stammt es stets aus der Produktion, und seine spätere Freigabe ermöglicht Konsum.

Daraus folgt, dass die Bestimmung eines Tauschmittels Sache seiner Nutzer ist, was alle staatlichen Geldtheorien untergräbt. In einem freien Markt haben sich Metalle, insbesondere Gold, Silber und Kupfer, als die am besten geeigneten Materialien für Geld herausgebildet, da sie beständig und in erkennbare Einheiten teilbar sind. Auch sein Tauschwert ist allein Sache seiner Nutzer.

Es ist wichtig zu erkennen, dass ein Tauschmittel nicht die Quelle des Reichtums ist: Dieser entsteht durch erfolgreiche Produktion, die zum Konsum in Form des Erwerbs von Vermögenswerten führt, welche ihrerseits einen Tauschwert haben. Je weiter eine auf Produktion und Konsum beruhende Volkswirtschaft fortgeschritten ist, desto größer ist somit ihr Reichtum. Das Tauschmittel ist jedoch nicht der Ursprung dieses Reichtums, auch wenn seine Ansammlung als aufgeschobener Konsum geschätzt wird und daher selbst Reichtum darstellt.

Das ist die Rolle des Geldes, das einen Austausch nicht nur ermöglicht, sondern ihn auch vollständig abschließt und kein Risiko zurücklässt. Man kann sich vorstellen, dass das Tauschmittel solide sein muss, damit das Saysche Gesetz zutrifft; seine Solidität ist jedoch eine andere Frage. Die andere Form eines Tauschmittels ist der Kredit, bei dem der Verkäufer im Austausch für Produktion nicht Geld, sondern Kredit erhält. Zum Kredit zählen Banknoten und Bankeinlagen, Wechsel und andere übertragbare Kreditformen. 

Zu Zeiten des Goldstandards wurde der in Gütern gemessene Wert des Geldes und der Geldersatzmittel zwischen den Handelnden selbst festgelegt. Die weite Verbreitung von Metallgeld und seinen Kreditersatzmitteln ermöglichte es, Arbitrage zwischen den lokalen Werten in verschiedenen Marktzentren international durchzuführen. Wenn Gold in einer Rechtsordnung mehr Konsum ermöglicht, fließt es naturgemäß aus anderen, in denen es weniger kauft, dorthin. Und das Saysche Gesetz beschränkt sich nicht auf den nationalen Handel. Der Handel zwischen Nationen wird durch gesetzliches Geld und seine glaubwürdigen Ersatzmittel erleichtert und mehrt den Wohlstand beider Seiten.

Die Rolle des Kredits im Sayschen Gesetz

In der Praxis war der Transport von Gold und seine Umprägung zu Münzen für ausländische Märkte, die an andere Münzen gewöhnt waren, stets umständlich. Dies führte zu Goldsubstituten: Papierkredit, dessen Emittent über eine ausreichende Golddeckung verfügte, sodass die Produzenten ihn als vorübergehenden Speicher ihres Konsums akzeptierten. Dies war die Grundlage der Goldkernwährungen (Gold Exchange Standards), bei denen Banknoten, die auch als Goldsubstitute Kredit sind, nach Wahl des Inhabers gegen Goldmünzen eingetauscht werden konnten.

An dieser Stelle unserer Darstellung sei wiederholt, dass der Wert, der diesen Goldsubstituten beigemessen wird, vollständig im Ermessen ihrer Nutzer liegt. Eine Ausgabe, die über die Golddeckung hinausging, untergrub den Wert des Substituts daher nicht zwangsläufig, solange die Ausweitung der Menge an Substituten mit der Nachfrage danach Schritt hielt. Diese Regel gilt nicht nur für die von einer Zentralbank ausgegebenen Noten, sondern auch für den von Geschäftsbanken geschaffenen Kredit. Tatsächlich ist das, wovon wir sprechen, wenn wir ein Tauschmittel oder das Umlaufmittel meinen, in der Praxis stets Kredit, selbst dort, wo Goldstandards galten.

Der Reiz des Kredits gegenüber dem Metallgeld besteht darin, dass er die Entwicklung von Produktion dort ermöglicht, wo zuvor keine existierte. Es gibt ein wenig bekanntes Beispiel für die Schaffung von Bankkredit, das von großem wirtschaftlichem Nutzen war: ein Verfahren, das die schottischen Banken im frühen achtzehnten Jahrhundert einsetzten. Die Ausweitung des Bankkredits zur Finanzierung unternehmerischer Tätigkeit wurde zur Grundlage eines Großteils des heutigen Bankgeschäfts. Es lohnt sich, diese Episode zu schildern, um die Rolle des Geschäftsbankkredits zu veranschaulichen.

Nach schottischem Recht wurde die Bank of Scotland 1695 mit unbeschränkten Emissionsbefugnissen gegründet. Sie gab Banknoten nur in den folgenden Stückelungen aus: £100, £50, £10 und £5. Dabei ist zu bedenken, dass £100 in heutiger Währung dem Gegenwert von £39.500 entsprachen, ausgedrückt in Gold-Sovereigns. Offensichtlich war es der Plan der Bank of Scotland, bedeutende Handelskunden zu betreuen und zu fördern, entsprechend dem Bankgeschäft in London, das sich hauptsächlich auf den Handel mit diskontierten Handelswechseln richtete. Die Bank gab erst 1704 £1-Noten aus. 

Ihr Monopol lief 1727 aus, und ihr Rivale, die Royal Bank of Scotland, wurde gegründet. Das Problem bestand nun darin, dass es in der wirtschaftlich unterentwickelten Lage in Schottland nicht genügend Handelswechsel gab, um beide Banken zu versorgen. Es war die Royal Bank, die eine Lösung fand. 

Gegen ausreichende Sicherheiten erklärte sie sich bereit, vertrauenswürdigen und angesehenen Personen Kredit in begrenzten Beträgen zu gewähren. Diese Kontokorrentkredite („cash credits“) waren Konten, die zugunsten einer Person eingerichtet wurden, die kein Geld einzahlte und die das Konto dann wie ein gewöhnliches Konto führte, nur dass sie auf den Saldo keine Zinsen erhielt, sondern Zinsen zahlen musste. In der Bilanz der Bank wurde ein solcher Kredit als Aktivposten verbucht, dem eine Einlage in Höhe des abrufbaren Betrags gegenüberstand. 

Er war der Vorläufer der modernen Kreditvergabe der Banken, im Gegensatz zum Bankgeschäft in London zu jener Zeit, das sich um die Diskontierung von Handelswechseln und um Kredite drehte, die im Voraus durch Sicherheiten oder Einlagen von Metallgeld besichert waren. 

Die Kontokorrentkredite der Royal Bank wurden auf zweierlei Weise eingesetzt: zur Unterstützung von Privatpersonen im Geschäftsleben sowie zur Förderung der Landwirtschaft und der Gründung von Handelsunternehmen aller Art. Landwirtschaftlich genutzter Boden war aus Kapitalmangel unterentwickelt, und das System der Kontokorrentkredite steigerte die landwirtschaftliche Produktion und befreite unternehmungslustige Personen aus den Fesseln der Feudalgesellschaft. Was uns hier jedoch besonders interessiert, sind die Kredite an Einzelpersonen im Geschäftsleben. 

Die Royal Bank und später auch die Bank of Scotland, die in dieses Geschäftsfeld eintrat, begrenzten ihre Vorschüsse anfangs auf Beträge zwischen £100 und £1.000 (nach heutigem Sterling etwa £39.500 bis £395.000). Außer Bürgschaften von angesehenen, mit dem Kreditnehmer vertrauten Personen wurden keine Sicherheiten verlangt. Diese im schottischen Recht „Cautioners“ genannten Bürgen behielten genau im Auge, wie die Kredite angelegt wurden, hatten stets das Recht, das Konto des Kreditnehmers bei der Bank einzusehen, und waren befugt, jederzeit einzugreifen. In einer Aussage vor einem Ausschuss des Unterhauses im Jahr 1826, fast ein Jahrhundert nachdem die Royal Bank of Scotland sie geschaffen hatte und die Praxis weit verbreitet war, nannte ein Zeuge den Fall einer bescheidenen Landbank, die Kontokorrentkredite anbot und damit über einundzwanzig Jahre £90.000.000 zu einträglichen Kreditmargen umsetzte und dabei lediglich Verluste von £1.200 erlitt. 

Bevor es Banken gab, die Kontokorrentkredite (Cash Credits) anboten, war Schottland ein rückständiges Land, dessen Bewohner sich mehr mit Viehdiebstahl und Kriegen gegen die Nachbarn beschäftigten als mit friedlicher Landwirtschaft. Vor allem fehlte es an Geld, und man lebte nur am Existenzminimum. Die Schaffung des Systems der Cash Credits sowie der Umlauf der Banknoten der Bank of Scotland und der Royal Bank, die wie Geld akzeptiert wurden, führten zu enormen Fortschritten. Das System überstand sogar den Jakobitenaufstand von 1745. Als sich das System der Cash Credits etabliert hatte, wurde es auf die Finanzierung größerer Projekte ausgeweitet. Der Forth-und-Clyde-Kanal wurde mit einem von der Royal Bank gewährten Cash Credit über 40.000 £ gebaut. Eisenbahnen, Docks und Häfen, Straßen und sogar öffentliche Gebäude wurden durch Cash Credits finanziert. 

Als eines von vielen Beispielen sei Henry Menteith genannt, der zweimal Lord Provost von Glasgow war und später als Abgeordneter für Linlithgow im Parlament saß. Er begann seine Geschäftstätigkeit als Kaufmann und Weber mit einem bescheidenen Cash Credit. Und bis 1826 beschäftigte Menteith 4.000 Männer und Frauen. Die schottische Aufklärung des 18. Jahrhunderts, die uns David Hume, Adam Smith, Robert Burns und viele andere bedeutende Persönlichkeiten schenkte, verdankt ihre Existenz der Wandlung Schottlands von einer rückständigen Nation durch das System der Cash Credits. In nur fünfzig Jahren machte Schottland als Nation wirtschaftlich größere Fortschritte als in seiner gesamten bisherigen Geschichte. 

Der Erfolg der Cash Credits und die breitere Übernahme gleichwertiger Instrumente durch Kreditgenossenschaften und andere Organisationen auf lokaler Ebene in England und Wales wurden in der Folge nicht nur zur Grundlage einiger bemerkenswerter Vermögen, sondern auch zum Fundament, auf dem viele bescheidenere Unternehmen gediehen. Zweifellos war die Entwicklung des Bankkredits aus dem schottischen System der Cash Credits enorm vorteilhaft, nicht nur für Schottland, sondern für das gesamte Vereinigte Königreich. Und die weltweite Übernahme des englischen Bankrechts übertrug die wirtschaftlichen Vorteile auch auf andere zivilisierte Nationen. 

Das Problem sind die destabilisierenden Zyklen von Ausweitung und Einschränkung des Bankkredits, nicht die Existenz des Bankkredits, der unzweifelhaft ein öffentlicher Nutzen ist. Keynes verstand dies nicht, schrieb es einem Versagen der freien Märkte zu und hielt es für den Beleg einer Produktionsschwemme, der kein entsprechender Konsum gegenüberstehe. Doch die Fakten sind unbestreitbar: Kredit schuf Produktion und damit Konsum bis zum Ersten Weltkrieg, als im Vereinigten Königreich zunächst ein Silber-, dann ein Goldstandard bestand (zugegebenermaßen mit einigen Unterbrechungen). Booms und Einbrüche entstehen durch übermäßige Ausweitung des Bankkredits bzw. durch den Entzug von Kreditfazilitäten. Sie führen nicht zu malthusianischen Überangeboten.

Fazit

Auch wenn zusätzlicher Kredit als Verbindung zwischen Produktion und Konsum eingeführt wird, gilt das Saysche Gesetz weiterhin. Das oben angeführte schottische Beispiel liefert reichlich Beweise dafür, dass es zutrifft. Selbst in einer Welt, die ganz auf verschiedenen Kreditformen beruht, lässt sich seine Wahrheit nicht leugnen.

Die Zurückweisung dieser offensichtlichen Wahrheit durch Keynes und moderne Makroökonomen liegt der etatistischen Wirtschaftsfehlsteuerung zugrunde. Natürlich lassen sich weitere Irrtümer benennen, doch viele der wichtigen beruhen auf der Ablehnung des Sayschen Gesetzes. Da die westliche Welt am Rande eines wirtschaftlichen Abschwungs steht, sehen wir, dass der malthusianische Irrtum, ihn mit einer Produktionsschwemme zu verbinden, Regierungsökonomen zu der Annahme verleitet, die Preise würden einbrechen, was eine weitere Ausweitung des Zentralbankkredits rechtfertige. Da dieser Kredit nicht aus der Nachfrage des Marktes nach Zahlungsmitteln im Einklang mit dem Sayschen Gesetz hervorgeht, wird seine Kaufkraft ausgehöhlt werden.

In einem wirtschaftlichen Abschwung erklärt das Saysche Gesetz, warum Produktion und Konsum gemeinsam zurückgehen, sodass die Preise nicht einbrechen. Analysten, die dies als Stagflation bezeichnen, erfassen diesen Punkt nicht. Tatsächlich muss man nur auf jede Hyperinflation zurückblicken, um festzustellen, dass dabei stets die Kaufkraft einer Währung zusammenbricht, während zugleich die Wirtschaft schrumpft. Keynes irrte böswillig, als er das Gesetz mit der Aussage abtat, das Saysche Gesetz „sei gleichbedeutend mit der Behauptung, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht“. Das ist es keineswegs.

Ein sich selbst überlassener freier Markt erlebt eine fortlaufende Entwicklung der Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher, wobei die Produzenten sie vorwegnehmen und sich ihnen anpassen. Ohne staatliche Eingriffe wird die Arbeitslosigkeit zwangsläufig niedrig, da die menschliche Arbeitskraft mit ihren vielfältigen Fähigkeiten nachgefragt wird. Schwankungen des Kredits, die aus einem Zyklus in der Psychologie der Bankiers herrühren, sind ein störender Faktor, korrigieren sich aber, sich selbst überlassen, rasch und lassen sich bei richtigem Verständnis abmildern. Schuld an einer andauernden Krise, die schließlich zu weit verbreiteter Armut führt, ist Keynes’ Spielart des staatlichen Eingreifens. Fragen Sie einen beliebigen Russen, der das Jahrzehnt nach der Sowjetzeit erlebt hat.

 


 


[i] Die in diesem Artikel herangezogene Ausgabe von Says Abhandlung über die politische Ökonomie ist die amerikanische Übersetzung von 1821, die Grundlage späterer Nachdrucke.

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