Das Fehlen eines Gewinnmotivs bei jeglichem staatlichen Handeln setzt die Beziehung zwischen Regierungen und Wählern psychologischen Faktoren aus. Wir alle wissen, dass Regierungen Propaganda und andere Mittel einsetzen, um die Massenpsychologie zu lenken und ihre Wählerschaft zu beeinflussen. Weniger bekannt ist, dass die Regierungen selbst von einer Massenpsychologie in den eigenen Reihen in die Irre geführt werden, was zum Scheitern politischer Maßnahmen beiträgt.
Dieser Artikel stellt die Klimadebatte selbst nicht in Frage. Stattdessen untersucht er die Debatte im Zusammenhang mit der Psychologie, die sie antreibt. Die Veröffentlichung staatlich geförderter Klimapropaganda in Form eines einstimmigen IPCC-Berichts, der das Ende der Welt, wie wir sie kennen, vorhersagt, ist das jüngste Beispiel für ein politisches und bürokratisches Phänomen; der Zeitpunkt dieses Artikels ist daher passend gewählt.
Einleitung
Die westlichen Volkswirtschaften haben sich so weit von freien Märkten entfernt, dass diese im eigentlichen Sinne des Wortes kaum noch existieren. Dennoch behauptet der Staat fortwährend, es seien die freien Märkte, die versagten, nicht die Regierung.Der Grund, weshalb Regierungen in wirtschaftlicher Hinsicht scheitern, liegt darin, dass die Wirtschaftsrechnung nie zu ihren Aufgaben gehört und auch nicht gehören kann. Unter Wirtschaftsrechnung verstehen wir, positive Maßnahmen mit dem Ziel eines profitablen Ergebnisses zu ergreifen. Um zu überleben und zu gedeihen, müssen Unternehmen und Einzelpersonen dies ständig tun – die einzige Ausnahme besteht, wenn sie sich darauf verlassen können, dass der Staat für ihr Scheitern einsteht. Deshalb befürworten etablierte Unternehmen staatliche Regulierung, um aufstrebenden Wettbewerbern Hürden in den Weg zu legen. Und deshalb besteht auf individueller Ebene eine rege Nachfrage nach staatlicher Fürsorge.
Politische Ziele können jedoch keinen Gewinn und damit keine Wirtschaftsrechnung beinhalten. Anstelle der Wirtschaftsrechnung kann ein verantwortungsvoller Staat lediglich seine Steuereinnahmen effizient verwalten, um die Belastung der Produzenten in der Wirtschaft möglichst gering zu halten und im Rahmen eines realistischen Konsenses bezahlbare soziale Ergebnisse zu erzielen. Das Problem besteht darin, zu entscheiden, wo die Grenze zwischen dem Vernünftigen und dem Unvernünftigen verläuft. Es ist zugleich die Grenze, die darüber entscheidet, wer in ferner Zukunft als Staatsmann und wer als politischer Flaneur in die Geschichte eingehen wird.
Politische Ziele im engsten Sinne standen in Amerika bis zur Zeit von Präsident Hoover im Mittelpunkt, der das politische Mandat auf den Interventionismus ausweitete; ihm folgte der heutige Held sozialistischer Ökonomen, Franklin D. Roosevelt. Fast ein Jahrhundert zunehmender sozialistischer Eingriffe seit Hoover hat uns in ein gesellschaftspolitisches System geführt, dessen fragwürdige Errungenschaften kaum mehr sind als Geldentwertung und das wiederholte Scheitern staatlicher Ambitionen.
Das betrifft nicht nur Amerika, sondern alle fortgeschrittenen Staaten. Regelmäßige Leser der Artikel von Goldmoney kennen die inflationären Folgen der Förderung des neokeynesianischen Interventionismus und wissen, wohin dies alles führt. Doch in den letzten dreißig Jahren und mehr haben wir dieselbe staatliche Förderung eigennütziger Wissenschaftler auch in anderen Bereichen als der Wirtschaft erlebt. Besonders relevant ist heute der Klimawandel, denn dieses stark politisierte Thema bestimmt inzwischen den Kurs der Kapitalinvestitionen im Unternehmenssektor anstelle profitabler Ziele.
Wissenschaftler ohne Erfahrung in der Klimatologie springen seit Jahrzehnten auf den Zug der globalen Erwärmung auf und schöpfen staatliche Mittel ab, die für Forschung bereitgestellt wurden, welche belegen soll, dass der Homo stultus für die globale Erwärmung verantwortlich ist. Und als diese nicht zu den häufig vorhergesagten Terminen eintrat, wurde die globale Erwärmung in Klimawandel umbenannt.
Zeit für einen Realitätscheck
Es ist Zeit für einen Realitätscheck, denn auf der Grundlage dürftiger Belege wird die Klimapolitik offen wirtschaftsschädigend, und zwar stärker als jeder andere staatliche Eingriff in Friedenszeiten, mit Ausnahme der Geldpolitik. Das folgende Zitat von der beliebten Website Guido Fawkes bringt es gut auf den Punkt:Die UN sagt seit Jahrzehnten eine planetarische Katastrophe voraus, die meist in etwa zehn Jahren eintreten soll. Im Jahr 1972 – vor einem halben Jahrhundert – warnte Maurice Strong, der erste Direktor des UN-Umweltprogramms, die Welt habe „nur noch 10 Jahre, um eine Katastrophe abzuwenden“. Im Jahr 1982 teilte sein Nachfolger Mostafa Tolba, damals Leiter des UN-Umweltprogramms, der Welt mit, es blieben nur noch 18 Jahre bis zu „einer Umweltkatastrophe, die so unumkehrbar ist wie jeder nukleare Holocaust“. Doch das Jahr 2000 kam und ging, und wir feierten einfach, als wäre es 1999…
Es hieß, der Meeresspiegel werde steigen, und die Malediven würden schon vor über einem Jahrzehnt unter Wasser stehen; stattdessen werden dort weitere Luxushotels gebaut. Es hieß, die Gletscher im Himalaya, die Quelle des großen Ganges, wären längst geschmolzen. Der große Ganges fließt noch immer, und die Gletscher sind weiterhin da. Das Great Barrier Reef in Australien sollte tot sein, doch es lebt und gedeiht. Das Welternährungsprogramm der UN erklärte uns in den Sechzigerjahren, die Erde könne eine wachsende Bevölkerung nicht ernähren, und die Zukunft sei düster, da ein Großteil der Menschheit vom Hunger bedroht sei. Die Weltbevölkerung hat sich seit den Sechzigerjahren mehr als verdoppelt, und es gibt weniger Menschen in absoluter Armut…[i]
Vor Maurice Strong beschränkten sich Vorhersagen vom nahenden Weltuntergang im Allgemeinen auf Verrückte mit Plakaten, Anhänger der Prophezeiungen der Offenbarung und linke CND-Demonstranten. Heute sind es die Öko-Krieger.
Erst diese Woche legte der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) die jüngste Salve vor, als Auftakt zur Megakonferenz zum Klimawandel in Glasgow. Der Bericht sei „von Hunderten von Wissenschaftlern verfasst und von 195 Ländern gebilligt worden“ (Daily Telegraph, 10. August). Formulieren wir das anders: „Hunderte von Wissenschaftlern wurden von führenden westlichen Regierungen dafür bezahlt, einen Bericht zu verfassen, der die zuvor vereinbarte Klimapolitik dieser Regierungen stützt. Alle übrigen Regierungen wurden zur Zustimmung gedrängt, entweder aus Furcht, als Leugner gebrandmarkt zu werden, oder aus Furcht, bei den Subventionen leer auszugehen, die sie von den Westmächten, die das Ganze vorantreiben, für ihre Unterstützung erwarten dürfen.“
Die Psychologie staatlichen Handelns, die in Abwesenheit des Gewinnmotivs entsteht, hat weniger mit der Rettung der Welt zu tun als mit den immanenten Schwächen von Regierungen. Die Psychologie von Politik und Bürokratie hat sich so entwickelt, dass sie die Verantwortlichen für die Folgen ihres Handelns blind macht. Sie zeigt exemplarisch, warum staatliche Ziele dem wirtschaftlichen Fortschritt zuwiderlaufen.
Vergessen Sie die Debatte, untersuchen Sie die Psychologie
Ein kaum hinterfragtes Vorurteil betrifft die Frage, warum das Establishment häufig an Überzeugungen festhält und zugleich eine vernünftige Debatte verweigert. In vielen Bereichen staatlichen Handelns lässt sich dies nachweisen, der Klimawandel ist einer davon.Führung beruht allzu oft auf vorherrschenden Überzeugungen, wobei man sich jedem Hinweis auf einen möglichen Irrtum fest verschließt. Selbst Galilei wurde 1633 von der Inquisition gezwungen, seine wissenschaftlichen Belege dafür zu widerrufen, dass die Erde sich um die Sonne dreht – eine durchaus vernünftige und logische, wenn auch neuartige These, die vom katholischen Establishment verworfen wurde. Doch erst 1992 verzieh ihm das religiöse Establishment im Vatikan, recht gehabt zu haben. Das war 359 Jahre später und lange, nachdem es für Galilei noch eine Rolle gespielt hätte.
Glücklicherweise überlebt die Sichtweise des Establishments, wenn sie sich von den Tatsachen entfernt, selten so lange. Sozialismus, Ökonomie, Klimawandel und nun „Wokeness“ haben sich nacheinander in der Psyche des Staates festgesetzt und zeigen dieselben starren Ansichten, die gegen unbequeme Widersprüche abgeschirmt sind. Das heißt nicht, dass das Establishment urteilend auftreten müsste. Eine demokratische Regierung versucht im besten Fall, neutral zu bleiben und ein ausgewogenes Meinungsbild widerzuspiegeln. Es gibt jedoch Zeiten, in denen sie den festen Boden aus den Augen verliert und von der Psychologie ihrer eigenen, zwar etablierten, aber unbegründeten Überzeugungen unterwandert wird.
Die Debatte über den Brexit war ein klassisches Beispiel dafür, dass Psychologie über Vernunft siegt: Nach dem Referendum 2016 änderten nur wenige Befürworter des Verbleibs oder des Austritts ihre Meinung. Einflussreiche Befürworter des Verbleibs waren im Großen und Ganzen Personen, die während der fünfundvierzig Jahre, in denen Großbritannien zunehmend politische Macht nach Brüssel übertrug, in der Regierung tätig waren. Andere sind heftig davon überzeugt, dass die Zugehörigkeit zu einer größeren Wirtschaftseinheit sicherer ist als die Exposition gegenüber freien Märkten. Wieder andere glaubten, der Brexit würde ihr Leben unmittelbar beeinträchtigen, und fürchten die Ungewissheit. Was auch immer ihre Gründe sein mögen: Ihr unterbewusster Instinkt ist es, Schutz bei einem fürsorglichen Establishment zu suchen, statt ein marktwirtschaftlich begründetes Angebot zu riskieren.
Dieser Artikel untersucht die Psychologie dieses systemischen Konsenses im Kontext der Klimadebatte. Der Klimawandel ist nur ein Beispiel für ein umfassenderes Phänomen und dient hier als aktuelles Anschauungsbeispiel. Wir greifen die Arbeit von Pierre Desrochers und Joanna Szurmak von der Universität Toronto erneut auf, die den langjährigen Zusammenhang zwischen Überbevölkerungstheorien und dem Klimawandel untersucht haben.[ii]
Sechs psychologische Faktoren
Die Leugnung von etwas, das zunehmend offensichtlich ist, muss auf die menschliche Psychologie zurückzuführen sein. In Kapitel 6 ihres Werks identifizieren Desrochers & Szurmak sechs unterschiedliche psychologische Faktoren, die wir der Reihe nach betrachten, um unser Verständnis der Psychologie des Klimawandels zu vertiefen. Ich führe sie unter den folgenden Überschriften auf:- Das eiserne Dreieck der Krise
- Die Psychologie festgefahrener Argumente
- Motiviertes Denken
- Das zentrale theoretische Thema
- Die auserwählte Elite und
- Optimismus und Pessimismus
Das eiserne Dreieck der Krise
Schon seit der Zeit vor Malthus gibt es politische Meinungsmacher und Aktivisten, die pessimistische Annahmen über eine unkontrollierte Bevölkerungszunahme und die Fähigkeit der Ressourcen des Planeten, diese Menschen zu ernähren, verbreitet haben. Obwohl sich diese Befürchtungen später als unbegründet erwiesen haben, herrschen sie weiterhin bei denjenigen vor, die nicht darauf angewiesen sind, ihren Lebensunterhalt mit Gewinnen zu verdienen. Es ist eine Voreingenommenheit, für die Politiker und ihre Berater besonders anfällig sind.Die Öffentlichkeit erwartet naturgemäß von ihren gewählten Vertretern unvoreingenommenes Bemühen, wenn diese ihr nationale Bedrohungen zur Kenntnis bringen. Schließlich ist es wohl eine Hauptaufgabe einer Regierung, ihre Bevölkerung vor realen und potenziellen Gefahren zu schützen. Es gibt Regierungsstellen, die damit beauftragt sind, Gefahren für die Gesellschaft, deren Wahrscheinlichkeit und die angemessene Reaktion der Regierung im Ernstfall zu bewerten. Diese Aufgaben erfordern unvoreingenommene Forschung. Doch die politische Führung von oben ist selten neutral und versucht, die Ergebnisse zu beeinflussen.
Und wir stellen nun fest, dass die Klimawissenschaft stark politisiert worden ist.
Der Klimawandel ist für Politiker ein Geschenk, das immer weiter beschert. Er erweckt den Eindruck, das große Thema unserer Zeit anzugehen. Und er ist eine Krisenquelle, die Versäumnisse bei weniger wichtigen Prioritäten verdeckt. Zu beobachten, wie Boris Johnson seine Beliebtheit aufrechterhält, indem er den Kampf gegen den Klimawandel weltweit anführt, jede mögliche Fotogelegenheit sucht und zugleich der Covid-Katastrophe vorsteht, war eine Lehrstunde praktischer Politik. Man fragt sich, wie inhaltsleer seine Politik ohne die Stütze des Klimawandels erschiene.
Unter seiner Aufsicht hat die Politik der Klimakatastrophe im Vereinigten Königreich neues Leben gewonnen. Staatliche Ausgabenpläne, die auf die Senkung der CO₂-Emissionen ausgerichtet sind, haben sich beschleunigt, ebenso die Unterstützung und Glaubwürdigkeit, die staatlich finanzierte Wissenschaftler durch alarmierende Prognosen erhalten. Radikaler Umweltschutz wird nicht nur befürwortet, sondern aktiv über die Medien gefördert.
Diese Dreieinigkeit, dieses eiserne Dreieck der Krise, wie Desrochers und Szurmak es nennen, besteht somit aus Interessen des Establishments, der Förderung von Angst und der Medienlenkung. Es lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf eine bestimmte Bedrohung unter Ausschluss anderer. Es ist eine Rückkopplungsschleife aus Karriere- und Besitzstandsdenken, angetrieben von der Psychologie festgefahrener Argumente, unserem nächsten Thema.
Die Psychologie festgefahrener Argumente
Ein rationaler Ansatz zur Aufnahme und zum Verständnis neuer Informationen bestünde darin, sie logisch und unvoreingenommen zu behandeln. Offensichtlich geschieht dies nicht. Unser Gehirn ist noch immer so verdrahtet wie in unserer Zeit als Jäger und Sammler, als unsere Entscheidungen auf der Wahl zwischen Kampf oder Flucht beruhten. Wir neigen daher natürlicherweise dazu, an einer geschützten Position festzuhalten, nachdem sie unhaltbar geworden ist.Stellen Sie sich vor, Sie gehörten einer Gemeinschaft primitiver Höhlenbewohner an, und Kampf oder Flucht würde zu einer Gruppenentscheidung. Wir werden einander in der Unsicherheit noch lange nach dem Überschreiten des kritischen Punkts unterstützen und erst dann die Reihen verlassen, wenn die Flucht die einzige Option geworden ist. Es ist Überleben durch nach innen gerichtete gegenseitige Verteidigung, nicht durch Angriff. Es ist die tiefenpsychologische Grundlage des Gruppendenkens oder der Psychologie verhärteter Argumente. Sie führt an den Rand des Abgrunds der Krise.
Forscher der Cornell University haben dieses Phänomen untersucht.[iii] Sie stellten fest, dass „Teilnehmer Informationen lieber aus Quellen der eigenen Gruppe beziehen und Mitgliedern der eigenen Gruppe in moralischen und politischen Fragen stärker zustimmen“. Dies führt das Gruppendenken in den Bereich der Beharrung, lange nachdem die Fluchtoption verstrichen ist, und bestehende Ansichten werden defensiv verfestigt. Das Bewusstsein für die wahre Lage wird beeinträchtigt, weil die Mängel im Wissen und Urteilsvermögen der Gruppe nicht erkannt werden. Dafür gibt es sogar einen Namen: den Dunning-Kruger-Effekt.[iv]
Zu dieser Selbstunkenntnis kommt die Überschätzung des eigenen Verständnisses kontroverser Themen durch eine Gruppe hinzu, die zur Illusion einer „Verständnisverzerrung“ führt. Je mehr Gruppenmitglieder ein Thema diskutieren, desto stärker wird die Verständnisverzerrung verfestigt. Belege dafür finden sich in der Politik im weiteren Sinne, besonders wenn Meinungen im Laufe der Zeit zu unterschiedlichen politischen Ideologien verschmelzen. In Amerika sind die Demokraten intellektuell ebenso leistungsfähig wie die Republikaner, und doch haben sich beide Parteien in stark voneinander abweichende Verständnisverzerrungen zurückgezogen.
Verhärtete Argumente werden durch naiven Realismus verstärkt. Ein naiver Realist geht davon aus, dass er oder sie selbst bei der Aufnahme und Bewertung der Fakten sowohl rational als auch unvoreingenommen ist, und nimmt weiter an, dass diejenigen, die nicht zu denselben Schlussfolgerungen gelangen, unwissend, voreingenommen oder beides seien. Naiver Realismus ist das Ergebnis eines falschen Konsenses, bei dem diejenigen, die dem naiven Realisten zustimmen, als rationaler gelten als jene, die dies nicht tun. Verhärtete Argumente und naiver Realismus werden zur treibenden Kraft des motivierten Denkens.
Motiviertes Denken
Wir glauben selbstverständlich an wissenschaftliche Forschung, und zwar in der irrigen Annahme, all die Promovierten von Spitzenuniversitäten führten Experimente aus denselben Gründen durch, die uns im Chemieunterricht in der Schule vermittelt wurden. Leider ist die Motivation der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sowohl in den Natur- als auch in den Sozialwissenschaften, nicht so lauter. Wissenschaftler sind Menschen und müssen ihren Lebensunterhalt verdienen, was weitaus leichter fällt, wenn sie sich dem allgemeinen Bestätigungsfehler anschließen. In der Welt nach der Ausbildung braucht ein Wissenschaftler eine bezahlte Stelle, Anerkennung und häufige Veröffentlichungen in angesehenen Fachzeitschriften. Gute Ideen werden unterdrückt, und schlechte Daten zur Stützung schlechter Ideen sind allzu oft das Ergebnis dieses motivierten Denkens.[v]John Ioannidis, Professor für Medizin an der Stanford University, hat es am besten zusammengefasst:
„Wissenschaftler eines bestimmten Fachgebiets können allein aufgrund ihres Glaubens an eine wissenschaftliche Theorie oder ihrer Bindung an die eigenen Befunde voreingenommen sein … Angesehene Forscher können über das Peer-Review-Verfahren das Erscheinen und die Verbreitung von Befunden unterdrücken, die ihre eigenen Ergebnisse widerlegen, und so ihr Fachgebiet dazu verurteilen, falsche Dogmen fortzuschreiben. Empirische Belege zu Expertenmeinungen zeigen, dass diese äußerst unzuverlässig sind.“[vi]
Zwar schrieb Professor Ioannidis über Forschung in den Naturwissenschaften, doch gelten die Methoden und empirischen Belege ebenso für die Sozialwissenschaften. Sie beschreiben die von Zentralbanken und von Wirtschaftsprofessoren an Universitäten veröffentlichten Forschungsarbeiten treffend. Ebenso kennzeichnen sie die Meinungssilos in Regierungsbehörden.
Motiviertes Denken, etwa zum Klimawandel und zur politischen Korrektheit, dreht sich ganz um den Aufbau eines theoretischen Kernthemas.
Das theoretische Kernthema
Eine Möglichkeit, wie Experten gegenteilige Belege zurückweisen, besteht darin, an einem theoretischen Kernthema festzuhalten. Ich erinnere mich an einen E-Mail-Austausch mit einem bekannten Finanzjournalisten im Jahr 2016, der abrupt zum Erliegen kam, als er erklärte: „Meiner Ansicht nach ist die Rekord-Sparquote weltweit (27 Prozent) die eigentliche Ursache unserer Probleme. Es muss ein Weg gefunden werden, diese in den Konsum umzulenken, um die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“
Mit anderen Worten: Er hielt an einem theoretischen Kernthema fest, das neukeynesianischen Ökonomen gemeinsam ist. Indem er es als seine Ansicht formulierte, war er offensichtlich nicht bereit zu erörtern, warum er die Rekord-Sparquote weltweit für die eigentliche Ursache unserer Probleme hielt. Wir beurteilen nicht, ob sie zutrifft, sondern nur, dass er sie vertritt, dass er sie voraussetzt. Er signalisierte, dass er sich nicht umstimmen lässt und eine weitere Debatte daher sinnlos ist. Das gilt für die gesamte staatlich finanzierte Volkswirtschaftslehre, die diese Meinung widerspiegelt. Zahlreiche Abhandlungen wurden verfasst, um diese Haltung zu rechtfertigen. Wir leben mit dieser Sichtweise, seit Keynes 1936 seine General Theory veröffentlicht hat. Wie in der keynesianischen Ökonomie hat sich auch in der Klimawandel-Debatte ein theoretisches Kernthema herausgebildet.
Doch wenn Professor Ioannidis damit recht hat, dass empirische Belege zeigen, wie außerordentlich unzuverlässig Expertenmeinungen sind, und dies sich in der Volkswirtschaftslehre und der Geldtheorie zu bestätigen scheint, erklärt das die Verschlossenheit gegenüber einer ausgewogenen Debatte in Bereichen wie dem Klimawandel. Solange an einem theoretischen Kernthema festgehalten wird, ist es nahezu unmöglich, es zu widerlegen.
Die Entschlossenheit, am keynesianischen Kernthema zum Sparparadoxon festzuhalten, ist der Mitgliedsausweis meines journalistischen Bekannten für die gesalbte Elite.
Die gesalbte Elite
Viele von uns wollen dazugehören, etwas bewirken, die Gesellschaft voranbringen. Wir wissen, dass wir dafür Einfluss brauchen, und der beste Weg dazu ist, sich einer Sache anzuschließen und sie zu fördern, die vom Establishment unterstützt wird. Und nichts gleicht dem wohltuenden Gefühl einer offenen Einladung in die Salons der Mächtigen und Angesehenen. Bekannte Medienpersönlichkeiten mit diesem Zugang nutzen ihre Bekanntheit und Stellung, um sich an die Seite der Elite zu stellen, und setzen ihre Karriere fort, solange sie das Spiel der Elite mitspielen.Die gesalbte Elite („the anointed elite“) ist eine Bezeichnung des Ökonomen und politischen Theoretikers Thomas Sowell, Senior Fellow an der Hoover Institution der Stanford University. Er prägte sie in seinem prägnant betitelten Buch von 1995, The Vision of the Anointed: Self-congratulation as a basis for social policy.
Auch wenn wir es im Moment vielleicht nicht erkennen, sind wir alle ihm schon begegnet: dem unabhängigen Experten, den die Medien häufig in einem Fachgebiet um einen Kommentar bitten. Diese Experten sind darauf angewiesen, von Regierungsinsidern informiert zu werden. Sie übernehmen den Mantel des Experten, doch es wird nie deutlich gemacht, dass sie ihren Medienstatus fast vollständig ihrer Zugehörigkeit zu einer von der Regierung gesalbten Elite und ihrer Unterstützung der Ziele dieser Elite verdanken. Sind sie jedoch töricht genug, zu Kritikern zu werden, verlieren sie sofort ihre Salbung, und sie wissen das.
Das gilt für ehemalige Politiker ebenso wie für Medienkorrespondenten. Spielt etwa ein Korrespondent einer überregionalen Zeitung nicht mit, riskiert er, aus den Hintergrundgesprächen der Elite herausgenommen zu werden, während seine Kollegen bei anderen Blättern weiterhin eingeladen werden. „Dieser Journalist vom Daily Screech ist unzuverlässig. Wir nehmen ihn besser nicht in unsere vertraulichen Hintergrundgespräche auf.“ Die Androhung des Ausschlusses ist für die Elite der sicherste Weg, dafür zu sorgen, dass sich ihre Botschaft durchsetzt.
Optimisten gegen Pessimisten
Die Optimisten, für die das Glas halb voll ist, und die Pessimisten, für die es halb leer ist, verteilen sich nicht gleichmäßig auf zwei Seiten einer Streitfrage. In der Praxis sind das Establishment und diejenigen mit einer Position in der Gesellschaft gegenüber Veränderungen schützend und pessimistisch eingestellt, weil sie eine Bedrohung ihrer etablierten Stellung darstellen, während geschäftlich denkende Außenseiter tendenziell eine positivere Sicht haben.Psychologen sagen uns, dass wir als Menschen zwei Persönlichkeiten haben. Die eine Hälfte von uns bewahrt, was wir haben, und gibt uns ein Gefühl von Ort, Besitz und Zuhause. Die andere Hälfte ist ein Reisender auf der Suche nach neuen Horizonten, fremden Beziehungen und Handel. Die Journalistin und Aktivistin Jane Jacobs (aus New York City und später Toronto) erkannte und beschrieb diese beiden Muster moralischer Grundsätze als Wächter- und Handelssyndrom.[vii]
Laut Jacobs haben wir als Individuen, Gemeinschaften und sogar auf nationaler Ebene eine unterschiedliche Mischung dieser Eigenschaften. Die beiden Syndrome zeigen unterschiedliche Charaktere, weshalb manche von uns Abenteurer sind und andere Stubenhocker. Handelsbeziehungen sind nach außen gerichtet, und Ehrlichkeit im Geschäft wird belohnt, während Wächter schützend sind, Loyalität bevorzugen und das Establishment unterstützen. Händler meiden Gewalt und treffen freiwillige Vereinbarungen, während Wächter den Handel meiden und Stärke ausüben. Händler sind kooperativ, wettbewerbsorientiert und achten Verträge, während Wächter abgrenzend sind, Rache üben und Hierarchie achten. Händler sind offen für Erfindungsgeist und Neues, während Wächter Gehorsam und Disziplin erwarten. Und so weiter.
Die Tätigkeiten der Händler umfassen das Herstellen und Handeln, während die Wächter politische Führungskräfte, Verwaltungsbeamte, Erzieher und Hüter des Rechts sind. Die beiden Syndrome erklären treffend die unterschiedlichen Denkweisen und gesellschaftlichen Aufgaben des Privatsektors im Vergleich zu Regierungen.
Die Folgen der Klimapolitik
Ziel dieses Artikels ist es nicht, sich an der Klimadebatte zu beteiligen, sondern die Schwächen des Prozesses zu untersuchen. Realistisch betrachtet ist es zu spät, den eingeschlagenen Kurs infrage zu stellen, da er sich der Kontrolle jedes Einflussnehmers entzogen hat. Es ist allgemein bekannt, dass die Wissenschaft durch staatliche Finanzierung politisch beeinflusst wird. Weniger bekannt ist jedoch, dass die Aufbauschung des Klimawandels zu einerausgewachsenen Krise die Folge einer Massenpsychologie ist und nicht das Ergebnis einer Suche nach Tatsachen.Der politische Vorteil gesetzlicher Ziele für die Klimapolitik in den Jahren 2030 oder 2040 besteht darin, dass sie weit genug entfernt sind, sodass die heutigen Politiker das Problem ihren Nachfolgern aufgebürdet haben werden. Ohne kohlenstoffbasierte Brennstoffe und nachdem unzuverlässige Wind- und Solarenergie so stark subventioniert wurde, dass andere Energiequellen, insbesondere die Kernenergie, unwirtschaftlich geworden sind, drohen die Kosten der Klimapolitik die künftige Wirtschaftstätigkeit zu ruinieren. Damit gefährden sie die Steuerbasis und folglich die Ausgaben der Regierungen, die diese Politik leichtfertig vorangetrieben haben.
[i] https://order-order.com/2021/08/09/un-has-been-predicting-planetary-disaster-for-50-years/
[ii] Siehe Population Bombed! von Pierre Desrochers und Joanna Szurmak, veröffentlicht 2018 von der Global Warming Policy Foundation
[iii] Ceci und Williams (2018): Perspectives on Psychological Science: Who decides what is acceptable speech on Campus?
[iv] Kruger und Dunning (1999): Unskilled and unaware of it: how difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. Journal of Personality and Personal Psychology 77(6), S. 1121-1136.
[v] Philip Ball: The trouble with scientists: http://nautil.us/issue/24/error/the-trouble-with-scientists
[vi] JPA Ioannidis (2005): Why most published research findings are false: PLoS Med 2(8):e214 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1182327/pdf/pmed.0020124.pdf
[vii] Jane Jacobs (1992): Systems of Survival.
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