Und wie wir dorthin gelangt sind
In Finanz- und Währungskreisen wächst die Befürchtung, dass mit der Weltwirtschaft etwas grundlegend nicht stimmt. Öffentlich zeigen sich Amtsträger wie Praktiker gleichermaßen verwirrt über das Scheitern politischer Maßnahmen, privat mitunter sogar ausgesprochen pessimistisch, und sie wissen keine staatliche Lösung mehr. Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass sich zunehmend das Gefühl eines drohenden Unheils breitmacht.
Der Grund dafür ist, dass die heutigen Makroökonomen in dem einen Fach versagen, in dem sie sich als Experten ausgeben: der Volkswirtschaftslehre. Ihre politischen Empfehlungen sind das Gegenteil dessen geworden, was Logik und solide Wirtschaftstheorie als den wahren Weg zu wirtschaftlichem Fortschritt ausweisen. Fortschritt steht nicht einmal auf ihrer Zielliste, und er stellt sich zu unser aller Glück trotz ihrer Eingriffe ein. Die Anpassungsfähigkeit des Menschen in seinem Handeln hat den Fortschritt fortbestehen lassen, trotz aller Versuche, die Märkte, die Verrechnungsstellen der Arbeitsteilung, in Misskredit zu bringen.
Der unbegründete Glaube an die Magie ungedeckten Geldes ist am Altar der Erfahrung zerschellt. Makroökonomen stellen fest, dass das Scheitern der Geld- und Fiskalplanung zu einer politischen Sackgasse wird, die eine Hinterlassenschaft untragbarer Schulden erzeugt hat. Wer von uns eine sich zusammenbrauende Finanzkrise erkennt, stellt fest, dass die Regierungen nur die Statistiken gezähmt haben und nicht das, was sie abbilden.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Eingriffe der Zentralbanken die Märkte ab 1981 unumkehrbar zu verzerren begannen, als Paul Volcker die Zinsen anhob, um den Verfall der Kaufkraft des Dollars zu stoppen. Von diesem Zeitpunkt an veränderte sich der freie Marktzusammenhang zwischen dem Preisniveau und den Kreditkosten, was das Versagen des Gibson-Paradoxons belegt. Damals entrissen die Zentralbanken dem Markt die Kontrolle über die Preise. Dies wird weiter unten ausführlicher erläutert.
Die Irrtümer sind vielfältig. In diesem Artikel erkläre ich, wie und warum sie entstanden sind. Dieses Wissen ist der notwendige Hintergrund, um zu verstehen, wie sich die Finanz- und Wirtschaftskrise, die immer mehr von uns erwarten, voraussichtlich entwickeln wird und welche Maßnahmen wir als Einzelne zu unserem Schutz ergreifen müssen.
Märkte gegen Regierungen
Der Ausgangspunkt der heutigen Irrtümer ist der Glaube, Märkte versagten bisweilen und eine Geld- und/oder Fiskalpolitik könne die Märkte zu einem besseren Ergebnis lenken. Die moderne Ausprägung dieses Mythos begann mit JM Keynes, der Mitte der 1930er-Jahre meinte, genug Gründe zu haben, das Saysche Gesetz, das Gesetz der Märkte, zu Fall zu bringen. Die Wurzeln der heutigen Krise reichen also tief und liegen weit vor Volckers Zinserhöhung von 1981.
Das Saysche Gesetz besagt, dass wir produzieren, um zu konsumieren. Die Produktion ist daher eng an den Konsum gebunden, einschließlich des aufgeschobenen Konsums, besser bekannt als Sparen. Und wenn jemand konsumiert, ohne zu produzieren, muss ein anderer die Mittel dafür erwirtschaften. Das Tauschmittel, das aus der Produktion stammende Löhne und Gewinne in Konsum überführt, ist das Geld. Wir können daher widerspruchsfrei sagen, dass Geld die vorübergehende Speicherung des Gewinns aus der Produktion oder der Arbeit gewöhnlicher Menschen darstellt. Es ist ein eisernes Gesetz, und jeder Versuch, den Konsum anzukurbeln, handelt sich damit Ärger ein.
Der Staat kann der Privatwirtschaft keine Nettoanregung verschaffen, denn alles muss auf die eine oder andere Weise bezahlt werden. Der Einfachheit halber lassen wir grenzüberschreitende staatliche Zuwendungen wie Auslandshilfe außer Acht. Zahlt ein Staat einer Gruppe von Personen Leistungen, leiht er sich das Geld entweder von jemand anderem oder er schafft es aus dem Nichts. Im letzteren Fall werden die Leistungen durch die Entwertung des vorhandenen Geldbestands gedeckt, was einer versteckten Steuer auf das Geld aller anderen gleichkommt. Anderes zu behaupten, wie es die Leugner des Sayschen Gesetzes tun, ist ein Trugschluss, der auf der Vorstellung eines finanziellen Perpetuum mobile beruht.
Keynes’ Motivation speiste sich teils aus seinem Glauben an die redlichen Absichten demokratischer Regierungen und, wie sich aus seinen Schriften herauslesen lässt, aus seiner emotionalen Abneigung gegen Sparer, die wucherischen Rentiers, die Zinsen einstreichen, ohne sich durch ehrliche Arbeit die Hände schmutzig zu machen. In seiner „General Theory“, dem ersten bedeutenden Werk, nachdem Keynes sich sicher war, das Saysche Gesetz ins Vergessen befördert zu haben, äußerte er die Hoffnung auf eine allmähliche Euthanasie des Rentiers und darauf, dass das Kapital durch gemeinschaftliches Sparen über den Staat so vermehrt würde, dass es nicht mehr knapp wäre. Der Begriff „Rentier“ ist im Englischen selbst abwertend und legt wucherisches Verleihen nahe. Keynes hoffte, Unternehmer, „die ihr Handwerk gewiss so sehr lieben, dass ihre Arbeit weit billiger zu haben wäre als derzeit“, würden gegen angemessene Entlohnung in den Dienst der Gemeinschaft gestellt.
Seine „General Theory“ ist der Beweis dafür, dass Keynes Märkte verachtete und Preise nicht verstand (siehe Kapitel 21). Mit seiner Unkenntnis dieses grundlegendsten Elements der Volkswirtschaftslehre und all den übrigen Halbwahrheiten, die daraus folgen, offenbart sich der wahre Zweck dieser Propaganda: die Rechtfertigung staatlicher Eingriffe und das Ende freier Märkte. Es ist ein durch und durch schlechtes Buch, und doch ist es heute das Fundament der Mainstream-Ökonomie geworden, selbst für jene, die bestreiten, Keynesianer zu sein.
Auf dieser unsoliden Grundlage wurde Schicht um Schicht weiterer Unwahrheiten errichtet. Entwirft ein Ökonom eine Handlungsempfehlung auf Basis dieser Märchen, weiß der redliche Kritiker nicht, wo er ansetzen soll, weil die Kette von Irrtümern, die zum Urteil des Ökonomen geführt hat, so lang und verschlungen geworden ist. Nur wenige sind bereit, sich eine ausführliche Kritik dazu anzuhören. Für Laien wie Politiker ist es daher weit einfacher anzunehmen, ein Absolvent von Oxford und Harvard werde schon wissen, wovon er spricht.
Das ist sowohl der Weg des geringsten Widerstands als auch eine Ausflucht. Die Sprache der modernen Volkswirtschaftslehre nimmt uns so vollständig ein, dass wir oft nicht merken, wie wir die Fehler selbst fortführen. Es ist an der Zeit, dass jene, die den Ernst dieser sich aufsummierenden Irrtümer verstehen wollen, einen Schlussstrich ziehen und sich ihnen stellen, denn andernfalls kann es für alle, die Vermögen zu schützen haben, sehr teuer werden.
Die Wurzel des Problems liegt in einem Missverständnis über das Wesen der Volkswirtschaftslehre selbst und in der Anwendung moderner Analysemethoden.
Der analytische Fehler
Der Missbrauch statistischer Informationen ist ein großes Übel, das im Lauf der Jahre immer verbreiteter geworden ist und mit der Entwicklung der Computer einen gewaltigen Sprung in seiner zerstörerischen Wirkung gemacht hat. Computer sind ein wunderbares Hilfsmittel, doch sie haben begonnen, fundiert hergeleitete Theorie zu ersetzen, indem sie ungeeigneten Statistiken und deren vermeintlichen mathematischen Zusammenhängen mehr Gewicht verleihen.
Mathematik eignet sich für die Naturwissenschaften, ist aber für Sozialwissenschaften wie die Volkswirtschaftslehre gänzlich ungeeignet. Mathematik hat im Geschäftsleben eine wichtige Funktion: Die Buchführung ist unverzichtbar, um den Fortschritt eines Unternehmens zu messen. Etwas ganz anderes ist es jedoch, die dem künftigen menschlichen Handeln innewohnenden Unsicherheiten mit mathematischen Mitteln beseitigen zu wollen. Ein Geschäftsmann, der nicht zwischen Mathematik als Buchhaltungsinstrument und ihrem fehlenden Vorhersagewert unterscheidet, wird nicht lange im Geschäft bleiben. Dennoch scheint es keine Grenze für den Einsatz der Mathematik in der ungewisseren Welt einer Volkswirtschaft zu geben.
Die Fehler sind subtil, aber mindestens dreifacher Art.
Selbst wenn die Erfassung der Wirtschaftstätigkeit zu einem vergangenen Zeitpunkt vollständig und korrekt ist (was nie der Fall sein kann), kann sie danach nicht mehr gültig sein, weil sich die Wirtschaftstätigkeit ständig weiterentwickelt. Keine Volkswirtschaft läuft statisch und unverändert weiter. Die von Ökonometrikern gesammelten Informationen sind danach nicht nur unzutreffend, sondern verleiten staatliche Planer zu der Annahme, sie hätten die Belege, um die Wirtschaftstätigkeit zu steuern. Fehlgebrauchte Aggregate wie das Bruttoinlandsprodukt sind lediglich Buchungsidentitäten und nicht der Maßstab für Fortschritt, für den so viele sie halten.
Statistiken werden fortlaufend angepasst, um die Geld- und Fiskalpolitik im bestmöglichen Licht erscheinen zu lassen. Zahlen zur Preisinflation und zur Arbeitslosigkeit haben sich so weit entwickelt, dass sie die Wirklichkeit nicht mehr widerspiegeln, und dennoch behalten sie Glaubwürdigkeit, weil sie von einer Regierungsbehörde veröffentlicht werden. Das Ergebnis ist, dass die Statistiken selbst gezähmt wurden, nicht das, was sie abbilden.
Bedeutungslose Durchschnittswerte werden routinemäßig als Beleg für staatliche Eingriffe und Planung herangezogen. So haben der „Warenkorb“ des Verbraucherpreisindex und ein „Durchschnittslohn“ keinen Bezug zur Wirklichkeit und verschleiern, dass Wirtschaftsakteure Einzelpersonen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen sind. Durchschnittswerte sollten nicht als Analyseinstrumente dienen, auf die sich Geld- und Fiskalpolitik stützt.
Es war George Canning, der vor fast zwei Jahrhunderten sagte, mit Statistiken lasse sich alles beweisen, nur nicht die Wahrheit. Der Reiz der Statistik für den schwerfälligen Analysten liegt darin, dass sie ihm eigenständiges Denken erspart. Er oder sie sieht dann nie die Notwendigkeit, die zugrunde liegenden Beweggründe der Wirtschaftsakteure zu bedenken.
Ein gutes Beispiel für diesen Fehler liefert der 1988 im Journal of Political Economy veröffentlichte Versuch von Barsky und Summers, das Gibson-Paradoxon zu erklären. Das Gibson-Paradoxon ist die beobachtete Korrelation zwischen dem Preisniveau und den Großhandelskreditkosten sowie das Fehlen einer Korrelation zwischen den Kreditkosten und der Inflationsrate. Der Zusammenhang endete in Großbritannien, wo er statistisch ab 1730 beobachtet wurde, in den späten Siebzigerjahren. Barsky und Summers nahmen fälschlich an, es handle sich um ein Phänomen des Goldstandards, und gelangten dann mit einem selbst entwickelten mathematischen Modell zu einem Teilergebnis, das nach ihrem eigenen Eingeständnis weiterer Forschung bedurfte. Mit anderen Worten: Ihre Methode führte sie in eine Sackgasse.
Fairerweise sei gesagt, dass Barsky und Summers nicht die einzigen hochkarätigen Ökonomen sind, die das Gibson-Paradoxon nicht erklären konnten. Es wurde von Keynes nach einem früheren Ökonomen benannt, und auch er konnte es nicht auflösen. Die Belege waren klar und einfach, doch da das Paradoxon ungelöst blieb, tat Keynes es samt seinen wichtigen Implikationen kurzerhand ab. Auch Milton Friedman scheiterte.
Indem ich mich in die Lage eines unternehmerischen Geschäftsmanns versetzte, der seine Produktion finanzieren will, fand ich, dass sich das Paradoxon leicht auflösen und erklären lässt. Die Kalkulation des Geschäftsmanns besteht aus der Differenz zwischen seinen Produktionskosten und dem Verkaufspreis seines Produkts. Was weiß er über den voraussichtlichen Verkaufspreis? Er weiß, zu welchem Preis ähnliche Artikel im aktuellen Markt verkauft werden, und genau das bestimmt die Höhe des Zinses, den er zur Finanzierung seiner Produktion zu zahlen bereit ist. Deshalb korrelierten die Zinsen in den zweihundert Jahren der ursprünglichen Studie von Alfred Gibson mit dem Preisniveau und nicht mit der Inflationsrate.
Leider läuft dies den lieb gewonnenen Überzeugungen der Geldökonomen zuwider, die an die Steuerung der Wirtschaftstätigkeit durch Zinssteuerung und die Ausweitung der Geldmenge und der Bankkredite glauben. Damit Geldpolitik wirksam ist, muss es eine positive Korrelation zwischen Preisinflation und Zinsen geben, die, wie das Gibson-Paradoxon zeigte, nicht besteht. Ich vermute zudem, dass Keynes von seinem Naturell her nicht geneigt war, die Lösung des Gibson-Paradoxons zu verstehen, weil er an der Überzeugung hing, es seien müßige Rentiers, die wucherische Zinsen verlangen und festsetzen, nicht der Kreditnehmer mit seiner Renditekalkulation.
Deshalb ist es entscheidend, die Beweggründe der Wirtschaftsakteure zu verstehen und sich nicht hinter der sterilen Welt der Elfenbeinturm-Mathematik zu verstecken. Wir haben uns jedoch so an statistische Modelle gewöhnt, dass sogar manche Anhänger des Sayschen Gesetzes davon unterwandert werden. Die Verwechslung von Buchungsidentitäten wie dem BIP mit dem unbestimmten Begriff des Wirtschaftswachstums ist ein Beispiel dafür. Und oft lesen wir die Schriften von Ökonomen, die zweifelhafte Statistiken nehmen und als Grundlage für eine Gleichung zwischen ungleichartigen Elementen verwenden, um einen Zusammenhang herzustellen, der tatsächlich nicht existiert. Man kann nicht sagen, Äpfel seien Birnen, aber man kann sagen, sie seien verschieden. Man kann „Äpfel gleich Birnen“ in eine Gleichung verwandeln, wenn man einen Faktor einführt, der stets die Differenz zwischen beiden darstellt. Unsinn natürlich, aber genau das tun Ökonomen routinemäßig.
Ein Paradebeispiel ist der Trugschluss der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Die Annahme lautet, dass eine Änderung der Geldmenge das Preisniveau verändert. Also ∆m~∆p. Doch stellte sich, sehr zum Missfallen der Monetaristen von David Ricardo an, heraus, dass die Preise p unabhängig von der Geldmenge m schwankten, insbesondere in Zeiträumen, die kürzer sind als eine unbestimmte lange Frist. Deshalb wurde die Gleichung um eine weitere Variable ergänzt, die, um ihr Bedeutung zu verleihen, Umlaufgeschwindigkeit genannt wurde, und sie wurde zur Grundlage von Irving Fishers Verkehrsgleichung,
M*V=P*Q
wobei M die gesamte umlaufende Geldmenge ist, V ihre Umlaufgeschwindigkeit, P das Preisniveau und Q ein Index der Endausgaben. So dargestellt, lassen wir uns zu dem Glauben verleiten, die Vorstellung von Geld, das in der Wirtschaft im Kreis läuft, habe eine Bedeutung. Das hat sie nicht. Sie hat nicht mehr Bedeutung als das Einfügen einer Variablen, um eine Gleichung zwischen Äpfeln und Birnen auszugleichen.
Kein einziges Mal hält der Geldökonom inne und bedenkt, dass alles, was ein Einzelner aus seiner Produktion erzielt, abgesehen von einer notwendigen Kassenhaltung, konsumiert wird, entweder heute oder irgendwann in der Zukunft. Entscheidend ist nicht die Höhe des Kassenbestands eines Einzelnen, sondern der Gewinn aus seiner Arbeit. Das ist der Zusammenhang des Sayschen Gesetzes, den der Monetarist leugnet.
Die Unkenntnis in akademischen Kreisen über die Preistheorie, die schließlich das Fundament der Volkswirtschaftslehre ist, ist erstaunlich. Es ist, als hätte es Carl Menger, der die vollständige Subjektivität der Preise bereits in den 1870er-Jahren überzeugend nachwies, nie gegeben. Und das, obwohl für uns alle der Tausch der Früchte unserer Arbeit in Form von Geld gegen die Dinge, die wir jeweils haben wollen, unsere wichtigste tägliche Tätigkeit ist.
Wir übersehen auch, dass es in jedem Preis zwei Variablen gibt: Veränderungen, die von den getauschten Waren oder Dienstleistungen ausgehen, und solche, die vom Geld selbst ausgehen. Veränderungen, die von Waren und Dienstleistungen ausgehen, kennen wir alle. Doch nur wenige von uns wissen, dass Veränderungen auch von der Geldseite ausgehen können. Dafür gibt es einen Grund. Die Rolle des Geldes, traditionell des soliden Geldes, besteht darin, als selbstverständlich hingenommen zu werden. Es erlaubt uns, unterschiedliche Produkte zu bewerten und unsere eigene Produktion zu verbuchen. Es fungiert als objektiver Tauschwert in einer Transaktion. Die Kaufkraft des Geldes ist jedoch nie konstant und schwankt fortwährend, umso stärker, wenn das Geld ungedeckt ist. Die Standardannahme, dass alle Preisbewegungen von den gekauften und verkauften Waren und Dienstleistungen ausgehen, ist daher falsch.
In früheren Zeiten soliden Geldes, als Gold frei gegen Papierwährung eintauschbar war, waren die von der Währungsseite ausgehenden Preisbewegungen selbst über längere Zeiträume recht gering. Im heutigen Paradigma der Entwertung von Fiat-Geld kann die Bewegung jedoch beträchtlich sein. Man stelle sich eine Situation vor, in der die persönliche Präferenz, Währung a zu halten, gegen null geht. Der Preis eines Guts, der sich, gemessen in einer stabilen Währung b, nicht bewegt, verschiebt sich dann so, dass der in Währung a gemessene Preis gegen unendlich tendiert. Wir erkennen dieses Phänomen, wenn wir über den Simbabwe-Dollar oder den venezolanischen Bolívar sprechen, doch unser Verstand weigert sich einzugestehen, dass dieselbe Dynamik auch beim Dollar und den anderen Hauptwährungen der fortgeschrittenen westlichen Länder wirkt.
Veränderte Werte einer Währung fallen im Alltag vielleicht kaum auf, stören aber Jahresvergleiche, weil die Kaufkraft der Währung im Vorjahr von der des laufenden Jahres abweicht. Auch das Recht kennt keine Schwankung der Kaufkraft einer Fiat-Währung, eine Tatsache, die sich die Zentralbanken voll zunutze machen.
Zentralbanken drucken Geld und ermächtigen die Banken, Kredite in die Existenz zu verleihen. Indem sie das Saysche Gesetz ignorieren, glauben sie, die Nachfrage durch billigere und ausgeweitete Kredite anregen zu können. Eine Zeit lang täuscht dieser Trick die Menschen, doch wird er oft genug wiederholt, verlieren sie das Vertrauen in die Währung und ändern ihre Präferenzen gegen das Halten der Währung, sodass ihre Kaufkraft sinkt.
Die Geschwindigkeit, mit der die Kaufkraft einer inflationierten Währung sinkt, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt, je nachdem, wo die Ausweitung ansetzt. Seit der Finanzkrise 2007/08 ist offensichtlich, dass der Großteil der Geldinflation auf die Preise von Finanzanlagen entfallen ist und die Preise von Anleihen und anderen Wertpapieren entsprechend gestiegen sind. Die Preise gewöhnlicher Waren und Dienstleistungen sind deutlich weniger gestiegen, wobei sich darüber streiten lässt, um wie viel. Der amtlich gezähmte Verbraucherpreisindex weist in den vergangenen Jahren durchweg eine Preisinflation aus, die deutlich unter dem Ziel der Fed liegt, während unabhängige Berechnungen wie der Chapwood Index eine Preisinflation von rund 9 % ausweisen. Aus den oben genannten Gründen dürfen wir keinen dieser Durchschnittswerte zu ernst nehmen, außer um festzuhalten, dass die Preissteigerungen in der Alltagswirtschaft („Main Street“) offenbar erheblich höher sind, als uns die staatlich geförderten Ökonometriker sagen.
Die monetäre Verbindung zwischen den Preisen und der Geldmenge ist bestenfalls schwach und berücksichtigt keine intertemporalen Faktoren, etwa wo die Geldausweitung zunächst ansetzt. Es gibt kaum Bemühungen, die Auswirkungen veränderter Präferenzen für Geld gegenüber Waren zu verstehen. Es ist leicht zu erkennen, warum nicht nur die Belege, sondern auch solides ökonomisches Denken uns warnen, dass moderne Makroökonomen in ihrem Wunsch, das Gesetz der Märkte abzuschaffen, uns an den Rand des finanziellen Ruins geführt haben. Überraschend ist, dass Volkswirtschaften diese beharrliche Einmischung auf Grundlage ungeeigneter Informationen so lange überstanden haben, doch das erklärt sich durch die außergewöhnliche Fähigkeit menschlichen Handelns, sich staatlichen Eingriffen anzupassen und auf sie einzustellen.
Die Folgen
Das Endspiel zeichnet sich nun ab. Die Zentralbanken haben ihren Griff um die Märkte schrittweise verstärkt, seit Paul Volcker 1981 durch drastische Zinserhöhungen die Kontrolle über die Märkte übernahm. Etwa zu dieser Zeit versagte das Gibson-Paradoxon. Das Ergebnis ist, dass schuldengetriebene Aktivität, gefördert durch sinkende Nominalzinsen, die marktgetriebene Aktivität ersetzte, die das Gibson-Paradoxon in den vorangegangenen 250 Jahren gezeigt hatte.
Übermäßiger Verschuldung sind Grenzen gesetzt, und Finanzanalysten werden bald feststellen, dass die alte Weisheit, Märkte setzen sich am Ende immer durch, nach wie vor gilt. Das größte Marktrisiko sind überbewertete Staatsanleihen, von denen sich alle anderen Bewertungen von Finanzanlagen ableiten. Ein ausreichend starker Anstieg der Renditen von Staatsanleihen dürfte daher eine systemische Krise im Bankensystem auslösen, das als Kreditsicherheiten auf diese Vermögenswerte angewiesen ist. Am anfälligsten sind die Banken in der Eurozone, wo die Anleihemärkte am stärksten überbewertet und die Banken am höchsten verschuldet sind.
Steigen die Renditen von Staatsanleihen über ein bislang unbekanntes Niveau, müssen die Zentralbanken eine Entscheidung treffen. Sind sie bereit, das gesamte Finanzsystem auf Kosten ihrer Währungen zu stützen, oder bewahren sie die Währung? Die Wahl ist inzwischen so binär geworden, und jedes Ausweichen davor dürfte das Überleben des globalen Finanzsystems kaum verlängern.
Wenn die Lage so heikel geworden ist, kann alles als Auslöser dienen: die Schuldenverhandlungen Griechenlands, Insolvenzen italienischer Banken, Probleme am physischen Goldmarkt oder auch nur eine schlechte Statistik irgendwo. Der Brexit würde den europäischen Zusammenhalt mit potenziell destabilisierenden Folgen zweifellos untergraben, weshalb wohl alle Honoratioren die britischen Wähler eindringlich bitten, für den Verbleib zu stimmen. Bisher haben die Zentralbanken all diese Probleme erfolgreich aufgeschoben, sodass es wahrscheinlich etwas anderes braucht, um das Endspiel auszulösen.
Ein wahrscheinlicher Übeltäter ist die sich aufsummierende Wirkung der Geldentwertung auf die Finanzen gewöhnlicher Menschen. Geldinflation überträgt Vermögen von Sparern auf Schuldner, die es dann in der Regel ineffizient investieren. Auch Staatsausgaben, die durch hohe Steuern finanziert werden, vernichten privates Vermögen. Geldinflation verringert zudem die Kaufkraft der Löhne gewöhnlicher Menschen, was deren Konsummöglichkeiten einschränkt. Den Regierungen fortgeschrittener Nationen geht schlicht das Vermögen ihrer Bürger aus.
Die Vermögensübertragung durch Geldinflation ist die unverbuchte Last, die der gewöhnliche Mensch trägt. Es besteht kaum Zweifel, dass sie sich auf die BIP-Zahl ausgewirkt hat, die bislang in der Mehrzahl der fortgeschrittenen Länder ein enttäuschendes Wachstum zeigt. Sie hat sich jedoch gut genug gehalten, um mathematisch denkende Ökonomen glauben zu machen, es gebe keine Krise, sondern nur enttäuschendes Wachstum. Es sei wiederholt: Das BIP ist lediglich eine Buchungsidentität, die durch Geldinflation erhöht wird. Ein Ausgleich durch einen Preisdeflator hinkt der Statistik tendenziell hinterher und wird angesichts des staatlichen Wunsches, die ausgewiesene Inflation zu drücken, unzureichend berechnet. Wenn man tatsächlich akzeptiert, dass die Preisinflation weit höher ist, als die amtlichen Messgrößen anzeigen, schrumpfen die bereinigten BIP-Schätzungen in realen Größen in den meisten fortgeschrittenen Ländern seit der Finanzkrise.
Die Lage in Japan und in der Eurozone ist schlimmer als in den USA, und die Vernichtung privaten Vermögens ist dort aggressiver verlaufen. Das Paradoxe ist, dass Yen und Euro vorübergehend stark sind, was aber wohl nicht anhalten wird. Der Grund für die Stärke von Yen und Euro ist, dass die Liquidität im Schattenbankensystem durch Käufe von Staatsanleihen durch die Zentralbanken verknappt wird, was zu einer höheren Bargeldnachfrage führt, da in diesen Währungen finanzierte Positionen aufgelöst werden.
Die Hinterlassenschaft der Geld- und Kreditausweitung seit der Finanzkrise hat tatsächlich zu einer insgesamt stärkeren Präferenz geführt, Geld zu halten statt Waren zu kaufen. Das spiegelt sich im Anstieg der Bankeinlagen und Girokonten wider, dem Gegenstück zur Ausweitung der Bankkredite. Allein in den USA sind die Bankeinlagen und Girokonten von 2,33 Billionen US-Dollar im Juli 2008, kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman, auf heute 10,17 Billionen US-Dollar gestiegen, ein Zuwachs von 336 %, verglichen mit einem Zuwachs des amtlichen BIP von nur 22 % im gesamten Zeitraum.
Die Ansammlung dieses Geldes liegt in unbeständigen Händen, da es größtenteils finanzieller Natur ist. Es ist das, was man früher „heißes Geld“ nannte. Nachdem die Zentralbanken diese Summen heißen Geldes aufgebläht haben, versuchen sie, sie als Bankeinlagen einzufangen, damit es insgesamt keinen Ausweg aus Null- und Negativzinsen gibt, und auch in der Hoffnung, dass die Finanzstabilität bei der Umsetzung weiterer „außerordentlicher Maßnahmen“ gewahrt bleibt.
Das wirft eine Frage auf, die offenbar niemand ernsthaft bedacht hat: Was geschieht, wenn Bankeinleger aufhören, ihre Präferenz für Geld gegenüber Waren oder Vermögenswerten weiter zu steigern, und sie stattdessen zu verringern beginnen? Das einzig mögliche Ergebnis ist ein unerwartet scharfer Anstieg der Preise für jene Waren und Vermögenswerte, gegen die das Geld getauscht wird, weil die Verkäufer von Währung die Käufer bei Weitem überwiegen werden. In der Vergangenheit gab es für Anleger aus diesem Problem stets einen Ausweg, etwa den Tausch argentinischer Pesos in Dollar. Diesmal ist es der Dollar selbst, an den alle anderen Hauptwährungen gebunden sind.
Es führt bereits zu einer finanziellen Hinwendung zu Rohstoffen, die im vergangenen Dezember begann. Einige wichtige Rohstoffe, allen voran Öl, sind dadurch erheblich im Preis gestiegen. Verkäufer von Dollar waren bisher ausländische Regierungen, insbesondere die chinesische, und spekulative Händler. Doch die Bedingungen, die die relativen Präferenzen gegen Währungen treiben, dürften sich voraussichtlich beschleunigen. Die Kerninflation in Amerika liegt bereits über dem Ziel der Fed und wird fast sicher weiter steigen. Sofern die Fed also nicht bald und deutlich den Leitzins anhebt, wird sich der Kaufkraftverlust des Dollars mit hoher Wahrscheinlichkeit beschleunigen. Die binäre Wahl, das System oder die Währung zu retten, rückt näher.
Leider haben sowohl der Schaden, den frühere geldpolitische Maßnahmen am Vermögen der breiten Masse angerichtet haben, als auch die Förderung der Anhäufung unproduktiver Schulden im privaten wie im öffentlichen Sektor zusammen den Handlungsspielraum der Zentralbanken beseitigt. Ein Trend steigender Zinsen, wie moderat auch immer, wird die überbewerteten Anleihemärkte untergraben und damit eine neue Welle der Schuldenliquidation durch schwächere Kreditnehmer auslösen. Diesen finanziellen Belastungen sind die Banken der Eurozone besonders schlecht gewachsen. Sie sind so schwach kapitalisiert und so stark in unverschämt teuren Staatsanleihen der Eurozone engagiert, dass sie unbestreitbar bereits jetzt, auch ohne Zinsanstieg, ein alarmierendes systemisches Risiko darstellen.
Der Unterschied zwischen der heute drohenden Finanzkrise und der letzten besteht darin, dass die letzte die breite Öffentlichkeit von der Unsicherheit finanzieller Verpflichtungen weg und hin zu einer Präferenz für monetäre Liquidität trieb. Diesmal werden Geringverdiener und Kleinsparer zumindest anfangs wahrscheinlich ähnlich reagieren. Doch vermögendere Sparer und Spekulanten dominieren das System inzwischen. Sie haben seit 2008 Einlagen und Girokontoguthaben angehäuft und sind dem Kontrahentenrisiko der Banken ausgesetzt, was sie schnell begreifen werden, wenn die Dinge ins Rutschen geraten. Fiat-Währung im Bankensystem ist daher der eine Vermögenswert, den Unternehmen, Anleger und Reiche in den kommenden Monaten am ehesten abstoßen wollen. Ihre Präferenzen werden sich nicht nur gegen den Dollar richten, sondern gegen alle anderen Währungen ebenso.
Kurz gesagt: Zunehmende Anzeichen für Preisinflation und stagnierende Produktion dürften das Risiko eines globalen Banken- und Währungszusammenbruchs spürbar erhöhen. Der beste Ausweg ist der Besitz von allem außer rein finanziellen Vermögenswerten und Einlagen in Fiat-Währung. Kein Wunder, dass der Goldpreis, Gold ist das solideste aller Geldmittel, in eine neue Hausse eingetreten zu sein scheint.
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