Das Ende des Fiatgeldes rückt in Sicht …

So tragisch die Lage in der Ukraine auch geworden ist: Der eigentliche Krieg, der vor einiger Zeit als Finanzkrieg begann, ist inzwischen sowohl ein Finanzkrieg als auch ein Krieg um Rohstoffe. Putin hat mit dem Einmarsch in die Ukraine einen gewaltigen Fehler begangen, doch die Reaktion des Westens, Russland und seine Rohstoffexporte vom globalen Markt zu isolieren, ist ein noch größerer.

Da die Ukraine zudem die Kornkammer Europas und ein bedeutender Exporteur von Düngemitteln ist, wird der kommende Sommer akute Nahrungsmittelknappheit mit sich bringen, die dadurch verschärft wird, dass China den Großteil des weltweiten Getreides für seine eigene Bevölkerung bereits angehäuft hat. Die an den Verbraucherpreisen gemessene Inflation hat gerade erst begonnen, sich zu beschleunigen.

Weil sie den Verlust der Kaufkraft von Währungen einpreisen, sind steigende Zinsen und einbrechende Anleihekurse nun unvermeidlich. Da das globale Bankensystem mit Anleihen und Finanzvermögen als Sicherheiten überladen ist, sind die Folgen für dieses so gravierend, dass sich kaum vorstellen lässt, wie es überleben soll. Und wenn das Bankensystem vor dem Zusammenbruch steht, werden auch die Fiatwährungen scheitern, da sie durch nichts gedeckt sind außer durch das rasch schwindende Vertrauen in sie.

Unvorhergesehene finanzielle und wirtschaftliche Folgen

In den 1960er-Jahren erklärte Harold Wilson, damals ein angeschlagener britischer Premierminister, eine Woche sei in der Politik eine lange Zeit. Heute lässt sich ebenso sagen, dass sie eine lange Zeit ist an den Rohstoffmärkten, an den Aktienmärkten, in der Geopolitik und in nahezu allem anderen, woran wir denken mögen. Das Tempo des Wandels lässt sich vielleicht nicht in nur sieben Kalendertagen erfassen, doch in den vergangenen Wochen haben wir das erste Anstechen der Blase der Fiat-Währungen und all dessen erlebt, was mit ihr schwimmt.

Dies erweist sich als ein extremes Finanzereignis. Den Hintergrund bildet die Auflösung ökonomischer Verzerrungen. Durch eine Kombination aus Währungs- und Kreditausweitung sowie Marktunterdrückung war der Abstand zwischen staatlich gelenkter Preisbildung und Marktrealität nie größer. Null- und Negativzinsen, tief negative reale Anleiherenditen und eine bewusste Politik der künstlichen Vermögensschaffung, bei der in den vergangenen Jahren eine Blase bei den Finanzanlagen gefördert wurde, um von einer sich vertiefenden Wirtschaftskrise abzulenken, haben allesamt zur Kluft zwischen optimistischen Erwartungen und der Marktrealität beigetragen.

Heute glaubt kaum jemand, dass unsere ach so gesegneten Zentralbanken und ihre Regierungen scheitern oder gar die Kontrolle über die Märkte verlieren könnten. Und wer wie ein Keynesianer geht und wie ein Keynesianer spricht, der ist ein Keynesianer. Das sind heute alle – selbst der Gang der mathematischen Monetaristen ist in ihrer Unterstützung des Inflationismus von dem der Keynesianer nicht zu unterscheiden. Und Keynesianer glauben an die staatliche Theorie von allem, verachten die Märkte und fürchten nun deren Realität.

Diese Woche wachsen die Bedenken, dass die von den USA angeführten Bemühungen, Putin einen kräftigen Tritt zu verpassen, Folgen mit sich bringen. Lassen wir einmal beiseite, welche Zerstörung das ukrainische Volk erleidet, während die beiden großen Militärmächte einen weiteren Stellvertreterkrieg führen. Dieser findet in der Kornkammer Europas statt und hat die Weizenpreise in diesem Jahr bisher um über 50 % steigen lassen. Nachdem seit Saddam Husseins Einmarsch in Kuwait 1990 nacheinander arabische Staaten verwüstet wurden, droht den Menschen, die die von den USA angeführten Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika überlebt haben und nicht als Flüchtlinge ausgewandert sind, nun der Hunger.

Angetrieben von der Ausweitung von Währung und Kredit steigen nicht nur die Weizenpreise stark. Auch andere Nahrungsmittel verteuern sich. Aus verschiedenen Quellen erfahren wir zudem, dass die Chinesen vorausschauend genug waren, enorme Mengen an Getreide und anderen Nahrungsmitteln zu horten, um ihre Bürger vor einer Nahrungsmittelkrise im Sommer zu schützen. Zwanzig Prozent der Weltbevölkerung haben sich mehr als die Hälfte des weltweiten Mais und anderer Getreidesorten gesichert (Nikkei Asia, 23. Dezember – siehe Abbildung 1). Und das war zwei Monate, bevor Putin den Einmarsch in die Ukraine befahl, der die Lage bei der globalen Nahrungsmittelversorgung noch verschlechtert hat. Chinas dominierende Stellung bei Mais wird insbesondere Subsahara-Afrika hart treffen, während globale Reisknappheit die Länder Süd- und Ostasiens treffen wird.

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Jetzt fehlen uns nur noch Ernteausfälle. Apropos: Düngemittelknappheit, verschärft durch den Ukraine-Krieg und hohe Gaspreise, wird sich zwangsläufig nachteilig auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion der diesjährigen Ernte auswirken. Und Glückwunsch an unsere gewählten Führungspersönlichkeiten zu den Sanktionen gegen russische Düngemittelexporte, die zusammen mit Chinas Bevorratung dafür sorgen werden, dass unsere Armen und die Armen überall 2022 mit stark steigenden Lebensmittelpreisen und sogar mit Hunger konfrontiert sind.

Dennoch scheinen sich nur wenige dieser sich entwickelnden Krise bewusst zu sein. Die Ukraine ist zwar ein offensichtlicher Faktor für steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise, doch die eigentliche Ursache war und bleibt die Geldpolitik, die die führenden Währungen bestimmt. Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass Währungsentwertung zu einer Nahrungsmittelkrise und zu sozialen Unruhen führte: das Preisedikt Kaiser Diokletians im Jahr 301 n. Chr.; die Münzverschlechterung, die 1124 n. Chr. zur Zeit Heinrichs I. von England zu stark steigenden Nahrungsmittelpreisen führte; der Zusammenbruch von John Laws Livre im Frankreich des Jahres 1720, um nur einige zu nennen.

Vom Dollar als Reservewährung über Euro, Yen und Pfund bis zu allen übrigen: In der Welt, die man einst die zivilisierte nannte, wurden sie alle entwertet. Sowohl das Verständnis von Geld als auch die empirische Evidenz deuten auf eine daraus folgende Nahrungsmittelkrise in diesem Sommer hin.

Wie werden wir die höheren Preise bezahlen? Nun, niemand muss verzichten, denn es wird ein keynesianisch verordneter Abschwung sein. Und die Behörden werden sich darum kümmern. Ihre Zentralbank wird einfach mehr Währung ausgeben, und vielleicht erhalten Sie sogar etwas per Helikopter zugeworfen. Preiskontrollen werden sich für unsere Führungen als unwiderstehlich erweisen, und so, wie Diokletian Fleischer und Bäcker, die ihre Preise erhöhten, bei Todesstrafe belangte, werden die heutigen Anbieter lebensnotwendiger Güter des Preiswuchers bezichtigt und entsprechend besteuert.

Und wie stellen wir sicher, dass unser Lebensstil nicht untergraben wird? Wir können uns mehr Geld leihen, um Autos und Urlaube zu bezahlen. Und wie stellen wir sicher, dass wir unser Vermögen bewahren? Ihre Zentralbank wird die Zinsen niedrig halten, damit die Aktienmärkte weiter sprudeln.

Im Kern ist es ein Trick, der uns allen gespielt wird, indem Fiat-Währung als traditionelles Geld ausgegeben wird. Das Risiko besteht darin, dass die Anleger und dann die breite Bevölkerung es durchschauen. Zuerst platzt die Blase bei den Finanzanlagen, und dann werden wir uns nicht mehr ernähren können. Wer die Gefahr vage erkennt, indem er bekannte Faktoren fortschreibt, hält den Niedergang für einen schleichenden Prozess. Der Fehler, den sie dabei begehen, liegt im menschlichen Element, das zu unvorhergesehenen Folgen in Form einer plötzlichen Finanz- und Wirtschaftskrise führt.

Dieser Artikel handelt von den bevorstehenden Finanz- und Bankenkrisen, die uns, wie wir nun sagen können, wahrscheinlich eher früher als später überwältigen werden. Wir beginnen mit einer Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Zustands des Rohstoff-, Finanz- und Wirtschaftskriegs. Dieser tobt bereits jetzt und wird die gegenwärtige Weltordnung mit großer Wahrscheinlichkeit destabilisieren. Und die Folgen für die Zinsen werden erfordern, dass das gesamte globale Finanzsystem neu kapitalisiert wird, beginnend mit den Zentralbanken.

Die sich entwickelnde Rohstoff- und Finanzkrise

Hätte Putin an seinem ursprünglichen Ziel festgehalten, einen Keil zwischen Europa und Amerika zu treiben, hätte er die Erdgaspreise in Westeuropa in die Höhe treiben können, ohne weitere wirtschaftliche Waffen einzusetzen. Die Ereignisse haben es anders gefügt. Und nun hat Amerika im Angriffsmodus seine europäischen NATO-Partner geeint, um die Energiepreise über Europa hinaus und die Nahrungsmittelpreise weltweit in die Höhe zu treiben, indem alle Finanzzahlungen mit Russland untersagt wurden. Die weiter gefasste wirtschaftliche Sorge ist, dass stark steigende Rohstoff-, Energie- und Nahrungsmittelpreise zu einem weltweiten Einbruch führen werden.

Ausgelöst durch eine anfängliche Flucht der Investmentfonds weg vom Risiko hin zur Sicherheit, wurden die Anleiherenditen zunächst von ihren jüngsten Höchstständen nach unten gedrückt. Abbildung 2 zeigt, wie die Renditen zehnjähriger Anleihen in Amerika, Deutschland und Japan seit den Spitzenwerten früher in dieser Woche gesunken waren.

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Zwar sind die Renditen seither leicht gestiegen, doch waren diese Rückgänge für die Fed, die EZB und die BOJ eine Art Rettungsanker, und es wäre für sie günstig, wenn sich die Renditen auf dem aktuellen Niveau stabilisierten. Das passt zu ihrer bevorzugten Darstellung, wonach die Inflation, worunter sie steigende Verbraucherpreise verstehen, durch vorübergehende Faktoren angetrieben wird, die mit der Zeit nachlassen. Und wenn Putin gezwungen ist, seine Aggression gegen die Ukraine aufzugeben, werden sich die Preise normalisieren.

Illustration accompanying Das Ende des Fiatgeldes rückt in Sicht …Westliche Politikplaner sehen Anzeichen dafür, dass ihre Volkswirtschaften durch diese Entwicklungen geschwächt werden, und erwarten, dass sich der Ausblick von Inflation auf Rezession wandelt. Daher beginnen Zentralbanker und Ökonomen zu glauben, dass eine Zinserhöhung sich als politischer Fehler erweisen würde, der eine milde Rezession in einen möglichen Einbruch treiben könnte.

Auch die Währungen sind von der Flucht in die Sicherheit betroffen. Nach herkömmlicher Auffassung ist der Dollar die sicherste Währung, und er hat deutlich zugelegt, wie Abbildung 3 zeigt.

Illustration accompanying Das Ende des Fiatgeldes rückt in Sicht …Es ist jedoch zu beachten, dass sich das ausländische Vermögen bereits stark auf US-Dollar und auf Anlagen in US-Dollar konzentriert. Laut den jüngsten TIC-Zahlen des US-Finanzministeriums beliefen sich die im Besitz von Ausländern befindlichen lang- und kurzfristigen Wertpapiere und Bankeinlagen im vergangenen Dezember auf 34 Billionen US-Dollar. Das entspricht rund 150 % des US-BIP und ist seither mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter gestiegen.

Nach jedem Maßstab befindet sich der US-Dollar in übermäßigem Umfang in ausländischem Besitz.

Die derzeitige Welle ausländischer Währungseinlagen, die in den Dollar flüchtet, birgt für den Dollar künftig Probleme, denn sie stellen entweder ineffizient eingesetzte Liquidität für Ausländer dar, die in anderen Währungen rechnen, oder sie sind in überbewerteten Finanzanlagen angelegt. Vorerst jedoch ist der Dollar nicht nur der König der Währungen, sondern die Nähe der Eurozone zur Ukraine und die wirtschaftlichen Verbindungen zu Osteuropa im weiteren Sinne untergraben das Vertrauen in den Euro. Der Euro ist die größte Komponente im handelsgewichteten Dollarindex in Abbildung 3 oben.

Die Flucht in Währungen und Anleihen ist jedoch eine vorübergehende Maßnahme von Anlegern, die dem keynesianischen makroökonomischen Denken verfallen sind. Da sie ausschließlich im Keynesianismus ausgebildet wurden, fehlt ihnen das Verständnis für Gold und seine monetäre Rolle. Nur wenn eine Währung frei gegen Goldmünzen eintauschbar ist, nimmt sie die monetären Eigenschaften von Gold an. Es ist neunundachtzig Jahre her, dass der Dollar diesen Status hatte, und seit einundfünfzig Jahren ist er vollständig ein Fiat-Geld und hat alle anderen Währungen mit sich vom Gold gelöst. Tatsächlich wurde die vorübergehende Aussetzung des Bretton-Woods-Abkommens durch amerikanische Anti-Gold-Propaganda ersetzt, um die Vormachtstellung des Dollars zu sichern.

Die wenigen Menschen, die sowohl Geld im Gegensatz zu Fiat-Währungen verstanden als auch Finanzanlagen verwalteten, sind längst im Ruhestand. Alle Währungen sind heute staatlich ausgegebenes Fiat-Geld und anfällig für eine Kluft zwischen ihrer Kaufkraft und der von Gold. Der Ausweg aus diesen unsoliden Eigenschaften wird zweifellos in metallischem Geld liegen, das heißt in Gold und Silber, wenn das öffentliche Vertrauen in Fiat-Geld schließlich verschwindet. Das ist derzeit noch nicht der Fall.

Die russische Zentralbank wird ihre Position überdenken

Die Lage in Russland ist demgegenüber völlig anders. In den letzten zwei Jahren ist die Geldmenge M2 dort um 27 % gewachsen, verglichen mit 41 % beim US-Dollar. Der Rubel wurde nicht so sehr durch eine inflationäre Politik nach unten getrieben, sondern durch eine äußere Bedrohung. Dies hat dazu geführt, dass Russen aus der Mittelschicht Bargeld von ihren Bankkonten abgehoben haben, was einen Vertrauensverlust im Inland gegenüber den Geschäftsbanken widerspiegelt. An den Devisenmärkten hat sich der Wert des Rubels gegenüber dem Dollar nahezu halbiert. Die russische Zentralbank wird ihre Reservepolitik überdenken, über ihre erste Reaktion hinaus, nämlich die Anhebung der Leitzinsen auf 20 % und die Einführung restriktiver Devisenkontrollen.

Von den gesamten Auslandsreserven der russischen Zentralbank entsprechen etwa 500 Mrd. US-Dollar Fremdwährungen und 130 Mrd. US-Dollar Gold. Die gegen sie verhängten Sanktionen haben den Fremdwährungsanteil wertlos gemacht, zumindest solange die Sanktionen durchgesetzt werden. Der Unterschied zwischen Papiergeld und Gold ist deutlich geworden. Nur physische Goldreserven, die kein Gegenparteirisiko haben, besitzen für den russischen Staat noch einen Wert. Die Frage, vor der die russische Zentralbank nun steht, lautet, wie sie die Währung stabilisieren und das Vertrauen der Öffentlichkeit in sie wiederherstellen kann.

Sie hält einige hochwertige Karten in der Hand. Der Ansturm auf die Banken dürfte mit der Zeit nachlassen, und der Rubel dürfte sich nach dem anfänglichen Absturz an den Devisenmärkten stabilisieren. Eine Phase der Währungsstabilität wird das Bankensystem entlasten, sobald die Panik abklingt. Der Anstieg der weltweiten Rohstoffpreise wird trotz der westlichen Sanktionen erheblich zur Stabilisierung der russischen Staatsfinanzen beitragen. Russland wird sich auf die Sanktionen einstellen und Wege finden, Energie und Rohstoffe zu exportieren. Wo immer Sanktionen verhängt wurden, etwa gegen Südafrika in den Jahren der Apartheid, ging das Land nach einem anfänglichen Schock gestärkt daraus hervor. Und kurzfristig haben sich die Arbeitskosten im Verhältnis zur Rohstoffproduktion halbiert.

Zugleich wird das Scheitern bei der Einnahme der Ukraine die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Putin die Energie- und Rohstoffkrise verschärft, um Russlands westliche Gegner zu destabilisieren. In dieser Hinsicht ist er in die Enge getrieben worden, und seine Antwort haben wir noch nicht gesehen. Die spannende Frage ist, was Russland mit dem Gold unternehmen wird.

Da der Großteil seiner Währungsreserven vom Westen mit Sanktionen belegt wurde, ist Gold eindeutig zum herausragenden Vermögenswert geworden. Und wenn die russische Zentralbank es für nötig hält, den Rubel langfristig zu stabilisieren, könnten ihre Goldreserven eingesetzt werden, um die Währung zu stabilisieren und sie gegen künftige Feindseligkeiten abzusichern. Um eine Goldpolitik voranzutreiben, könnte die russische Zentralbank versuchen, den Goldpreis in Dollar zu erhöhen, bevor sie einen Kurs für den Rubel festlegt. Das würde zugleich den Wert ihrer Goldreserven im Verhältnis zu den im Umlauf befindlichen Rubeln steigern. Sie könnte dies über die asiatischen Märkte tun, insbesondere über die Shanghai Gold Exchange, indem sie ihre Yuan-Reserven einsetzt.

Derzeit ist jede derartige Maßnahme bloße Spekulation. Die Folgen für den Westen und sein auf dem Dollar basierendes Währungssystem bestünden jedoch voraussichtlich darin, dass das Vertrauen in sein Papiergeldsystem untergraben würde, was dies zu einer interessanten Option für Putin macht. Zusammen mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen würden steigende Goldpreise die Aufmerksamkeit auf die Gegenparteirisiken lenken, denen die Inhaber von Währungen an den Devisenmärkten ausgesetzt sind. Die Reaktion des Westens dürfte durch die Denkweise von einundfünfzig Jahren amerikanischer Anti-Gold-Propaganda behindert werden. Und der Mangel an physischem Edelmetall im Besitz des US-Finanzministeriums, das am Markt verkauft werden könnte, könnte weithin vermutet werden. Dies wurde durch die Schwierigkeiten offengelegt, die Deutschland 2013 hatte, als es die Federal Reserve Bank of New York bat, einen kleinen Teil seines dort gelagerten Goldes zurückzugeben.

Sollte Gold zum Thema werden, würden die USA zweifellos Druck auf die Europäer ausüben, einen Teil ihres Goldes an die Edelmetallmärkte zu liefern, um den Preis zu drücken. Das würde aber wahrscheinlich Putin in die Hände spielen, denn die europäischen Zentralbanken, die mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben (dazu weiter unten mehr), werden wohl kaum kooperieren. Das würde einen Keil zwischen Amerika und Europa treiben, was vor seiner verfehlten Invasion der Ukraine Putins eigentliches Ziel war.

Unabhängig davon, was beim Gold geschehen mag: Wenn die Zinsen in den westlichen Währungen nicht steigen dürfen, wird deren Kaufkraft immer schneller untergraben. Für unsere keynesianischen Freunde sei es erklärt: Zinsen sind nicht der Preis des Geldes, sondern die Entschädigung, die die Märkte für die erwartete Einbuße an Kaufkraft einer Währung verlangen. Wird diese Entschädigung verweigert, ist die Währung erledigt.

Die Rekapitalisierung des globalen Bankensystems des Westens

Die Flucht in Staatsanleihen und in den Dollar, wie in den Abbildungen 2 und 3 oben dargestellt, ist lediglich eine erste Marktreaktion, die Sicherheit sucht und die Fiat-Liquidität bewahren soll. Und die weiterhin niedrigen Anleiherenditen passen zu unrealistischen Erwartungen, wonach der Ausblick im Laufe der Zeit weniger inflationär und stärker rezessiv werde. Dies scheint die Hoffnung widerzuspiegeln, dass Putin mit seinem Angriff auf die Ukraine scheitern und die Krise bald vorüber sein werde.

Richtig verstanden werden die Preise in dieser Krise nicht vom Krieg selbst angetrieben, sondern von der Währungsentwertung. Sowohl nach dem Zusammenbruch von Lehman als auch nach den Covid-Lockdowns war die globale Währungsentwertung im westlichen Bündnis erheblich und allumfassend, und die Folgen von Putins Krieg können sie nur weiter verstärken. Daher werden die Inflationsmaße nicht auf das Ziel von 2 % zurückgehen, sondern deutlich steigen. Nach der anfänglichen Rohstoff- und Finanzkrise werden die Zinsen, getrieben von den Markterwartungen, trotz der Unterdrückung durch die Zentralbanken zwangsläufig erheblich steigen.

Die Auswirkung höherer Zinsen auf das Bankensystem wird sich wesentlich von früheren Zyklen unterscheiden. Die US-Geschäftsbanken haben ihre Kreditvergabe an die Realwirtschaft („Main Street“) in den letzten Jahren nicht nennenswert ausgeweitet, sondern sich auf die Kreditschöpfung für den Finanzsektor und die Bundesregierung konzentriert. Laut der Tabelle H.8 der Fed hat die Ausweitung des Bankkredits zugunsten von Wertpapieren seit dem 11. März 2020 (bevor die Fed ihren Leitzins auf null senkte und ein QE-Programm von 120 Mrd. USD pro Monat auflegte) um 32 % zugenommen. Der Anstieg bei Darlehen und Leasingfinanzierungen betrug nur 6 %. Wir können davon ausgehen, dass der Bankkreditzyklus in seiner Kontraktionsphase eher von steigenden Anleiherenditen und einbrechenden Aktienmärkten als von einer herkömmlichen Schrumpfung der Unternehmenskredite bestimmt sein wird.

Auch die Zentralbanken selbst sind in ähnlicher Weise verwundbar geworden. Sie haben die Rolle von Investoren in Staats- und Agenturanleihen übernommen, und die Bank von Japan hat zudem über börsengehandelte Fonds Aktien angehäuft. Somit drohen nicht nur den Geschäftsbanken Verluste, die ihr Eigenkapital auszulöschen drohen, sondern die großen Zentralbanken stehen vor demselben Problem, wenn steigende Zinsen, die sich ihrer Kontrolle entziehen, den Wert ihrer Anlagen untergraben. Steigende Zinsen bedeuten, dass das gesamte westliche Bankensystem durch eine Rekapitalisierung gerettet werden muss.

Für jene, die mit den Unterschieden zwischen Geld, Währung und Kredit nicht vertraut sind, mag es überraschend sein, dass neues Kapital einer Bank stets aus ihrer eigenen Bilanz finanziert wird. Im Ergebnis wird vorübergehender Kredit in dauerhaftes Kapital umgewandelt. Denn entweder wird eine Einlage eines bestehenden Kunden umgewidmet, oder eine Einlage wird von einer anderen Bank eingezahlt, wodurch eine neue Einlage entsteht. Alternativ, und das ist heute meist der Fall, wird ein Beauftragter bestellt, der die Zeichnungen für das neue Kapital organisiert, sei es in Form einer Bezugsrechtsemission oder einer Platzierung. Nach Abschluss überträgt der Beauftragte die Einlagen der Zeichner auf ein eigens dafür eingerichtetes Einlagenkonto bei der rekapitalisierenden Bank. Die Einlage wird anschließend gegen das den Einlegern nach den Zeichnungsbedingungen zugesagte zusätzliche Kapital getauscht.

Es ist wichtig, diesen Vorgang zu verstehen. Die meisten Menschen denken, dass Geld oder Währung beteiligt sei, obwohl dies nie der Fall ist. Bankkapital wird immer aus Bankkredit bereitgestellt.

Eine Zentralbank beschafft Kapital auf dieselbe Weise, verfügt aber zusätzlich über die Möglichkeit, eigene Banknoten zu schaffen und anschließend einzulösen und sie in ihren Büchern gegen dauerhaftes Kapital zu tauschen. Aus diesem Grund fehlt es einer Notenbank oder Zentralbank nie an dauerhaftem Kapital. Wenn man ferner liest, dass eine Bank über dauerhaftes Kapital von einer Milliarde Dollar verfügt, denken die meisten Menschen, es sei in hartem Geld eingezahlt. Tatsächlich ist dies eine Illusion, die vollständig durch Bankkredit finanziert wird, also durch Kredit, den die Bank selbst geschaffen hat.

Zur Erläuterung der Mechanik können wir betrachten, wie das Kapital der Bank von England im Jahr 1697 erhöht wurde. Die Bank wurde 1694 gegründet, um als Bankier der Regierung zu fungieren, mit einem ursprünglichen Kapital von 1.200.000 £.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1696 hatte die Bank die Zahlungen eingestellt, weil Einleger ihre Silberbestände massiv abzogen, ausgelöst durch einen Mangel an neuen Münzen nach dem Recoinage Act vom Januar jenes Jahres; ihre umlaufenden Noten fielen auf einen Abschlag von 20 % gegenüber dem Nennwert. Um das öffentliche Vertrauen in die Bank wiederherzustellen, beschloss das Parlament 1697, das Kapital der Bank um 1 Million £ zu erhöhen (der tatsächliche Betrag in den Büchern der Bank belief sich auf 1.001.171 £ 10 s[i]), doch kein Teil des erhöhten Kapitals wurde tatsächlich in Geld eingezahlt, also in Silber (England befand sich damals auf einem Silberstandard). Gemäß dem Gesetz wurden 800.000 £ in Exchequer Tallies eingezahlt (faktisch ein Darlehen der Bank an das Finanzministerium, damit dieses Anteile zeichnen konnte) und 200.000 £ in eigenen, entwerteten Noten der Bank, die zum vollen Barwert angenommen wurden. Somit bestanden bei der ersten Kapitalerhöhung gegenüber den ursprünglichen 1.200.000 £ 200.000 £ des Kapitals aus ihren eigenen entwerteten Banknoten. Und die Bank wurde anschließend ermächtigt, eigene Banknoten in Höhe dieses Teils der Kapitalerhöhung auszugeben, sodass die Menge der umlaufenden Banknoten unverändert blieb.

So lässt sich das Kapital einer Notenbank erhöhen. Aber auch das Kapital einer Bank, die keine Noten ausgibt, kann mit ähnlichen Mitteln erhöht werden. Das Wesen des Bankgeschäfts besteht darin, Kredite durch die Schaffung von Guthaben oder Einlagen zu gewähren, und diese können zur Erhöhung ihres Kapitals verwendet werden. Die Methode bewährte sich im Fall der Bank of Scotland, als diese 1727 ihr Kapital erhöhte.

Angenommen, eine Bank möchte ihr Kapital erhöhen und ihre Kunden möchten zeichnen. Theoretisch könnten sie in Währung (also in Banknoten) einzahlen, doch heute geschieht das nie. Sie können der Bank aber einen auf ihr Konto gezogenen Scheck geben. Das ist dasselbe, wie die Bank mit ihrer eigenen Schuld zu bezahlen, um Kapital zu zeichnen. Es ist der Erlass einer Schuld, welche die Bank gegenüber ihrem Kunden hat, und diese erlassene Schuld wird dann zu einer entsprechenden Kapitalerhöhung. Die kürzlich vereinbarten Verfahren für Bail-ins, bei denen eine scheiternde Bank rekapitalisiert wird, indem Anleiheverbindlichkeiten und große Einlagen in Aktienkapital getauscht werden, stimmen vollständig mit diesen Grundsätzen überein und sind die Methode, mit der das Kapital aller Geschäftsbanken erhöht wird.

Nachdem wir die Verfahren geklärt haben, können wir nun nachvollziehen, wie das globale Bankensystem rekapitalisiert werden kann und welche Schwierigkeiten dabei möglicherweise auftreten.

Die Folgen einer umfassenden Rekapitalisierung der Banken

Die Rekapitalisierung von Geschäftsbanken, die nicht unrettbar zahlungsunfähig sind, war in der Vergangenheit keineswegs ungewöhnlich. Erstmals dürften wir bei allen großen Zentralbanken (mit Ausnahme Chinas und Russlands) zusätzliche Verluste aus Anleiheinvestitionen erleben, die auf Marktwertbasis ihr rechnerisches Eigenkapital auslöschen und dazu führen, dass die Verbindlichkeiten in der Bilanz die Vermögenswerte übersteigen. Und da dies bei steigenden Zinsen und fallenden Anleihekursen geschehen wird, dürfte es zu einem Zeitpunkt eintreten, zu dem Geschäftsbanken vor denselben Auswirkungen steigender Zinsen auf Kreditsicherheiten und ihre Anleiheinvestitionen gerettet werden müssen, zusätzlich zu den Komplikationen der üblichen zyklischen Kontraktion der Geschäftsbankenkredite.

Im Jahr 1697 diente die Rekapitalisierung der Bank of England dazu, den Ansturm auf Silbermünzen zu stoppen. Es war kein Metallgeld daran beteiligt. Der äußere Anschein der Stabilität der Bank wurde verbessert, wodurch das peinliche Disagio auf ihre Banknoten verschwand und diese wieder als Ersatz für Silbermünzen akzeptiert wurden. Heute wird das Ziel einer umfassenden Rekapitalisierung der Zentralbanken darin bestehen, ihre Kreditwürdigkeit als Emittenten von Fiat-Währungen aufrechtzuerhalten.

Die naheliegende Sorge ist, wie sich eine solche Maßnahme auf das Vertrauen in ihre Währungen auswirken wird. Da die Fed, die EZB, die BOJ und die BOE allesamt technisch bankrott sind und kein Geld (das heißt physisches Gold) hinter ihnen steht, beruhen die von ihnen ausgegebenen Fiat-Währungen auf dem Vertrauen in den Emittenten und dessen Währung. Die Verluste aus ihren Anleiheinvestitionen infolge steigender Zinsen und der Bedarf an Rekapitalisierung werden durch die Umstände zeitgleich auftreten. Wie sich dies auf das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Finanzmärkte und Währungen auswirkt, ist derzeit Gegenstand von Spekulation. Wir sollten jedoch bedenken, dass die anderen Zentralbanken zwar eine moderne Version der Rekapitalisierung der Bank of England von 1697 durchführen können, die EZB jedoch kein Finanzministerium als wichtigste Gegenpartei hat.

Ihre Anteilseigner sind die neunzehn nationalen Zentralbanken des Eurosystems. Fast alle nationalen Zentralbanken haben ebenfalls Verbindlichkeiten, die ihre Vermögenswerte übersteigen, oder werden dies bei einem nur geringen Anstieg der Renditen auf Euro-Anleihen haben. Hinzu kommt, dass einige nationale Zentralbanken über das Zahlungssystem TARGET2 bereits Gläubiger der EZB sind und die meisten von ihnen der Deutschen Bundesbank, der Zentralbank Luxemburgs, der Zentralbank Finnlands und einigen anderen Euro-Guthaben schulden.

Eine weitere Sorge betrifft das Überleben der Geschäftsbanken in einem Umfeld höherer Zinsen. Der überwiegende Teil der Ausweitung der Geschäftsbankenkredite in den USA seit März 2020 floss in Staats- und Behördenanleihen. Die durchschnittliche Bilanzhebelung der global systemrelevanten Banken (G-SIBs) der USA beträgt etwa das Elffache. Ein Zinsanstieg, der ausreicht, um die sinkende Kaufkraft des Dollars einzupreisen, wird daher das Kapital all dieser Banken auslöschen, noch bevor andere negative Folgen eines Zusammenbruchs der Werte finanzieller Sicherheiten berücksichtigt sind.

Die Geschäftsbankensysteme mit der höchsten Hebelung befinden sich in der Eurozone, wo die G-SIBs ein durchschnittliches Verhältnis von Vermögenswerten zu Eigenkapital von über dem 21-Fachen aufweisen, einige davon deutlich mehr. Auch die japanischen Banken liegen bei etwa dem 21-Fachen. Sowohl die EZB als auch die BOJ haben Negativzinsen eingeführt, sodass der Anstieg der globalen Zinsen das Kapital der Geschäftsbanken in diesen Rechtsräumen zuerst auslöschen dürfte.

Diese Probleme werden nur so lange aufgeschoben, wie das keynesianische Establishment, einschließlich der Anlegergemeinschaft, die Folgen der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Geldentwertung nicht erkennt. Wenn klar geworden ist, dass alles, was in der Ukraine geschieht, die Lage bei Nahrungsmitteln, Energie und anderen Preisen mit ihren Folgewirkungen nur verschärft, werden wir bereits einen Einbruch der Anleihekurse erlebt haben, der das gesamte Bankensystem von oben bis unten mitreißt.

Das uneingeschränkte Vertrauen in Fiat-Währungen dürfte schwinden und damit im globalen Maßstab wiederholen, was 1720 in John Laws Frankreich geschah.




[i] Bank of England Stock Ledger Archives, 1694 – 1715








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