Seit China in den 1990er-Jahren begann, den wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern und den starken Kräften des Kapitalismus Raum zu geben, um den Lebensstandard im Land zu heben, ist sein Einfluss auf die Weltmärkte tiefgreifend. Chinesisches Kapital hat sich zu einem wichtigen Faktor der Weltwirtschaft entwickelt, und die Nachfrage aus China hat die Rohstoffpreise stark beeinflusst. Eine Ausnahme vom chinesischen Einfluss war jedoch Gold.
China hat bislang nur geringe Auswirkungen auf die weltweiten Goldmärkte gehabt. Der Grund dafür ist, dass die chinesische Goldproduktion, die in den vergangenen Jahren so stark gewachsen ist, dass China zum größten Goldproduzenten der Welt wurde, ausreichte, um die heimische Nachfrage zu decken. Im Gegensatz zu anderen Märkten, in denen China zu einer wichtigen Nachfragequelle geworden ist, hat das Land daher kaum Einfluss auf die Goldnachfrage gehabt.
Vor etwas mehr als einem Jahr begann sich das Verhältnis zwischen chinesischer Goldproduktion und Nachfrage jedoch zu verändern. Die chinesischen Bergbauunternehmen konnten nicht mehr genug Metall produzieren, um die wachsende heimische Nachfrage zu befriedigen, sodass China begann, Gold zu importieren.
Der Trend zu Goldimporten setzte zunächst langsam ein und fand wenig Beachtung. Im vergangenen Jahr jedoch wurde dieser wachsende Trend bemerkt. So berichtete die Financial Times im September 2011: „Daten der Regierung von Hongkong zeigten, dass China im September mit 56,9 Tonnen [Gold] einen Rekordwert importierte, das Sechsfache des Vorjahreswerts von 2010. Die monatlichen Goldimporte lagen für den Großteil des Jahres 2010 und dieses Jahres bei etwa 10 Tonnen, doch die Käufe sprangen im Juli, August und September an. In diesem Dreimonatszeitraum importierte China aus Hongkong etwa 140 Tonnen, mehr als die rund 120 Tonnen im gesamten Jahr 2010.“
Jüngst berichtete Reuters: „China importierte im November [2011] aus Hongkong fast ein Fünftel mehr Gold als im Vormonat und setzte damit einen Trend stark steigender Käufe fort, durch den sich die Edelmetallströme auf das Festland in den ersten 11 Monaten des Jahres mehr als verdreifacht haben. Wie das Census and Statistics Department von Hongkong mitteilte, gelangten im November mit 102,525 Tonnen so viel Gold wie nie zuvor aus Hongkong auf das Festland.“
Das sind gewaltige Zahlen. Im vergangenen Jahr importierte Indien etwa 900 Tonnen der rund 2.800 Tonnen Gold, die im letzten Jahr gefördert wurden. China holt jedoch rasch auf und wird Indien voraussichtlich in den kommenden Jahren überholen. Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses auf den globalen Goldmarkt wären, sollte es eintreten, tiefgreifend und offensichtlich sehr positiv für den Goldpreis. Aber selbst wenn China nicht zum größten Goldimporteur der Welt wird, dürfte allein die Tatsache, dass die chinesischen Produzenten nicht genug Metall fördern können, um die heimische Nachfrage zu decken, für den Goldpreis sehr positiv sein.
Vor diesem Hintergrund ist klar zu erkennen, dass China zu einem wichtigen Einflussfaktor auf dem Goldmarkt und damit auf den Goldpreis geworden ist. Es ist daher ein weiterer Grund, für die Aussichten des Metalls der Könige optimistisch zu bleiben.