Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist aus Sicht eines Käufers von Edelmetallen mehr als interessant. Das liegt daran, dass China mit 3,3 Billionen Dollar der weltweit größte Inhaber von Devisenreserven ist – weit vor dem zweitgrößten Inhaber, Japan (1,3 Billionen Dollar).
Laut Daten des World Gold Council verfügte China (Stand: Februar 2013) über die sechstgrößten Goldreserven der Welt, doch diese machten nur 1,7 % der gesamten chinesischen Devisenreserven aus. Dieselbe Quote beträgt in den USA 75,7 %, in Deutschland 72,8 %, in Italien 72,1 % und in Frankreich 70,5 % – allesamt Länder, die China hinsichtlich der in den staatlichen Tresoren gelagerten Goldmenge übertreffen. Es liegt auf der Hand, dass die chinesischen Goldreserven noch Wachstumspotenzial haben. Selbst um nur mit Japan (3,2 %) gleichzuziehen, müsste China seine Goldbestände fast verdoppeln.
Werfen wir einen Blick auf das Wachstum der chinesischen Devisenreserven.

Von 2000 bis 2011 wuchsen die chinesischen Devisenreserven um mehr als das 18-Fache (!). Auch die Finanzkrise von 2008 hat dieses Wachstum nicht gestoppt. Allein wegen ihres Umfangs lassen sich diese Reserven vergleichsweise schwer verwalten. Man kann sich leicht vorstellen, dass entschiedene Schritte der State Administration of Foreign Exchange (der für die Verwaltung der Devisenreserven zuständigen chinesischen Regierungsbehörde, abgekürzt: SAFE) die Funktionsfähigkeit der Wertpapiermärkte empfindlich stören könnten. Da die SAFE bemüht ist, notwendige Anpassungen der Devisenbestände vorzunehmen, ohne den Markt zu erschüttern, besteht in ihrem gesamten Verwaltungsprozess eine erhebliche Trägheit.
Seit 2002 kennt die Entwicklung der US-Verschuldung nur eine Richtung – nach oben. China war ein bedeutender Käufer von US-Wertpapieren, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Im Jahr 2011 machten die in chinesischem Besitz befindlichen US-Wertpapiere 11,7 % der gesamten ausstehenden US-Schulden aus. Beide Größen entwickelten sich in dieselbe Richtung: Zwischen 2002 und 2011 stiegen die US-Schulden um 137,5 %, während die chinesischen Bestände an US-Wertpapieren um 854,1 % zunahmen (!). China hat sich zu einem der wichtigsten Anleihekäufer entwickelt.
Das Problem besteht freilich darin, dass diese gewaltige Anhäufung von US-Verbindlichkeiten China übermäßig anfällig für einen schwächeren Dollar macht. Die Gefahr, der Peking sich in dieser Hinsicht ausgesetzt sieht, wurde vielleicht am deutlichsten am 5. August 2011, als Standard & Poor’s die Bonität der US-Staatsschulden herabstufte, nachdem im Kongress ein Machtkampf um die Schuldenobergrenze stattgefunden hatte. Für dieses Jahr ist mit weiteren Schwierigkeiten zu rechnen, da im Mai nach dem Streit um die „Fiskalklippe“ zum Jahreswechsel eine erneute Machtprobe um die Obergrenze erwartet wird.
Probleme mit der Zahlungsfähigkeit der US-Regierung sind allerdings nur ein Teil der Geschichte.
Die chinesische Währung, der Renminbi, unterliegt einem gesteuerten Floating. Das bedeutet, dass die Chinesische Volksbank sie durch Marktoperationen aktiv so steuert, dass sie innerhalb einer gewünschten Bandbreite bleibt. Unter diesen Bedingungen kann der Renminbi gegenüber dem Dollar weder stark auf- noch abwerten, es sei denn, die Chinesische Volksbank lässt dies zu oder ist nicht in der Lage, den Wechselkurs zu stabilisieren. Da die chinesische Wirtschaft schneller wächst als die amerikanische, wird erwartet, dass der Renminbi gegenüber dem Dollar weiter aufwertet. Die Chinesische Volksbank versucht möglicherweise, der Aufwertung bis zu einem gewissen Grad entgegenzuwirken (in der Annahme, dass eine Aufwertung den Exporten schadet), doch wenn eine Volkswirtschaft im Verhältnis zu anderen Ländern wächst, ist eine Währungsaufwertung die natürliche Dynamik – zugleich drängen Schwellenländer politisch auf einen stärkeren Renminbi.
Seit 2005 hat der Renminbi eine Reihe von Aufwertungssprüngen durchlaufen.

Die Grafik zeigt den Wechselkurs USD/CNY. Aufwärtsbewegungen in dieser Grafik bedeuten, dass der Dollar gegenüber dem Yuan an Wert gewinnt. Umgekehrt zeigen Abwärtsbewegungen, dass der Yuan gegenüber dem Dollar aufwertet.
Wie wir sehen, verläuft der Wechselkurs praktisch in eine Richtung – nach unten, in einer Reihe von Sprüngen. Diese „Sprünge“ sind die Zeitpunkte, zu denen die Chinesische Volksbank ihren Zielwechselkurs anpasst – mit anderen Worten, zu denen sie dem Yuan eine Aufwertung erlaubt. Langfristig wird die Aufwertung des Yuan (Renminbi) noch viele Jahre anhalten.
Alle genannten Punkte deuten darauf hin, dass China tatsächlich wenig geneigt sein könnte, weitere US-Schulden in größerem Umfang zu kaufen. Andere Informationen zeigen, dass die chinesischen Behörden, statt mehr US-Anleihen zu kaufen, in Gold diversifizieren.
Przemyslaw Radomski ist Gründer und Chefredakteur von sunshineprofits.com.