Bankguthaben und Gold

Es hat sich zunehmend eine Verlagerung zugunsten von Sachwerten gegenüber Bankeinlagen vollzogen. Anfangs wurde dies durch Nullzinsen begünstigt, doch inzwischen besteht kaum Zweifel, dass die Gläubigerbeteiligung (Bail-in) in Zypern den Trend beschleunigt hat.

Dies erklärt die Haussemärkte bei Anleihen und Aktien, die bequemerweise das gesamte Bankensystem absichern. Es ist jedoch zu früh, Belege für sinkende Einlagenbestände von Nichtbanken und der breiten Öffentlichkeit anzuführen, da die Einleger insgesamt bemerkenswert selbstzufrieden waren; es gibt aber reichlich Hinweise darauf, dass die Liquidität aus der Geldmengenausweitung die Finanzwerte schneller aufbläht als die Bankeinlagen.

Das trägt zur Erklärung bei, warum beispielsweise italienische 10-jährige Anleihen eine Rendite von 4 % aufweisen. Der Grund, durch den Bail-in in Zypern zweifellos bekräftigt, ist, dass Anleger mit Bargeldbeständen überteuerte Staatsschulden für weniger riskant halten, als ihre Euro-Einlagen aufzustocken. Die Zentralbanken bleiben jedoch gelassen, da eine Schwäche der Einlagen bei einer einzelnen Bank innerhalb des Bankensystems leicht aufgefangen wird und einzelne Banken so vor Abzügen durch Einleger geschützt sind. Vermutlich sind auch die Geschäftspartner der Banken selbstzufrieden, da sie einigermaßen sicher sein können, von Bail-ins ausgenommen zu sein. Sie wissen mit Beruhigung, dass das Bankensystem von all jenen abgesichert wird, die leichtsinnig genug sind, Geld über die gesicherte Höhe hinaus auf Einlagen zu belassen.

Allerdings dürfte ein Teil der Bargeldbestände der Einleger nach Zypern in physisches Gold und Silber geflossen sein, was erklärt, warum die im Terminmarkt tätigen Edelmetallbanken und die hinter ihnen stehenden Zentralbanken so darauf bedacht sind, uns davon abzubringen, Gold und Silber für einen sicheren Hafen zu halten. Ich habe kürzlich Ronnie Stoeferle, den in Wien ansässigen Analysten, interviewt, der es auf den Punkt brachte: Seit Zypern ist die europäische Nachfrage nach physischem Gold stark gestiegen, und die Edelmetallbanken, die kein Metall liefern können, spüren den Druck.

Zuletzt wurde berichtet, dass mindestens eine Bank nur bereit sei, Edelmetallverbindlichkeiten in bar zu begleichen. Der Kursrückgang im April war daher eine logische Reaktion der Edelmetallbanken, die die Kundennachfrage nach physischer Auslieferung entschärfen mussten. Da der treibende Faktor jedoch nicht Spekulation war, sondern die Zurückhaltung, weitere Einlagen im Bankensystem zu halten, war der Nachfrageanstieg nach Edelmetall zu niedrigeren Preisen unvermeidlich.

Wie ist die Lage also? Die Krise an den Edelmetallmärkten ist schlimmer als zuvor. Ein gutes Beispiel dafür, wie gering die physischen Bestände sind, liefert die Verfolgung der Auslieferungen an der Shanghai Gold Exchange. In den vergangenen Wochen sind sie auf praktisch nichts zusammengeschrumpft, nachdem sie im April bereits auf 190 Tonnen und im März auf 297 Tonnen gekürzt waren. Dennoch wissen wir aus Berichten, dass die Nachfrage der Privatanleger in China sprunghaft gestiegen ist; es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Preise an der Shanghai Gold Exchange so weit nach oben getrieben werden, dass die verlorenen Bestände ersetzt werden.

Es wird interessant sein zu sehen, wie viele weitere Edelmetallbanken in den kommenden Wochen gezwungen sein werden, die Fiktion hinter ihren Kundenkonten einzugestehen. Vorerst läuft die vorübergehende Lösung darauf hinaus, die Edelmetallversorgung der Öffentlichkeit zu rationieren.

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