
Vor dem Hintergrund besorgniserregender Entwicklungen bei den regionalen US-Banken haben sich Gold und Silber in dieser Woche gut entwickelt. Heute Morgen im europäischen Handel lag Gold bei 2.039 US-Dollar, das sind 53 US-Dollar mehr als zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag, nachdem es kurzzeitig ein neues Hoch getestet hatte. Silber notierte bei 25,88 US-Dollar, ein Plus von 90 Cent. Die Handelsvolumina an der Comex zogen mit dem Anstieg an, und das Open Interest bei Gold bewegt sich in neutrales Terrain, statt überkauft zu sein, während Silber weiterhin geringfügig überverkauft ist. Dies zeigen die nächsten beiden Charts unten:

In jüngster Zeit gab es noch höhere Open-Interest-Niveaus, wie diese Charts belegen. Für technisch orientierte Händler ist es jedoch stets schwierig, die Handelshistorie an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Denn tatsächlich haben wir heute eine völlig andere Situation als alles, was wir seit den 1970er-Jahren gesehen haben. Insgesamt gibt es angesichts der Aussicht auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus der Fed, oder der Alternative einer begleitenden Bankenkrise, Spielraum für noch mehr Käufe von Comex-Futures.
Genauer gesagt zeigt der nächste Chart die Netto-Positionen der Managed-Money-Händler (Hedgefonds). Er verdeutlicht, dass die Verteilung klar zugunsten eines steigenden Goldpreises ausfällt und dass die durchschnittlichen Netto-Long-Positionen in dieser Kategorie unter dem Gesichtspunkt von Überkauft- und Überverkauft-Situationen neutral sind.

Doch die Swap-Händler verzeichnen bereits eine Netto-Kontraktposition, die sich auf Rekord-Short-Positionen zubewegt. Dies zeigt der nächste Chart.

Der Druck auf die Short-Positionen der Edelmetall-Banken-Händler, die den Großteil dieser Kategorie ausmachen, scheint größer zu sein als auf die großen Spekulanten. Beide Seiten werden die technische Lage sehr genau beobachten. Dazu gleich mehr.

Aus technischer Sicht ist der bullische Chart des Goldpreises nahezu perfekt. Die einzige Frage ist, wie lange der Preis auf oder über den vorherigen Höchstständen von 2.070 US-Dollar konsolidieren wird. Sobald dies überwunden ist, werden Kursziele oberhalb von 2.500 US-Dollar zu bloßen Diskussionspunkten.
Angetrieben wird dies alles von zunehmenden Anzeichen einer Bankenkrise in Amerika, die sich voraussichtlich verschärfen wird. Und bislang scheint niemand über Probleme bei anderen Banken in anderen Rechtsräumen zu sprechen. Insbesondere in der Eurozone haben Geschäftsbanken dieselben Probleme mit einem Straffungszyklus, der später begann als jener in den USA.
All dies bedeutet ein erhöhtes Kontrahentenrisiko. Die Reaktion der Banken wird mit Sicherheit darin bestehen, ihre Kreditvergabestandards weiter zu verschärfen und das gesamte Kreditvolumen zu verringern. Was nahezu niemandem bewusst zu sein scheint: Ein schrumpfendes Kreditangebot führt zu höheren Zinsen, die die Kreditknappheit widerspiegeln.
Dadurch fällt die Last der Kreditschöpfung zunehmend den Zentralbanken zu. Sie haben die Kontrolle über die Zinsen verloren und müssen eine Entscheidung treffen: Handeln sie, um ihre Finanzsysteme zu retten und eine Wirtschaftsflaute zu verhindern, oder retten sie ihre Währungen? Beides zugleich ist nicht möglich.
Unterdessen verzeichnen allein die chinesischen Bankensysteme steigende Aktienkurse. Im übrigen Raum nehmen die Unsicherheit und die Furcht vor Zusammenbrüchen zu. Für Zentralbanker und Finanzministerien gibt es keinen Spielraum, beim Thema Moral Hazard nach eigenem Ermessen zu entscheiden.