„Ausstiegsstrategie“ ist derzeit das Schlagwort unter Marktbeobachtern. Der Dollar hat in den vergangenen Tagen und Wochen zugelegt, weil man erwartet, dass mit der US-Wirtschaft wieder alles in Ordnung ist und die Fed nun darüber nachdenken kann, wie sie Vermögenswerte verkauft und aus ihrer derzeitigen Verpflichtung zu einer dauerhaften quantitativen Lockerung „aussteigt“.
Angesichts dieser sich verbreitenden Darstellung und der Tatsache, dass die US-Aktien weiter nach oben eilen, stehen Gold und Silber weiterhin unter Druck – im Handel mit diesen Metallen überwiegt weiterhin die Mentalität, Kursanstiege zum Verkauf zu nutzen. Das könnte sich jedoch ändern, abhängig davon, was Fed-Chef Bernanke heute später in seiner Aussage vor dem Kongress sagt (klingt er in Bezug auf die Geldpolitik gemäßigter und in Bezug auf die Wirtschaft pessimistischer als erwartet, dürfte dies die Metalle stützen; im umgekehrten Fall könnten die Metalle weiter fallen).
Langfristig betrachtet spielt es keine Rolle, was Bernanke sagt. Die Äußerungen von Fed-Vertretern über „Ausstiegsstrategien“ sind nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver: ein Mittel, die Märkte davon zu überzeugen, dass die Zentralbanken weiterhin die Kontrolle haben und es keinen Grund zur Sorge gibt. Die Planer in den Zentralbanken hätten alles im Griff.
Doch die Kombination aus der verlängerten Laufzeitstruktur der Fed-Vermögenswerte, den derzeit geringen Anleiherenditen und der Tatsache, dass die Fed vermutlich in einem Umfeld verkaufen würde, in dem die Inflation (und mit ihr die Renditen) steigt, stellt eine Herausforderung dar. Hinzu kommt, dass es sich ebenso sehr um ein Stromgrößenproblem (a flow problem; das Finanzministerium wird auf absehbare Zeit weiter Defizite machen) wie um ein Bestandsproblem handelt. Dieser Punkt wird dadurch unterstrichen, dass Washington dabei ist, die wenigen noch verbliebenen gesetzlichen Schranken für seine Möglichkeit, Kredite aufzunehmen und sich immer weiter zu verschulden, zu beseitigen.
Selbst wenn man annimmt, dass die Fed in der Lage ist, diese Herausforderungen zu bewältigen – eine reichlich kühne Annahme –, gibt es dann eine Garantie, dass sie Zeitpunkt und Umsetzung richtig wählt? Dass die Fed die Zinsen im Vorfeld der Krise von 2007/08 zu lange zu niedrig gehalten hat, schafft in dieser Hinsicht kein Vertrauen. Und angesichts des politischen Drucks, dem die Fed weiterhin ausgesetzt sein wird, große Staatsdefizite zu begleiten (wieder das Stromgrößenproblem), erscheint es besonders zweifelhaft, dass der FOMC allzu eifrig einen frühen Ausstieg in irgendeiner Form versuchen wird.
Hoffen Sie auf das Beste, aber bereiten Sie sich auf das Schlimmste vor.