Gestern Abend lehnte das zyprische Parlament das vorgeschlagene Rettungspaket von IWF und EU ab, das die Beschlagnahmung von bis zu 10 % der Einlagen bei den Banken der Insel vorgesehen hätte.
Unter dem Druck zahlreicher protestierender Bürger (und möglicherweise aus Furcht vor den Folgen eines Zugriffs auf das Geld einiger wohlhabenderer russischer Einleger) gaben die Politiker nach: Kein einziger Abgeordneter stimmte für die inzwischen berüchtigte Bankenabgabe.
Der zyprische Finanzminister ist inzwischen nach Moskau geflogen, um mit der russischen Regierung eine Vereinbarung zusammenzuzimmern. Die politische Bedeutung einer möglichen russischen Rettungshilfe sollte nicht unterschätzt werden, da es das erste Mal wäre, dass ein souveräner Staat die Maßnahmen des IWF zugunsten einer Rettung durch ein anderes Land ablehnt. Wie Jim Sinclair bei King World News sagt, würde dies „bedeuten, dass der IWF nicht mehr das Gewicht hätte, das er über die Jahre als Zusammenschluss vieler Nationen hatte. Wenn ein einziges Land den Schalter gegen den IWF auf ‚aus‘ stellen kann, wird es sehr schwer sein, diesen Schalter beim IWF wieder auf ‚ein‘ zu stellen.“
Er weist außerdem darauf hin, dass dies, da der IWF seinen Sitz in Washington hat und stark von der US-Regierung beeinflusst wird, einer Zurückweisung der USA ebenso gleichkäme wie des IWF und der EU. In der Terminologie des Kalten Krieges ausgedrückt, stellt Sinclair fest: „Moskau hat diese Runde gewonnen.“
Jesse’s Café Americain hat einen ausgezeichneten Essay über die weiterreichende Wirkung Zyperns auf das Vertrauen in das Finanzsystem veröffentlicht. Wie er anmerkt, hatte die Troika (Europäische Kommission, EZB und IWF) keine Bedenken, ihre eigenen Regeln zur Sicherheit von Einlagen unter 100.000 € zu verletzen. Dieser Vorschlag – selbst wenn er nach der gestrigen Abstimmung gescheitert ist – ist ein weiterer Nagel im Sarg des Vertrauens in das derzeitige Geldsystem. In Jesses Worten: „Es ist das Vertrauen, das die Integrität eines auf Kontrahentenrisiko beruhenden Systems aufrechterhält.“
Deshalb lässt sich der Goldpreis am besten als Barometer für das Vertrauen in das Finanzsystem beschreiben. Physisches Gold – im Gegensatz zu ETFs und verschiedenen anderen Arten von „Papiergold“ – ist (anders als Bankeinlagen) niemandes Verbindlichkeit. Es und andere Edelmetalle tragen kein Kontrahentenrisiko; ein Merkmal, dem eine wachsende Zahl von Sparern weltweit künftig einen hohen Wert beimessen wird.