Asiens goldene Zukunft

Während des größten Teils des letzten Jahrhunderts war der US-Dollar die Standardwährung für internationale Zahlungen.

Dies hat den USA die oberste Macht über den internationalen Handel verliehen. In den vergangenen Monaten setzten die USA diese Macht gegen den Iran ein und machten allen Iranern das Leben äußerst schwer. Wichtig ist, dass dadurch der Ölhandel mit Indien, China und Japan unterbrochen wurde. Darüber hinaus hat SWIFT, die in Belgien ansässige internationale Abwicklungsstelle für Bankgeschäfte, sämtliche iranischen Überweisungen zwischen Banken eingestellt.

Die deutliche Lehre für die Staaten Asiens lautet, dass ihre eigene Handelssicherheit am besten gewährleistet ist, wenn sie über ein alternatives Abwicklungsmittel zum Dollar und zu anderen westlichen Währungen verfügen. Diese Funktion kommt historisch dem Gold zu, doch das ist für Zentralbanken ein letzter Ausweg, und zudem besitzen viele asiatische Zentralbanken nur wenig Gold. Das spielt China in die Hände.

China ist zunehmend bestrebt, seine eigene Währung für die Abwicklung des Handels bereitzustellen. Es sieht das Dollar-Monopol als bedeutende Sicherheitsbedrohung, weshalb es in der Vergangenheit bereits nach Alternativen gesucht hat. Nun fördert es vorsichtig die eigene Währung für diese Rolle und baut in Hongkong einen Offshore-Kapitalmarkt für den Renminbi auf. Gleichzeitig entwickelt es sich von der Herstellung von Konsumgütern hin zu Investitionsgütern, für die Hongkong das natürliche Finanzierungszentrum ist.

Seine angestrebten Wachstumsmärkte sind andere schnell wachsende Volkswirtschaften sowie der gesamte asiatische Kontinent und nicht länger die USA und Europa. Eine seiner zentralen Strategien innerhalb der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit besteht darin, in Partnerschaft mit Russland einen gesamtasiatischen Sicherheits- und Handelsblock aufzubauen, und der letzte Baustein dieses zehn Jahre alten Plans ist die Abwicklung des grenzüberschreitenden Handels ohne das Finanzsystem des Westens. China erwartet, dabei mit seiner Währung eine wichtige Rolle zu spielen, was erklärt, warum es seine Goldreserven aufstockt. Die Bedeutung des Goldes liegt darin, dass China den Menschen in Asien zeigen muss, dass seine Währung bessere langfristige Aussichten hat als der Dollar, was zum Teil erklärt, warum so viele der mit der SCO verbundenen Länder das Metall nun ebenfalls anhäufen. Diese Analyse wird durch ein bereits im April 2009 durchgesickertes Kabel der US-Botschaft in Peking bestätigt, das in der Datenbank von GATA eingesehen werden kann. Da der Iran und Indien ebenfalls den Beobachterstatus in der SCO haben, sind sie Teil der großen Strategie Chinas und haben ebenfalls Gold gekauft.

Irgendwann wird China seine Goldreserven neu ausweisen müssen, und da diese glaubwürdig und nicht unbedingt tatsächlich sein müssen, wird es wahrscheinlich eine passende Zahl veröffentlichen, die es als zweitgrößten Halter hinter den USA zeigt. Es geht jedoch vorsichtig vor, denn es muss sich aus den monetären Beziehungen zum Westen lösen, was idealerweise schrittweise geschehen sollte: Ein plötzlicher Rückzug könnte zu einem globalen Systemzusammenbruch führen und die eigenen Dollar-Anlagen untergraben.

Nun stellt sich die Frage, ob eine Verschärfung des US-Drucks auf den Iran und seine Partner im Ölhandel eine Ankündigung Chinas zu seinem Gold auslösen wird. Auf jeden Fall wird sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzen, warum Gold für die wirtschaftliche Zukunft Chinas, Russlands und ganz Asiens zentral ist. Chinas finanzielle und wirtschaftliche Ziele werden die großen Zentralbanken, die sich der Demonetisierung des Goldes verschrieben haben, völlig auf dem falschen Fuß erwischen.

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