Anmerkungen zur LBMA-Konferenz in Lissabon

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Gold gab diese Woche weiter nach, während Silber auf der Stelle trat, da die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen stiegen. Im europäischen Handel am heutigen Morgen lag Gold bei 1.625 US-Dollar, 19 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 18,34 US-Dollar, ein Plus von 11 Cent. Die Comex-Umsätze bei Gold waren eher niedrig, bei Silber moderat.

Auf der LBMA-Konferenz in Lissabon stellte Metals Focus diese Woche seinen „Precious Metals Investment Focus 2022/2023“ vor. Darin wurde festgestellt, dass die Zinspolitik der Fed die Edelmetallpreise nach unten treibe (mit Ausnahme von Palladium). Man erwarte, dass die Dollar-Zinsen bis ins nächste Jahr weiter steigen, eine harte Landung jedoch vermieden werde und Gold bis zum zweiten Quartal 2023 in einer Handelsspanne bleibe. Ferner prognostizierte man, dass „sich verbessernde Bedingungen die Risikobereitschaft der Anleger stärken sollten, was Investoren dazu bewegen könnte, eher in Aktien als in Gold umzuschichten“.

Die Annahmen des Berichts müssen hinterfragt werden.

Es ist festzuhalten, dass die Prognosen von Metals Focus ihre Berechtigung haben, solange Papiergold das Handelsgeschehen dominiert. Sie beruhen auf der Annahme, dass höhere Dollar-Zinsen Gold zu einer vergleichsweise unattraktiven Anlage machen. Und solange Papierhändler weiterhin investieren und desinvestieren, ohne die Lieferung zu verlangen, ist der Zinszusammenhang zwischen den Kreditmärkten und Papiergold eine logische Folge.

Wenn die Kreditmärkte stabil sind, können die Bullion-Banken und Hedgefonds auf dieser Grundlage miteinander handeln. Die Annahme, dass eine „harte Landung vermieden wird“, ist wesentlich dafür, dass die Papiermärkte den Preis kontrollieren. Doch wie ich in Grundsatzartikeln für Goldmoney dargelegt habe, drohen uns finanzielle und wirtschaftliche Verwerfungen durch eine Änderung des langfristigen Zinstrends und infolgedessen eine erhebliche Verringerung des Volumens der Bankkredite. 

Weit entfernt von dem im Focus beschriebenen günstigen Ausblick müssen sich die Aussichten für die Gold- und Silberpreise mit den folgenden Themen auseinandersetzen:

Die panglossianische Sicht der Händler an den Papiermärkten mag in ruhigeren Zeiten angemessen gewesen sein. Doch die letzte echte Inflationsangst hatten wir in den 1970er-Jahren, als Gold von 35 auf 850 US-Dollar stieg, während der US-Leitzins (Prime Rate) von 4,5 % im Februar 1972 auf einen Rekordwert von 21,5 % im Dezember 1980 kletterte. So viel dazu, dass höhere Zinsen die Goldpreise nach unten treiben.

Die Handelsmitglieder der LBMA verstehen die Ökonomie des Goldes nicht, nämlich dass physisches Gold Geld ist und keine Geldanlage. Und dass die Nachfrage nach Edelmetall das Angebot bereits übersteigt. Zunehmend laufen ihre Papierspiele auf Dunst.

 

 

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