Amerikas finanzielle Kriegsstrategie

Zusammenfassung

Amerikas erneuter Wunsch, die militärischen Spannungen zu verschärfen, dient als Fassade für den fortwährenden Finanzkrieg der USA, der sich diesmal gegen Nordkorea, Syrien und möglicherweise den Iran richtet. Dies dürfte die Einschätzung der strategischen Berater Chinas sein. Wir analysieren die Geopolitik und die Ökonomie hinter Amerikas Kriegsstrategie aus chinesischer Sicht und kommen zu dem Schluss, dass sie in ihre Schlussphase eintritt. Chinas Ausstiegsplan scheint darin zu bestehen, die Preisbildung für Energie und danach für andere wichtige Rohstoffe an das Gold zu koppeln und damit zum Status quo vor 1971 zurückzukehren, als der Dollar lediglich ein Abwicklungsglied zwischen Rohstoffpreisen und Gold war. Allerdings wird diesmal der Dollar selbst ins Abseits gestellt, soweit es China betrifft, das für sein Imperium stattdessen den Yuan verwenden wird. Gemessen am BIP wird dieses Imperium mit der Zeit weitaus größer sein als das der USA.

Einleitung

An dem Tag, an dem Präsident Trump sein Amt antrat, schien es, als werde es endlich eine Entspannung mit Russland geben, die zu einem Rückzug Amerikas aus ungewinnbaren Konflikten und zu einer neuen friedlichen Übereinkunft zwischen diesen langjährigen Gegnern führen würde. Doch innerhalb der traditionellen präsidialen Eingewöhnungszeit von hundert Tagen ist Trump von seinem Wahlprogramm des Rückzugs aus außenpolitischen Unternehmungen zu offener Aggression an mehreren Schauplätzen übergegangen.

Etwas Wesentliches hat sein Denken verändert. Trump hat in dieser kurzen Zeit nicht weniger als fünf Akte außenpolitischer Aggression begangen, ein sechster steht bevor. Der erste war eine gemeinsame Operation mit emiratischen Kommandos im Jemen, die fehlschlug und zum Tod eines Navy SEAL führte. Der zweite war der jüngste Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt als Reaktion auf einen angeblichen Giftgasangriff. Der dritte ist die Verschärfung der militärischen Drohungen gegenüber Nordkorea. Der vierte ist die Bombardierung eines Höhlensystems in Ostafghanistan. Und der fünfte ist die Entsendung weiterer Truppen in den Nordirak und nach Ostsyrien, um den Kampf gegen den IS zu verstärken. Auch die Rhetorik gegenüber dem langjährigen Feindbild Amerikas, dem Iran, wird verschärft.

Die drei Kriegsschauplätze mit den besten Aussichten auf eine weitere Eskalation sind Syrien, Korea und der Iran. Sie liegen in zwei Regionen, in denen erhebliche Mengen an Dollar gehalten und investiert werden, was das Potenzial für Kapitalflucht birgt. Dies sollte bei der Lektüre dieses Artikels bedacht werden.

Trump bemüht sich zudem um die Zustimmung des Kongresses zu einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben um insgesamt 54 Mrd. US-Dollar. Zur Einordnung: Diese gewaltige Steigerung ist mit dem gesamten Verteidigungshaushalt Russlands von 66 Mrd. US-Dollar vergleichbar.

Man geht üblicherweise davon aus, dass die militärische Macht und die Waffentechnologie Amerikas das Erreichen von Gefechtszielen garantieren. Seit der ersten Irak-Invasion im Jahr 1990 war dies in der Regel nicht der Fall. Seither wurden anfängliche Erfolge von späteren Fehlschlägen und unbeabsichtigten Folgen mehr als aufgewogen. Wegen der von den USA geführten Einsätze im Irak, in Afghanistan, in Libyen und in Syrien wird Europa von Flüchtlingen überschwemmt, unter denen sich verdeckt auch Terroristen befinden. Es besteht kaum Zweifel, dass ein nüchterner Analyst Amerika raten würde, auf Militäraktionen zu verzichten; es muss also andere Gründe für Amerikas Kriegstreiberei geben.

China, selbst seit Langem ein strategisches Ziel amerikanischer Aggression, dürfte die Verschärfung der Drohungen gegenüber Nordkorea mit Sorge betrachten, und das aus gutem Grund. Handelspolitisch ist Südkorea inzwischen ein wichtiger Partner, weshalb China keine Verschlechterung der Lage auf der koreanischen Halbinsel wünscht. Ebenso wenig will es, dass Amerika Gebiete sichert, die an seine Grenze reichen. Auch Russland hat eine kurze Grenze mit Nordkorea und dürfte diese Ansicht teilen. Russlands Handel findet jedoch weniger mit Südkorea statt, dafür ist es ein bedeutender Waffenlieferant des Nordens.

Der einzige Staatschef mit gutem Zugang zu Nordkoreas Präsident Kim Jong-un ist Russlands Präsident Putin. Als Trump erstmals gewählt wurde, waren Verhandlungen mit Nordkorea eine realistische Option, und es war sogar die Rede von einem Treffen Trumps mit Kim Jong-un. Der Weg zu Verhandlungen führte stets über Putin, und wenn er nicht tatsächlich versperrt ist, so ist er durch Amerikas Raketenangriff auf russische Interessen in Syrien doch deutlich erschwert worden.

Während die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in Korea droht (sie wurden 1953 nie offiziell beendet), werden China und Russland eine Eskalation der Lage mit Sicherheit vermeiden. Präsident Xi dürfte sich zu diesem Zweck ein eigenes Urteil über Präsident Trump gebildet haben, was aus Xis Sicht vermutlich der wichtigste Grund für das Treffen in Mar-a-Lago war. Die eher beiläufige Art, in der Xi Berichten zufolge bei Schokoladenkuchen über den Raketenangriff auf Syrien unterrichtet wurde, wirkt wie ein Machtspiel eines Geschäftsmanns, um einen Gegner zu beeindrucken. Es war kein staatsmännisches Handeln. Xi dürfte es als dilettantisch, ja sogar als Zeichen von Schwäche angesehen haben und könnte Putin in einer Nachbesprechung des Treffens diese Einschätzung mitgeteilt haben.

Das Verhältnis zwischen Russland und China ist stark, und beide dürften ihre strategischen Antworten auf die amerikanische Aggression in Korea und in Syrien abstimmen. Die Frage lautet: Wie werden sie reagieren, wenn Amerika seine kriegerischen Handlungen gegen Nordkorea, Syrien und möglicherweise den Iran weiter eskaliert? Hinweise ergeben sich, wenn wir dies aus chinesischer Sicht betrachten. Der einflussreichste Stratege der Volksbefreiungsarmee, Generalmajor Qiao Liang, legte seine strategische Gesamtphilosophie im Herbst 2015 auf einem Buchstudienforum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei dar. Seine Sichtweise kann als die der chinesischen Führung gelten.i

Chinas Arbeitsannahmen

Qiaos wirtschaftliche Analyse und seine Schlussfolgerungen sind sowohl interessant als auch wichtig, doch sollte man sie ebenso im Hinblick auf das lesen, was nicht gesagt wird, wie auf das, was gesagt wird. Sein Beitrag dürfte von Chinas Führung geprüft und freigegeben worden sein, bevor er veröffentlicht wurde. Insofern ist wahrscheinlich auch ein Element der Desinformation enthalten. Er dürfte zudem dafür gedacht gewesen sein, von ausländischen Regierungen studiert zu werden, um sie auf Amerikas wahre Beweggründe aufmerksam zu machen.

Mit diesen Vorbehalten im Hinterkopf können wir fortfahren. Qiaos zentrale These lautet, dass die USA den Dollar nutzen, um den Außenhandel und die Außenfinanzierung zu ihrem eigenen innenpolitischen Vorteil zu steuern. Vielen von uns ist die Auffassung vertraut, dass die USA durch den Export von Dollar und auf Dollar lautenden Bankkrediten Vermögen für die US-Regierung und die großen amerikanischen Banken schaffen und dass der Reservestatus des Dollars daher für die US-Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist. Qiao geht jedoch deutlich weiter: Er behauptet, die USA hätten seit der Aufgabe der Bindung des Dollars an den Goldpreis zu ihrem eigenen Vorteil einen Zyklus von Aufschwung und Abschwung unter den ausländischen Nutzern des Dollars in Gang gesetzt. Qiao formuliert es so:

Die USA vermieden eine hohe Inflation, indem sie den Dollar weltweit zirkulieren ließen. Sie müssen zudem das Drucken von Dollar begrenzen, um eine Abwertung des Dollars zu vermeiden. Was sollen sie also tun, wenn ihnen die Dollar ausgehen?

Die Amerikaner fanden eine Lösung: Sie gaben Schulden aus, um den Dollar in die USA zurückzuholen. Die Amerikaner begannen ein Spiel, bei dem sie mit der einen Hand Geld druckten und mit der anderen Geld liehen. Geld zu drucken kann Geld einbringen. Geld zu leihen kann ebenfalls Geld einbringen. Diese Finanzwirtschaft (mit Geld Geld zu verdienen) ist weitaus einfacher als die Realwirtschaft (die auf Industrie beruht). Warum sollte man sich mit verarbeitenden Industrien abmühen, die nur eine geringe Wertschöpfung ermöglichen?

Seit dem 15. August 1971 haben die USA ihre Realwirtschaft schrittweise zurückgefahren und sich einer virtuellen Wirtschaft zugewandt. Sie sind zu einer „hohlen“ Wirtschaft geworden. Das heutige US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat 18 Billionen US-Dollar erreicht, doch nur 5 Billionen Dollar stammen aus der Realwirtschaft.


Durch die Ausgabe von Schulden holen die USA
große Mengen an Dollar aus dem Ausland in die drei großen Märkte der USA zurück: den Rohstoffmarkt, den Markt für Staatsanleihen (Treasury Bills) und den Aktienmarkt. Die USA wiederholen diesen Kreislauf, um Geld zu verdienen: Geld drucken, Geld ins Ausland exportieren und Geld zurückholen. Die USA sind so zu einem Finanzimperium geworden.

Mit anderen Worten: Der Wohlstand Amerikas beruht auf einem „Pump-and-Dump“-Verfahren, das durch den Reservestatus des Dollars ermöglicht wird und die echte industrielle Produktion ersetzt. Ein Punkt verdient eine Klarstellung: Im Ausland gehaltene Dollar verlassen die USA nie, nur ihre Funktion ändert sich. Richtiger ist es zu sagen, dass die US-Regierung bewirkt, dass Dollar vom Außenhandel und von Investitionen in die Produktion abgezogen und in US-Staatsanleihen angelegt werden. Sie kann dies erreichen, indem sie die Risiken anderer Verwendungen im Vergleich zum Halten von US-Staatsanleihen erhöht, die als „risikofrei“ gelten.

Der erste von Qiao identifizierte Zyklus war die Ausweitung der Dollarmenge, die Mitte der Siebzigerjahre einen Boom in Lateinamerika auslösen sollte. Die Bankkredite wuchsen auf der Grundlage eines schwachen Dollars. Als die Inflation drohte, hoben die USA die Zinsen an, um den Dollar zu stärken, was dazu führte, dass Dollar aus riskanteren Verwendungen in sichere Staatsanleihen umgeschichtet wurden. Es folgte eine weitreichende Finanzkrise in Lateinamerika. Dadurch konnten amerikanische Anleger anschließend Produktivvermögen zu Schleuderpreisen erwerben (die Brady-Anleihen). Währenddessen stieg der US-Aktienmarkt ab 1981 kräftig, da die Zinsen in der Folge sanken.

Der zweite Zyklus richtete sich auf Südostasien, das auf der Grundlage eines ab 1986 schwächeren Dollars expandierte. Ab 1995 begann der Dollar sich zu festigen, was in einer Baisse-Attacke auf den thailändischen Baht gipfelte, die sich auf Malaysia, Indonesien und andere Länder der Region ausweitete. Das Phänomen der asiatischen Tigerstaaten wurde nicht von den Ländern selbst geschaffen und zerstört, sondern durch das Zu- und Abfließen von Dollarbesitz und Dollarinvestitionen. Qiao weist darauf hin, dass China diesem von den USA inspirierten Vorgehen entging. Wiederum flossen Dollar in US-Vermögenswerte zurück, diesmal zur Befeuerung des Technologie-Booms, der noch zwei Jahre andauern sollte.

Qiao geht so weit zu behaupten, das wichtigste Ereignis des zwanzigsten Jahrhunderts seien nicht die beiden Weltkriege gewesen, sondern die Aufgabe des Goldstandards durch die USA im Jahr 1971. Das ist eine gewichtige Aussage. Zwar erläutert er die Ereignisse, die zu diesem Schritt führten, überzeugend, doch liegt der Fehler in Qiaos Analyse in der Annahme, die USA hätten den Vorteilen aus dem Export von Dollarbesitz, nachdem sie von der Disziplin des Goldes befreit waren, absichtlich die Pump-and-Dump-Strategie zur Geldvermehrung hinzugefügt. Den US-Strategen im „Deep State“ fehlte mit großer Wahrscheinlichkeit das nötige Maß an Kontrolle über die Ereignisse.

Der wahre Grund für den Anstieg der US-Zinsen in den Jahren 1980/81 war, die ausufernde Inflation im Inland zu stoppen, die außer Kontrolle geriet. Der Zusammenbruch Lateinamerikas war nicht beabsichtigt. Die Asienkrise war größtenteils das Ergebnis von Fehlinvestitionen und schlichtem Kapitaldiebstahl, nicht von vorsätzlichen Handlungen der amerikanischen Regierung. Qiao behauptet, die Art und Weise, wie Dollar gezielt von ausländischen Investitionen abgezogen wurden, sei die Ausgabe von US-Staatsanleihen. Auch wenn die Vorteile dieses Pump-and-Dump-Zyklus für die USA in Qiaos Beschreibung offensichtlich erscheinen mögen, hängt die Ausweitung der Menge ausgegebener Staatsanleihen vor allem mit Kreditzyklen zusammen und ist nicht das Ergebnis zwielichtiger Machenschaften des „Deep State“. Wir können uns aber zumindest darauf einigen, dass die Folgen der Misswirtschaft Amerikas bei den eigenen Finanzangelegenheiten Qiaos Beobachtungen entsprechen.

Weniger leicht zu kritisieren ist Qiaos Analyse dort, wo es um die späteren Handlungen der USA geht. Er behauptet, Saddam Hussein sei gestürzt worden, weil er den Verkauf von Öl gegen Euro statt gegen Dollar eingeführt hatte. Das stimmte, und es besteht kaum ein Zweifel, dass die Bedrohung der Dollar-Hegemonie damit unterbunden wurde. Er behauptet, die Zerschlagung Jugoslawiens habe dazu gedient, den Status des neuen Euro zu untergraben. Der Euro verlor seit dieser Zeit 30 % seines Wertes und wurde als Abwicklungsoption für den Welthandel geschwächt. Wie Qiao weiter ausführt: „Nachdem die ersten Marschflugkörper in Kabul explodiert waren, sprang der Dow-Jones-Index an einem einzigen Tag um 600 Punkte nach oben.“

Qiao wendet sich dann dem aktuellen Zyklus (im Jahr 2015) der Dollar-Steuerung zu und behauptet, dieser sei nun gegen China gerichtet. In seinen Worten:

Es war so präzise wie die Gezeiten: Der US-Dollar war sechs Jahre lang stark. Dann, im Jahr 2002, begann er schwächer zu werden. Nach demselben Muster blieb er zehn Jahre lang schwach. 2012 begannen die Amerikaner, ihn auf eine Stärkephase vorzubereiten. Sie verwendeten denselben Ansatz: eine regionale Krise für andere schaffen.

Daher haben wir gesehen, dass mehrere Ereignisse mit China in Zusammenhang standen: der Untergang der Cheonan, der Streit um die Senkaku-Inseln (chinesisch: Diaoyu-Inseln) und der Streit um das Scarborough-Riff (chinesisch: Huangyan-Insel). All dies geschah in diesem Zeitraum. Der Konflikt zwischen China und den Philippinen um die Huangyan-Insel und der Konflikt zwischen China und Japan um die Diaoyu-Inseln scheinen vielleicht nicht viel mit dem US-Dollar-Index zu tun zu haben, aber war das wirklich so? Warum geschah es genau im zehnten Jahr der Schwäche des US-Dollars?

Leider spielten die USA zuvor [auf ihrem eigenen Hypothekenmarkt] zu sehr mit dem Feuer und stürzten sich 2008 in eine Finanzkrise. Dies verzögerte den Zeitpunkt des Dollar-Anstiegs ein wenig.

Wenn wir anerkennen, dass es einen Zyklus des US-Dollar-Index gibt und dass die Amerikaner diesen Zyklus nutzen, um andere Länder abzuschöpfen, dann können wir schließen, dass für die Amerikaner die Zeit gekommen war, China abzuschöpfen. Warum? Weil China die größte Menge an Investitionen aus aller Welt erhalten hatte. Die Größe der chinesischen Wirtschaft war nicht mehr die eines einzelnen Landkreises; sie war sogar größer als ganz Lateinamerika und etwa so groß wie die Wirtschaft Ostasiens.

Als Qiao der Zentralen Kommission der KPCh seine Abhandlung vorlegte, brach der Shanghaier Aktienmarkt zusammen, und seither kam es immer wieder zu Kapitalflucht, die die chinesischen Behörden nur schwer eindämmen konnten. Die Mainstream-Medien in den USA berichten durchweg negativ. Aus Qiaos Sicht deutet alles auf ein „Pump-and-Dump“ gegen China hin. China hat sich jedoch durch das staatliche Eigentum an den Banken und durch Kapitalverkehrskontrollen vor den Finanzangriffen Amerikas geschützt. Folglich können nur Ausländer Yuan verkaufen, um Dollar zu kaufen, oder Dollar aus ihren eigenen Betrieben abziehen, um in US-Staatsanleihen zu investieren. Der Schaden würde daher stets begrenzt bleiben.

China passt sich auch dem Wind an. Während Amerika seine maritime Vorherrschaft im pazifischen Raum ausbaut, bekämpft China dies nicht, sondern weitet lediglich seinen Einfluss nach Westen aus. Dies ist die Grundlage des Projekts „Neue Seidenstraße“ (One Belt One Road), über das bereits Güterzüge bis nach Madrid und London fahren.

China bevorzugt es, dass seine Handelspartner Zahlungen in Yuan annehmen, und wird ihnen auf Verlangen Yuan leihen. Mit der Zeit werden Yuan-Zahlungen über den Shanghaier Gold-Terminmarkt in Gold konvertierbar sein, sobald dieser mehr Tiefe gewinnt. Damit wäre der Yuan dem Dollar als Abwicklungswährung überlegen, auch wenn Qiao zu diesem Punkt schweigt. Mehr dazu weiter unten. Qiaos Analyse enthält implizit die Einsicht, dass das chinesische Imperium nicht nur im Handel weit größer als die USA werden wird, sondern dass es, weil es die Schwächen des amerikanischen Finanzimperialismus versteht, auch dauerhafter sein wird.

Die Lösung für die US-Schuldenobergrenze

Diese künftigen Ereignisse sind in Qiaos These implizit enthalten. Nehmen wir einen Moment lang an, seine These sei zutreffend, dann erscheinen Trumps Drohungen, einen regionalen Krieg um Nordkorea und/oder Syrien/Iran eskalieren zu lassen, in einem völlig anderen Licht. Zwar ist es sehr weit hergeholt zu glauben, dass der „Deep State“ der USA Ende der Neunzigerjahre plante, zunächst Lateinamerika und dann Südostasien „abzuschöpfen“, doch dürfen wir annehmen, dass die strategischen Berater der US-Regierung selbst erkannt haben, dass die Manipulation des Dollar-Wechselkurses auf diese Weise eine mächtige finanzielle Waffe ist, die den Staatsfinanzen Amerikas nützt und seine Gegner unter Kontrolle hält. Durch Drohungen gegen Nordkorea dürften Dollar-Investitionen aus Handel und Anlagen in Südkorea und Japan zurück in US-Staatsanleihen fließen.

Vorausschauend betrachtet könnte dies zwei drängende Probleme lösen: Erstens müsste der Kongress dazu bewegt werden, einer Anhebung der Verschuldungsgrenze zuzustimmen, wobei es stets leichter ist, den Kongress zur Finanzierung einer Regierung im Krieg zu bewegen. Zweitens müsste das notwendige dollardenominierte Kapital für den Kauf von US-Staatsanleihen angezogen werden, ohne die Zinsen erhöhen zu müssen. Der US-Regierung dürfte bewusst sein, dass höhere Zinsen begrenzt werden müssen, um das Risiko einer ausgewachsenen Schuldenkrise möglichst gering zu halten.

Wie schon bei der Asienkrise dürfte China von diesen negativen Kapitalflüssen nicht geschwächt werden. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, ist Amerika mit seinem Finanzkrieg gegen China bereits gescheitert und benötigt neue Opfer. Deshalb hat sich die Aufmerksamkeit auf die koreanische Halbinsel sowie den Nahen Osten verlagert. Trump hat nun erkannt, dass seine Präsidentschaft nur dann Erfolg haben kann, wenn er Kapitalflucht aus dem Ausland nach Amerika fördert und die Schuldengrenze anheben lässt, um sie aufzufangen. Dahinter steckt ganz sicher seine plötzliche Kehrtwende.

Japan und Südkorea haben Qiaos Papier höchstwahrscheinlich studiert, durchschauen nun Amerikas wahre Beweggründe und werden sich daher künftig eher vom Handel in Dollar distanzieren. Ihre Privatwirtschaft wird diese finanziellen Zusammenhänge nur langsam begreifen und somit weiterhin zu den Opfern zählen. Für Regierungen und Großunternehmen ist Amerikas Täuschung jedoch aufgeflogen. Dies dürfte uns in eine neue Welt führen, in der sich der Bedeutungsverlust des Dollars als Reserve- und Handelswährung beschleunigt, da Amerika die Opfer seiner „Pump-and-Dump“-Strategie ausgehen. Und wenn das geschieht, wird der Dollar mit nahezu sicherer Wahrscheinlichkeit rasch an Kaufkraft verlieren, was zu einem globalen Währungsneustart und einem weit höheren Goldpreis in Dollar führen dürfte.

Die auffällige Auslassung beim Gold

Ein Hinweis darauf, dass Qiaos Bericht zensiert wurde, ist das Fehlen jeglicher Erwähnung von Chinas Strategie der Goldakkumulation. Qiao erkannte zwar rasch die Bedeutung der Verbindung zwischen Gold und Dollar in den Jahren von Bretton Woods, doch erklärt er nicht, warum China Gold anhäuft, seit 1983 die ursprünglichen Vorschriften erlassen wurden, welche die Volksbank mit dieser Aufgabe betrauten. Es fehlt jede Erklärung, warum Gold nach der Eröffnung der Shanghai Gold Exchange im Jahr 2002 bei der normalen Bevölkerung beworben wurde, warum China so stark in den Goldbergbau investiert hat, dass es heute mit weitem Abstand der größte Produzent der Welt ist, und warum der Staat das Raffinationsmonopol behält und sogar Doré aus anderen Ländern zur Raffination und Akkumulation aufkauft. Nichts davon hilft uns zu verstehen, warum von chinesischen Staatsraffinerien hergestellte Goldbarren außerhalb Chinas kaum je zu sehen sind.

China legt großen Wert darauf, Gold zu horten, sowohl für sich selbst als auch für seine Bürger. Die Bevölkerung hat seit 2002 schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Tonnen erworben, und der Verfasser hat die Vermutung geäußert, dass die Regierung seit 1983 auf verschiedenen Konten bis zu weitere 20.000 Tonnen angehäuft hat. Für die Regierung entspricht das einer durchschnittlichen jährlichen Akkumulation von weniger als 600 Tonnen, überwiegend zu damaligen Preisen, die weit unter dem heutigen Dollarniveau lagen.

China ist jedoch noch weiter gegangen und versucht, den globalen Markt zu kontrollieren, indem es die Shanghai Gold Exchange mit großem Abstand zur größten physischen Börse macht. Das Land hat nun Gold-Futures in Yuan eingeführt, auf die mit der Zeit Öl-Futures in Yuan folgen werden. Dadurch können ausländische Händler von Rohstoffen und Handelswaren die Yuan, die sie im Gegenzug für Gold erhalten, auf Termin verkaufen, was die Attraktivität der in Yuan abgewickelten Handelsfinanzierung im Vergleich zum Dollar erhöht. Und sobald der Öl-Kontrakt in Yuan eingeführt ist, werden Ölimporteure die Yuan-Kontrakte nutzen, um Öl gegen Gold zu verkaufen.

Mit einem einzigen einfachen Schritt kann China die Preisstellung von Öl von Dollar auf Gold umstellen. Es muss lediglich den Abzug betätigen, vermutlich dann, wenn es seine eigenen Dollarreserven abgebaut hat, um Industrierohstoffe zu horten. Und wenn Öl über die Terminmärkte faktisch in Gold abgerechnet wird, ist zu erwarten, dass andere Rohstoffe folgen.

Für den amerikanischen Staat, der auf dem geopolitischen Schachbrett kurz davor steht, von China schachmatt gesetzt zu werden, dürfte dies keine Überraschung sein. Der Dollarpreis für Gold dürfte stark steigen, was den Kaufkraftverlust des Dollars widerspiegelt, und er wird das „exorbitante Privileg“ des US-Dollars beenden, das dieser seit dem Ende des Goldstandards 1971 genießt. Es könnte der Gnadenstoß für den Papierdollar und den amerikanischen Imperialismus sein.

Fazit

China denkt voraus und hat sein ganz eigenes Verständnis davon, wie Amerika sein Finanzimperium zum Nutzen der eigenen Volkswirtschaft und auf Kosten aller anderen verwaltet. China hat sich geschützt, und Amerikas Versuche, die chinesische Wirtschaft zu untergraben, sind bereits gescheitert. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf andere Ziele. Die jüngste Kriegstreiberei gegen Nordkorea, Syrien und möglicherweise den Iran hat viel damit zu tun, den Kongress zur Anhebung der Schuldenobergrenze zu bewegen und die Kapitalflucht zurück in eine neue Welle von US-Staatsanleihen zu fördern, ohne dass die Zinsen angehoben werden. Das erklärt auf plausible Weise Trumps Sinneswandel in Bezug auf Auslandsabenteuer.

Der aktuelle Versuch, die Volkswirtschaften Japans und Südkoreas durch eine Eskalation der Spannungen um Nordkorea sowie Länder mit Dollarguthaben im Nahen Osten durch eine Eskalation in Syrien, im Nordirak und im Iran zu manipulieren und anschließend auszunehmen („Pump-and-Dump“), wird voraussichtlich der letzte seiner Art sein. Chinas Veröffentlichung der Analyse von Qiao hat Regierungsstrategen überall auf die Anwendung dieser Taktik aufmerksam gemacht und ihre Wirksamkeit verringert. Amerika gehen die Dummen aus, die es schröpfen kann.

Das Endspiel für den Dollar und für Amerikas Abschöpfung fremder Länder ist daher in Sicht, und es wird voraussichtlich mit einer letzten Dollarkrise enden. China könnte diese zu einem Zeitpunkt seiner Wahl herbeiführen, indem es einfach den geplanten Yuan-Ölfutures-Kontrakt neben dem Yuan-Goldfutures-Kontrakt einführt. Sobald genügend Liquidität besteht, können Ölproduzenten Öl gegen Gold verkaufen, wodurch die Preisrelationen von vor 1971 faktisch wiederhergestellt würden. Dies erklärt die Dynamik, die sich auf höchster Ebene abspielt, und Amerika hat dabei am meisten zu verlieren. Da China jedoch weiterhin große Bestände an US-Staatsanleihen und Dollarreserven hält, zieht es den Gnadenstoß vorerst möglicherweise noch hinaus.

Doch es wird ihn ausführen. Ihr grundlegendes Ziel ist es, Amerika die Möglichkeit zu nehmen, davon zu profitieren, dass alles in Dollar bepreist wird. Logischerweise bedeutet das, Öl und andere wichtige Rohstoffe wieder in Gold zu beziffern, wie vor dem Nixon-Schock von 1971, wobei Papierwährungen lediglich als Abwicklungsmedium dienen. Amerika muss sich davor hüten, durch Angriffe auf Nordkorea, Syrien oder den Iran den Zeitpunkt des eigenen Untergangs vorzuziehen.

iEine Zusammenfassung der Rede von Qiao Liang finden Sie unter http://chinascope.org/archives/6458/76

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