Absicherung gegen das Ende des Fiatgeldes

Es wird allmählich deutlich, dass die Hegemonie des Fiat-Dollars ihrem Ende entgegengeht. Genau darum geht es beim BRICS-Gipfel in Johannesburg – um Ratten, wenn man so will, die das sinkende Schiff des Dollars verlassen. Da der Dollar lediglich durch einen brüchigen Glauben an ihn gedeckt ist, wird er zwangsläufig von ausländischen Haltern abgestoßen werden. Als reine Fiat-Währung könnte er sogar wertlos werden und die übrigen Fiat-Währungen der westlichen Bündnispartner mit in den Abgrund reißen.

Wie schützt man sein Papiervermögen vor einem solchen Ausgang? Die einen schwören auf Bitcoin, die anderen auf Gold.

Dieser Artikel untersucht, was voraussichtlich als Ersatz für das heutige Währungssystem entstehen wird, und kommt zu dem Schluss, dass Bitcoin und die gesamte Kryptowährungsbranche aus praktischen und rechtlichen Gründen gemeinsam mit dem Fiatgeld scheitern werden, während die Menschheit zum Gold zurückkehren wird, wie sie es in der Vergangenheit stets getan hat, wenn die staatliche Kontrolle über die Währung versagte.

Einleitung

Den Marktteilnehmern dämmert allmählich, dass die Ära der Fiat-Währungen zu Ende geht. Die Monetaristen, die uns als Erste vor den inflationären Folgen der Ausweitung von Geld und Kredit gewarnt haben, warnten auch als Erste davor, dass die Verlangsamung der Geldmengenausweitung in eine Rezession führen würde. Seither sind die Statistiken zur weit gefassten Geldmenge stagniert, und die Bankkreditvergabe beginnt zu schrumpfen. Makroökonomen deuten dies als das Ende der Inflation und als Rückkehr zu niedrigeren Zinsen, um eine Rezession abzuwenden.

Leider wird diese Schwarz-Weiß-Deutung, wonach es entweder Inflation oder Rezession gibt, aber nie beides, durch die Anleiherenditen weltweit infrage gestellt, die auf neue Höchststände steigen. Und die Charts zeigen uns, dass sie wahrscheinlich noch erheblich weiter steigen werden. Folglich ist die Überzeugung, die Inflation der Erzeuger- und Verbraucherpreise werde sich als vorübergehendes Phänomen erweisen, von Zweifeln durchsetzt.

Für diejenigen unter uns, die in der Marktwirtschaftslehre geschult sind und die Geld- und Wirtschaftslage der 1970er Jahre selbst erlebt haben, ist die Möglichkeit, dass Inflation und Rezession gleichzeitig auftreten, weniger überraschend. Man nannte es Stagflation, doch den Keynesianern gelang es nie, das gleichzeitige Vorliegen beider Zustände zu erklären. Der Fehler liegt zweifellos in Keynes’ Ablehnung des Say’schen Gesetzes, das besagt, dass wir produzieren, um zu konsumieren. Der keynesianische Irrtum bestand darin, die schlichte Tatsache zu ignorieren, dass steigende Arbeitslosigkeit zuerst die Folge sinkender Produktion ist. Eine allgemeine Überproduktion von Gütern in einer Depression, die Grundlage der keynesianischen Annahmen, kann es daher nie geben.

Wir sollten daher einräumen, dass eine Rückkehr zur Stagflation oder Schlimmeres durchaus möglich ist. Ebenso sind von hier aus weiter steigende Anleiherenditen möglich, ja sogar wahrscheinlich, wie die Charts so deutlich anzeigen. In den kommenden Wochen und Monaten, wenn die Anleiherenditen weiter steigen und die Zinsen mit nach oben ziehen, wird die Debatte darüber, wie man sich gegen diese unerwartete Lage absichern kann, zwangsläufig an Schärfe gewinnen. In der einen Ecke steht Gold, in der anderen stehen die Kryptowährungen, angeführt von Bitcoin. Beide haben ihre lautstarken Anhänger. 

Begeisterung ist jedoch keine vernünftige Grundlage für eine Anlage- oder Handelsstrategie. Sie führt Anleger in die Irre, ebenso diejenigen, die ihr Vermögen vor der Entwertung der Währungen schützen wollen, die sich in der anhaltenden und steigenden Preisinflation zeigt.

Stimmungsgetriebene Anlageentscheidungen übersehen tendenziell wichtige Fakten. In diesem Artikel vergleiche ich die maßgeblichen Fakten aus ganz grundlegender rechtlicher und monetärer Sicht, zunächst für Kryptowährungen am Beispiel von Bitcoin und dann für Gold.

Bitcoin als praktisches Geld

Anhänger von Bitcoin und Kryptowährungen argumentieren, dass diese das Geld der Zukunft seien. Insbesondere Bitcoin gilt als unbestechlich, gesichert und auf einer Blockchain selbstprüfend. Er ist streng auf die Obergrenze von 21 Millionen Coins begrenzt. Diese Begrenzung hat zu Schätzungen seines künftigen Werts in Fiat-Währung geführt, je nachdem, wie viel weitere Entwertung des Fiatgeldes ein Prognostiker erwartet. Und man kann überzeugend argumentieren, dass sich die Entwertungsrate des Fiatgeldes mit der Rückkehr der Stagflation wahrscheinlich weiter beschleunigen wird, was zu immer höheren Staatsdefiziten und stark steigender Staatsverschuldung führt. Man könnte erwarten, dass dies das Interesse an Bitcoin wieder anfacht und ihn auf neue Höchststände treibt.

Befürworter argumentieren, dass Bitcoin das Fiatgeld zunehmend ersetzen werde, sobald die breite Öffentlichkeit erkenne, dass Fiat-Währungen an Kaufkraft verlieren, weshalb das allgemeine Preisniveau steigt. Wir müssen jedoch unterscheiden, ob eine Währung, ob Krypto oder anderweitig, für alltägliche Transaktionen oder als Wertaufbewahrungsmittel genutzt wird. Im ersten Fall ist der Besitz der Währung, die aus dem Verkauf von etwas resultiert, nur vorübergehend, sodass ihr sich wandelnder Wert in Gütern über die Zeit für den Verkäufer, der sie als Bezahlung erhält, kaum von Interesse ist. Für den Sparer mit längerem Anlagehorizont spielt er hingegen sehr wohl eine Rolle.

Das Sparen, oder im Fall von Bitcoin besser gesagt das Horten, ist die Frage, mit der wir uns befassen müssen. Für einen Sparer ist eine zunehmende Kaufkraft der Währungseinheiten, auf die seine Ersparnisse lauten, wünschenswert. Es ist daher wahrscheinlich, dass Sparer ihre Bitcoin horten, anstatt sie zirkulieren zu lassen, da von der festen Obergrenze ihrer Menge zu erwarten wäre, dass sie ihren Wert fortlaufend steigert. Diese deflationäre Tendenz dürfte so stark sein, dass der gesamte Handel, der heute von Krediten abhängt, mit Ausnahme des Allernotwendigsten zum Erliegen käme. Zu Ende gedacht, würde die Welt schlicht in einen Feudalzustand mit Massenarmut zurückfallen.

Die Lösung kann nur darin bestehen, dass Bitcoin-Inhaber ihre Bitcoin an Kreditnehmer verleihen, damit wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden können. Das ist Kredit, und er bildet die Grundlage des gesamten Bankwesens und allen wirtschaftlichen Fortschritts. Der Bedarf an Krediten wird mit dem Ende der Fiat-Währungen nicht verschwinden, ebenso wenig wie sein Gegenstück, die Schulden. Tatsächlich ist der Besitz von Schuldverpflichtungen Vermögen und macht dessen größten Teil aus. Auf dieses Thema werde ich später in diesem Artikel eingehen. Betrachten wir jedoch zunächst den Unterschied zwischen Bitcoin und Bitcoin-Krediten.

Um etwas herzustellen, wird Kapital benötigt. Es ist eine einfache Tatsache, dass die Produktion dem Konsum vorausgeht. Es kann Jahre dauern, bis Fabriken errichtet und Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten ausgebildet und beschäftigt sind. Der Großteil dieser Finanzierung, wenn nicht sogar alles, erfordert Kredit. Dazu gehört ein Geschäftsplan, der alle Kostenfaktoren einschließlich der Finanzierungskosten berücksichtigt, um die Rentabilität eines Projekts abzuschätzen. 

Bei der Erstellung eines Geschäftsplans muss ein Unternehmer nicht nur alle Einsatzkosten und den endgültigen Verkaufswert des Produkts schätzen, sondern auch die Kosten für die Rückzahlung des geliehenen Kapitals. Vermutlich aber wird eine feste Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin zu höheren Bitcoin-Kosten künftiger Kapitalrückzahlungen führen. Die Ungewissheit über den künftigen Wert von Bitcoin wird die meisten Projekte voraussichtlich zum Scheitern bringen, noch bevor sich die Schwierigkeit stellt, die künftige Nachfrage nach Gütern vorherzusagen, die in steigenden und volatilen Bitcoin ausgepreist sind. Die Grenzen von Bitcoin würden mit nahezu völliger Sicherheit zu einem ausgeprägt deflationären Ausblick führen, da er als Grundlage für die Bewertung von Krediten schlicht nicht geeignet ist.

In dieser Hinsicht unterscheidet sich Bitcoin grundlegend von Gold, dessen Förderung langfristig ungefähr im Gleichschritt mit der Weltbevölkerung gewachsen ist. Zudem gibt es erhebliche oberirdische Goldreserven in Form von Schmuck, die monetären Funktionen zugeführt werden können, wenn die Märkte eine Änderung der Verwendung verlangen. Der Fehler im Argument, Bitcoin sei Geld, ist die Stärke des Goldes: seine Ungeeignetheit als Deckung für Kredit und die völlige Unflexibilität seines Angebots.

Mir ist nicht bekannt, dass sich im Bitcoin-Lager jemand ernsthaft mit diesen Fragen befasst hat oder sie überhaupt kennt. Es scheint, dass die „Hodler“ nicht verstehen, wie abhängig die Menschheit von Krediten ist. Stattdessen neigen sie dazu, den Kredit als das Problem abzutun. Ebenso fehlt jedes Verständnis für das Verhältnis zwischen Geld und Kredit in einer funktionierenden, stabilen Volkswirtschaft. Gerade die Bedingungen, die Bitcoin seinen Wert als unbestechliche Währung verleihen sollen, genügen, um ihn für diese Rolle völlig ungeeignet zu machen. 

Die Abkehr vom Kredit kommt noch hinzu, bevor man uns zumutet hinzunehmen, dass Bitcoin für die große Mehrheit der Nutzer völlig ungeeignet ist, weil sie nicht technikaffin genug sind, ihn auch nur zu verstehen. Eine Währung muss einfach genug sein, damit ihre Nutzer sie verstehen. Die Förderung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist der Traum einer Elite technisch Versierter und von Spekulanten, die sich an dessen Konzepte anhängen.

Dann ist da noch die Rechtslage. Ohne ein eigens erlassenes Gesetz, das Bitcoin oder einer anderen Kryptowährung den rechtlichen Status von Gold verleiht, besitzt sie nicht den erforderlichen rechtlichen Status. Hodler erkennen nicht, dass rechtlich nur bestimmte Dinge als Geld fungieren können. 

Um den Unterschied zwischen dem, was als Geld gelten kann, und dem, was nicht, zu verstehen, müssen wir den Unterschied zwischen dem Besitzrecht und dem Eigentumsrecht bestimmen. Wenn ich einem Freund ein Buch leihe, räume ich ihm für eine gewisse Zeit ein Besitzrecht ein, doch es bleibt mein Eigentum. Das Eigentum an dem Buch ist nicht auf ihn übergegangen. Wenn ich zu seinem Haus ginge, um das Buch abzuholen, und er nicht zu Hause wäre, stünde es mir frei, das Buch an mich zu nehmen, wenn ich es sähe (wobei ich ihn aus Höflichkeit wissen lassen sollte, dass ich mein Eigentum zurückgeholt habe). Im römischen Recht wurde dies als Commodatum bezeichnet, definiert als „eine unentgeltliche Leihe beweglicher Sachen, die der Entleiher gebrauchen und zurückgeben soll“.

Geld und Kredit werden anders behandelt, ebenso verbrauchbare Gegenstände wie Speisen und Getränke. Werden diese verliehen, geht das Eigentum daran vollständig über; im Gegenzug entsteht für den Empfänger die Verpflichtung, das Gleichwertige in gleicher Art, Güte und Menge zurückzugeben. Um das Beispiel des Commodatums fortzuführen: Hätte ich meinem Freund statt eines Buches 100 US-Dollar geliehen, und fände ich bei dem Versuch, die Rückgabe bei ihm zu Hause einzufordern, ihn nicht vor, sähe aber seine zurückgelassene Geldbörse und entnähme ihr 100 US-Dollar, so machte ich mich des Diebstahls schuldig.

Im römischen Recht heißt das Darlehen von Geld, Kredit und zum Verbrauch bestimmten Gegenständen Mutuum und wird definiert als „die Hingabe einer vertretbaren Sache, die durch eine gleichartige Sache derselben Art, Güte und Menge zurückzugeben ist“. 

Zwar sind die englischen Begriffe „lend“ und „loan“ mehrdeutig, doch der Unterschied zwischen Commodatum und Mutuum wird von uns allen bis heute klar erkannt, wie die unterschiedliche Behandlung eines geliehenen Buches und von 100 US-Dollar zeigt. Dieselben Bedingungen gelten für den strafrechtlichen Diebstahl. Stiehlt ein Dieb Ihr Auto und verkauft es an einen ahnungslosen Käufer weiter, bleibt es Ihr Eigentum, und Sie können es ohne Entschädigung des schuldlosen Käufers zurückfordern. Stiehlt ein Dieb jedoch Ihre Geldbörse oder leert Ihr Bankkonto, haben Sie nur Ansprüche gegen den Dieb, und Ihr Eigentum an dem Geld oder Kredit ist verloren.

In diesem rechtlichen Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Behandlung vollständig identifizierbarer Bitcoins, deren Besitz in einer Blockchain verzeichnet ist. Verkauft Ihnen jemand einen Bitcoin gegen Währung, gelangt dieser zweifellos in Ihren Besitz. Wurde der Bitcoin jedoch zuvor gestohlen, etwa aus einer Krypto-Wallet, stand er niemandem zum Verkauf zu und bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Besitz desjenigen, dem er gestohlen wurde. Entscheidend ist: Zwar hat jeder Bitcoin oder Bruchteil eines Bitcoins denselben Wert wie ein anderer, doch die Blockchain verleiht jedem Bitcoin oder Teil davon eine eigene Identität. Er ist daher nicht vertretbar wie Banknoten oder Kredit, und er wird auch nicht verbraucht; deshalb kann er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Mutuum sein. Die Rechtsprechung und Rechtstradition sprechen daher dafür, dass das Eigentum daran nicht übergegangen ist, wenn er in der Vergangenheit aus einer Straftat stammte; er ist somit als Commodatum zu betrachten.

Dies ist ein erhebliches Problem für Bitcoin, der zum bevorzugten Mittel der Geldwäsche für Kriminelle und Steuerhinterzieher geworden ist. Während die Kriminalität in römischer Zeit einfacher gelagert war, haben Regierungen sie heute so erweitert, dass bereits bloßer Verdacht als Grund für die Beschlagnahme von Vermögen genügt. Mithilfe von Software können Ermittler Bitcoin-Wallets mit realen Identitäten verknüpfen, die den Behörden von Krypto-Börsen leicht zugänglich sind. Unternehmen wie Chainalysis arbeiten erfolgreich mit dem FBI zusammen, um Wallets zu identifizieren, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen. Die Spur dieser Wallets führt eindeutig zu denjenigen, die später Bitcoin erworben haben und davon ausgehen, dass er nun ihr Eigentum sei.

Sie können daher nicht sicher sein, dass der über eine Börse erworbene Bitcoin nicht von den Behörden beschlagnahmt wird, weil ein Vorbesitzer ihn aus Erträgen einer Straftat erlangt hat. Sie können nicht gewiss sein, dass Ihr Eigentum unbelastet ist. Allein aus rechtlichen Gründen kann Bitcoin ohne Gewissheit über das Eigentum nicht als allgemeines Tauschmittel dienen.

Warum Kredit wichtig ist

Bei der Erörterung der Praxistauglichkeit von Bitcoin als Geld wurde bereits darauf hingewiesen, dass er sich nicht als Medium eignet, aus dem Kredit seinen Wert bezieht, und dass Befürworter diese wesentliche Funktion offenbar übersehen haben. Tatsächlich gilt die Schaffung von Bankkredit vielen sowohl im Gold- als auch im Bitcoin-Lager als böse, weshalb sie sagen, einer der wichtigsten Vorteile von Bitcoin sei, dass er die Schöpfer von Kredit überflüssig mache. Wer dieser Argumentation folgt, verkennt, dass alles Geld und alle Zahlungsverpflichtungen tatsächlich Kredit sind und die vorübergehende Aufbewahrung nicht verbrauchter Produktion darstellen. Da unser gesamter Konsum seinen Ursprung in der Produktion hat, ist das Tauschmittel eine Frage der Intermediation.

Es gibt zwei unterschiedliche Formen dieses Kredits: eine ohne Gegenpartei, die nur in Gestalt von Gold, Silber oder Kupfer vorliegt, das der Bequemlichkeit halber geprägt wurde. Etwas anderes kann sie nicht sein, wenn wir den Tauschhandel ausschließen. Der richtige Begriff für Münzen ist Geld, um sie von Zahlungsversprechen in Geld zu einem späteren Zeitpunkt zu unterscheiden, die Kredit sind.

Als Recht auf künftige Zahlung steht Kredit stets einer Verpflichtung des Schuldners gegenüber. Letztlich sind dieses Recht und die entsprechende Verpflichtung in Geld zu erfüllen, auch wenn sie heute in der Praxis im Wege der Abwicklung durch anderen Kredit ersetzt (novatiert) werden. Es handelt sich nicht um die Übertragung von Geld, dennoch ist Kredit eine Form von Eigentum. Dass Kredit Eigentum ist und einen Wert in Gütern und Dienstleistungen hat, beruht auf seiner Übertragbarkeit. Dies zeigt sich in der Bewertung von Finanzanlagen, die zusammen mit dem Eigentum an körperlichen Gegenständen das Vermögen einer Person ausmachen. 

In jeder Volkswirtschaft, die über den feudalen Zustand hinausgewachsen ist, macht Kredit den weitaus größten Teil, wenn nicht das gesamte Zahlungsmittel aus. Und je weiter das Wirtschaftssystem ausgereift ist, desto weniger Geld ist im Umlauf. Es ist schlicht bequemer, Kredit zu verwenden, seien es Banknoten, Bankeinlagen oder individuelle Kreditvereinbarungen, wie sie zwischen Familien und Freunden bestehen.

Rechtlich hat Geld einen allgemeinen und dauerhaften Wert, während Kredit einen besonderen und unsicheren Wert hat. Das heutige Problem besteht darin, dass diese Unterscheidungen zwischen Geld und Kredit nur unzureichend verstanden werden. Wer sich zu „solidem Geld“ bekennt, erkennt diese entscheidende Unterscheidung selten und erklärt regelmäßig, solides Geld sei eine Politik und keine Definition. Dementsprechend nehmen diese Personen fälschlicherweise an, von einer Zentralbank ausgegebene Banknoten seien Geld, obwohl es sich tatsächlich um Kredit mit Gegenparteirisiko handelt, dessen Wert in Bezug auf Waren und Dienstleistungen untergraben werden kann.

Dies führt uns zu der Frage, wie Kredit bewertet wird. Jeder Kredit, einschließlich der von staatlicher Stelle ausgegebenen Banknoten, muss seinen Wert von etwas ableiten. Ist er jedoch kein glaubwürdiger Ersatz für das, was die Römer ursprünglich als Geld definierten, wird der Wert von Kreditverpflichtungen von Natur aus instabil. Darüber hinaus verleitet die Aufgabe der Bindung des Kredits an das Geld eine Regierung dazu, durch Entwertung der Währung mehr auszugeben, als sie an Steuern einnimmt, und genau das geschieht heute in zunehmendem Maße. Nicht der Kredit ist das Übel, sondern seine Loslösung vom Geld.

Die rechtliche Stellung und die Geschichte des Goldes als Geld

Als Tauschmittel besteht die Funktion des Geldes darin, die Verhältnisse von Waren und Dienstleistungen zueinander anzupassen. Somit bezieht sich der ausgedrückte Preis stets auf die Waren, wobei das Geld völlig neutral ist. Es ist daher falsch, Geld als etwas mit einem Preis zu betrachten. Dies sollte man im Verhältnis zwischen gesetzlichem Geld, sei es Gold oder Silber, dem heutzutage üblicherweise ein Preis in Fiat-Währungen zugewiesen wird, und den Fiat-Währungen selbst bedenken, denen aufgrund ihres Status als gesetzliches Zahlungsmittel irrtümlich der Status von Geld zugeschrieben wird. Das Verhältnis zwischen Geld und Kredit wurde auf den Kopf gestellt. Das Ausmaß dieses Irrtums wird deutlich, wenn man versteht, was rechtlich Geld und was Kredit ist. Dieses Verständnis beginnt wiederum beim römischen Recht.

Das römische Recht wurde zur Grundlage der Rechtssysteme in ganz Europa und damit auch derjenigen der von Europäern besiedelten Regionen: von Nordamerika über Lateinamerika durch spanischen und portugiesischen Einfluss und die Niederländer im Fernen Osten bis hin zum gesamten Britischen Empire. Wie die Athener war Rom der Auffassung, dass Gesetze das Mittel seien, mit dem sich der Einzelne voreinander und vor dem Staat schützen könne. Es war jedoch insbesondere Rom, das das Recht allgemein in einem praktischen und zugänglichen Referenzwerk kodifizierte.

Die ersten Aufzeichnungen römischer Gesetze und der darauf folgenden Rechtsprechung waren die Zwölftafelgesetze von 449 v. Chr. Sie wurden zur Grundlage, auf der einzelne Juristen in den folgenden tausend Jahren ihre Entscheidungen erläuterten, weiterentwickelten und fortbildeten. Das gesamte Rechtssystem wurde anschließend im Corpus Juris Civilis Kaiser Justinians zusammengefasst, auch bekannt als die Pandekten. Als das Reich nach Konstantinopel verlegt wurde, wurde das Corpus ins Griechische übersetzt und schließlich zur Zeit der Basilianischen Dynastie im zehnten Jahrhundert in den Basilika neu herausgegeben. Diese Fassung wurde zur Grundlage des europäischen Rechts im Mittelalter, mit Ausnahme Englands. Ein bedeutender Jurist des neunzehnten Jahrhunderts, der auf das Bankwesen spezialisiert war, formulierte den Grund dafür, dass das Common Law in England abwich, wie folgt:

„Die Römer verließen Britannien am Ende des fünften Jahrhunderts, und das Common Law Englands zum Thema Kredit entsprach genau dem Stand bei Gaius, dem Lehrbuch des römischen Rechts im gesamten Reich zu der Zeit, als die Römer Britannien aufgaben.  Am 1. November 1875 wurde jedoch das Common Law Englands zum Kredit durch die Equity abgelöst, die schlicht das Recht der Pandekten Justinians ist.“[i]

Insgesamt waren zwischen den Zwölftafelgesetzen und der Bekräftigung der Pandekten Justinians in der Fassung von Dionysius Gottfried in Genf zweitausend Jahre Rechtsentwicklung vergangen, und zwar im Corpus Juris Civilis, das 1583 n. Chr. aus den griechischen Basilika ins Lateinische rückübersetzt wurde.

Für unser Thema ist der Abschnitt Digesten des Corpus von Bedeutung. Die Digesten sind eine Enzyklopädie mit über neuntausend Verweisen auf namhafte Juristen, die im Laufe der Zeit zusammengetragen wurden. Besonders prominent sind darin die Verweise auf Ulpian, der 228 n. Chr. starb und als Jurist wesentlich dazu beitrug, die Rechtsstellung von Geld und Kredit sowie die Unterscheidung zwischen beiden zu festigen. Die Digesten definierten Eigentum, Verträge und Straftaten. Unser Interesse an Geld und Kredit wird durch die Entscheidungen zu Eigentum und Verträgen abgedeckt.

Den regulären Verwahrungsvertrag definiert Ulpian in einem Abschnitt mit dem Titel Deposita vel contra (über Einlagen und Rückforderungen). Eine reguläre Verwahrung definierte er wie folgt:

„Eine Verwahrung ist etwas, das einem anderen zur sicheren Aufbewahrung gegeben wird. Sie heißt so, weil eine Sache posita (also hingelegt) wird. Die Vorsilbe de verstärkt die Bedeutung und bringt zum Ausdruck, dass alle Pflichten, die mit der Obhut über die Sache verbunden sind, dieser Person obliegen.“[ii]

Ein weiterer in den Digesten häufig zitierter Jurist, Paulus von Alfenus Varus, unterschied zwischen dem oben von Ulpian definierten regulären Verwahrungsvertrag und einer unregelmäßigen Verwahrung oder mutuum. Für diesen letzteren Fall vertrat Paulus die Auffassung:

„Hinterlegt jemand einen bestimmten Betrag an losem Geld, das er zählt und weder versiegelt noch in etwas eingeschlossen übergibt, so besteht die einzige Pflicht des Empfängers darin, denselben Betrag zurückzugeben.“[iii]

Ein mutuum geht also in den Besitz des Empfängers über. Dem Hinterleger steht ein Klagerecht zu, das er jederzeit ausüben kann; dem entspricht die Pflicht des Empfängers, denselben Betrag zurückzugeben. Bis dahin wird das Geld Eigentum des Empfängers, der damit nach Belieben verfahren kann. Dies ist die rechtliche Grundlage des modernen Bankwesens.

Eindeutig ist der Präzedenzfall in den Digesten, dass Geld stets metallisch ist. Zwar kann alles in die Obhut eines anderen gegeben werden, doch gelten diese Rechtsentscheidungen vor allem der Behandlung vertretbarer Sachen, insbesondere von Geld. Nur durch eine unregelmäßige Verwahrung (oder mutuum) wird der Hinterleger zum Gläubiger. Indem zwischen regulärer und unregelmäßiger Verwahrung unterschieden wird, wird zwischen dem, was seit der Antike als Geld gilt, und einem Versprechen der Rückzahlung desselben Betrags unterschieden, das wir heute als Kredit mit einer entsprechenden Zahlungsverpflichtung kennen.

Ein Punkt bedarf noch der Klärung, und er betrifft eher den Kredit als das Geld. Wie oben erwähnt, wurden Justinians Pandekten ein Jahrhundert nach dem Abzug der Römer aus Britannien zusammengestellt. In dem Gebiet, das später aus verschiedenen Königreichen zu England und Wales vereinigt wurde, unterschied sich das Common Law darin, dass Forderungen nicht frei übertragbar waren. Der Übernehmer einer Forderung konnte nur als Bevollmächtigter des Übertragenden klagen. Damit war die Forderung als Vermögensgegenstand anders gestellt als andere übertragbare Vermögenswerte. Justinian beseitigte diese Anomalie als Überbleibsel des alten römischen Rechts (der oben erwähnten Gesetze des Gaius) und erlaubte dem Übernehmer, den Schuldner im eigenen Namen zu verklagen. Ohne diese Änderung wäre der Status einer besonderen und unsicheren Forderung als Vermögenswert zweifelhaft.

Diese Anomalie im englischen Recht wurde erst bereinigt, als der Court of Chancery im November 1875 durch ein Parlamentsgesetz mit dem Common Law verschmolzen wurde. Seither entspricht die Rechtsstellung von Geld und Kredit im englischen Recht in jeder Hinsicht den Pandekten Justinians.

Während die rechtliche Stellung des Geldes klar ist, unterscheidet sich die wirtschaftliche Betrachtung im technischen Sinne. Jean-Baptiste Say wies darauf hin, dass Geld die Arbeitsteilung erleichtert. Technisch gesehen ist Geld nicht verausgabte Arbeit und damit ein noch nicht eingelöster Kredit. Verschiedene andere klassische Ökonomen vertraten dieselbe Auffassung. Adam Smith schrieb, eine Guinea könne als Anweisung auf eine bestimmte Menge an Bedarfs- und Komfortgütern bei allen Händlern der Nachbarschaft betrachtet werden. Henry Thornton sagte, Geld jeder Art [einschließlich Kredit] sei eine Anweisung auf Waren. Bastiat und Mill äußerten sich ähnlich.[iv] Die funktionale Ähnlichkeit von Geld und Kredit hat zweifellos zu Verwirrung über die eigentliche Bedeutung der Begriffe geführt.

Von übergeordneter Bedeutung ist jedoch der rechtliche Unterschied, denn er beruhte auf dem Grundsatz, dass es eine klare Trennung zwischen metallischem Geld und einer Zahlungspflicht gibt. Geld ist dauerhaft, Kredit ist es nicht. Geld birgt kein Kontrahentenrisiko, Kredit hingegen schon. 

Die moderne Vorstellung, Geld könne abgeschafft und durch Banknoten ersetzt werden, ist daher falsch. Und es ist die weit verbreitete Unkenntnis des etablierten Verhältnisses zwischen Geld und Kredit, sowohl rechtlich als auch praktisch, die zu dem Irrtum geführt hat, Bitcoin könne das neue Geld für die moderne Zeit sein. Wir müssen uns daher solche Gedanken aus dem Kopf schlagen.

Die Zukunft der Kryptowährungen

Es war leicht, auf die Vorzüge der Kryptowährungsrevolution hinzuweisen. Das Blockchain-Konzept verspricht eine Umwälzung bei der Erfassung von Eigentumsrechten. Und die Popularität von Bitcoin hat eine breitere Öffentlichkeit auf die Entwertung der Fiat-Währungen durch die Regierungen aufmerksam gemacht – das ist zweifellos ein Gewinn für die Allgemeinheit. Zum besseren Verständnis von Geld und Kredit hat sie jedoch offenbar bei niemandem beigetragen.

Die Krypto-Revolution hat in Form digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs) ein mögliches Übel hervorgebracht. Sie wurden ursprünglich von Zentralbankern entworfen, die ihr eigenes Handwerk offenbar nicht verstehen, als Reaktion auf die Bedrohung ihrer Fiat-Monopole durch privatwirtschaftliches Geld. Ihre Unkenntnis betrifft die oben beschriebene Rechtslage: Schließlich setzt die Loslösung einer nationalen Fiat-Währung vom gesetzlichen Geld voraus, dass der Verantwortliche die tatsächliche Rechtslage leugnet. 

Die Zentralbanken zeigten ihre Missachtung der Gesetze des Geldes zusätzlich, indem sie einen Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die die Politik der Zentralbanken koordiniert, damit beauftragten, die Vorteile einer CBDC für eine Zentralbank und ihre Regierung zu prüfen. Im Sinne staatlicher Interessen kommt der BIZ-Ausschuss zu dem Schluss, dass CBDCs den Regierungen totalitäre Kontrolle über die Wirtschaftstätigkeit verschaffen könnten. Die vor Jahrtausenden begründete Rechtslage wurde in den Beratungen nirgends beachtet oder auch nur erwähnt.

Der Grund, weshalb die rechtliche Stellung von Gold als Geld Bestand hatte, während autoritäre Regierungen kamen und gingen, liegt darin, dass die Römer ein völlig natürliches Verhältnis zwischen Geld, seinem Wesen und Kredit definierten. Ursprünglich wurde Geld von den Menschen bestimmt, die es nutzen, und das ist bis heute so. Sie schaffen Kredit auf der Grundlage des Wertes des Geldes. Diese Praxis entwickelte sich aus der Kreditschöpfung auf der Grundlage von Gütern, die im Tauschhandel gehandelt werden konnten. Kredit muss die Art gewesen sein, wie die Phönizier ihren Handel finanzierten, lange bevor ihre Stadtstaaten dazu übergingen, bequem Metalle zu münzen, was etwa zur selben Zeit wie die Zwölftafelgesetze Roms geschehen sein dürfte.

Während die Römer den praktischen Erfordernissen des Handels und der natürlichen Entwicklung der Zahlung in Gold-, Silber-, Kupfer- oder Bronzemünzen große Aufmerksamkeit schenkten und dies in ihrem Recht verankerten, ist die staatliche Geldtheorie stets gescheitert. Die Einführung von CBDCs ist nur eine weitere staatliche Geldtheorie. Und obwohl sie verspricht, die Ziele des Autoritarismus zu fördern, ist sie ebenfalls zum Scheitern verurteilt.

Die schiere Unpraktikabilität hat die Bank of England in ihrem Weißbuch bereits dazu veranlasst, die zentrale These der BIZ zurückzuweisen, wonach eine CBDC in Pfund Sterling das Geschäftsbankensystem umgehen und vollständig unter der Kontrolle einer Zentralbank stehen werde. Die Gründe für das Vorgehen der Bank sind durchaus vernünftig: Der bürokratische Aufwand für die Einrichtung einer CBDC, bei der jede Person und jedes Unternehmen ein Konto bei der Bank of England eröffnen müsste, würde Jahre für Planung, Tests und Umsetzung erfordern. Und in den USA, wo die große Mehrheit der Abgeordneten für die Finanzierung ihrer Wahlkämpfe auf Spenden der Banken angewiesen ist, können wir sicher sein, dass jeder CBDC-Vorschlag der Bundesregierung stark abgeschwächt würde, um bestehende Bankinteressen nicht zu beeinträchtigen.

Das Schicksal der gesamten CBDC-Saga dürfte sich als Ablenkungsmanöver erweisen. Und ich hoffe, in diesem Artikel überzeugend dargelegt zu haben, dass es unmöglich ist, dass Bitcoin oder eine andere Kryptowährung die Rolle einer Währung erfüllen kann. Es bleibt nur die Frage nach ihrer Zukunft, wenn ihnen diese Rolle verwehrt bleibt.

Es ist nun 52 Jahre her, dass der Dollar und mit ihm alle anderen Währungen vollständig zu Fiat-Geld wurden. Die maßgeblichen Faktoren zu beschreiben, geht über den Rahmen dieses Artikels hinaus, doch es gibt zunehmend Anzeichen dafür, dass die gegenwärtige Phase der dollarbasierten Fiat-Währung wie alle früheren zu Ende geht. Daher können wir erwarten, dass ein neues Geldsystem an ihre Stelle tritt. Da Bitcoin für diese Aufgabe nicht geeignet ist, können wir sicher sein, dass sich der Daseinsgrund von Bitcoin als rein spekulativ herausstellen wird.

Wenn das Fiat-Geld stirbt, ist daher zu erwarten, dass das gesamte Phänomen der Kryptowährungen und der CBDCs mit ihm stirbt. Man kann es als modernes Mississippi-Unternehmen oder als South-Sea-Blase abhaken; beide verdankten ihre Existenz spekulativen Exzessen, die durch Kredit finanziert wurden – genau wie Bitcoin.


[i] Siehe HD Macleod, The Elements of Banking, Longmans Green & Co, 1877

[ii] Siehe de Soto, Money, Bank Credit, and Economic Cycles, Kapitel 1.

[iii] ebd.

[iv] Aufgeführt in HD Macleod, The Elements of Bankin

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