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Anstehende Eruption der Silberkurse

2012-DEZ-03

Silver coins Die Rückschläge, die Gold und Silber am Mittwoch an den US-Terminmärkten (Comex) hinnehmen mussten, waren bis zu einem gewissen Grad vorsagbar. Grund dafür waren die enormen Short-Positionen der Commercials (Produzenten, Veredler, Verarbeiter, Bullionbanken und Swap-Händler); sie haben also ein gemeinsames Interesse an sinkenden Preisen. Das gilt ganz besonders für den Silbersektor, wie man unten sehen kann.

Silver long-short spread

Der Chart zeigt die Verteilung der Long- und Short-Positionen in der Kategorie der Commercials nach Stand vom 27.November 2012. Die Short-Positionen der Commercials (die rote Linie) liegen jetzt bei 99.317 Kontrakten oder 495.585.000 Unzen; das entspricht etwa zwei Dritteln der globalen Bergbauproduktion eines Jahres. Seit 2009 waren die Commercials nicht mehr so stark als Leerverkäufer positioniert. Da auch die Anzahl ihrer Long-Positionen gestiegen ist, wurden unterm Strich aber noch keine Rekordstände erreicht, mit 9.212 Kontrakten liegen diese aber in Reichweite.

Der Blick auf die Brutto-Short-Positionen der Commercials ist aber deshalb gerechtfertigt, weil es sich bei den Shorts größtenteils um Bullionbanken handelt und um Produzenten, die ihre zukünftigen Kosten absichern (ihre Produktion wird durch die Bullionbanken geschleust). Die Long-Positionen aus der Kategorie der Commercials sind da etwas authentischer; es handelt sich meist um Hersteller aus Industrie, die physisches Metall nachfragen und sich die aktuellen Kurse und somit ihre zukünftigen Gewinnspannen sichern wollen. Die Swap-Händler, auch hier dominieren zumeist die Bullionbanken, positionieren sich auf beiden Seiten. Hinsichtlich der Positionierung der „Liquiditätversorger“ des Terminmarktes kann die Brutto-Short-Position, im Vergleich zur Nettobilanz, als der bessere Indikator gelten.

In einem korrekt funktionierenden Markt ist die öffentliche Nachfrageseite unterm Strich immer „long“, und in einem Bullenmarkt sind die „Liquiditätsversorger“ – z.B. die Marktmacher, oder in diesem Fall die Bullionbanken – unterm Strich immer „short“. Die Kunst ist es nun, mit den eigenen Positionen im Trading mehr Gewinne zu erzielen als Verluste. Folgender Grundsatz gilt: Man darf sich nur so stark auf der Leerverkäuferseite engagieren, dass man im Notfall immer noch in der Lage ist, die eigenen Short-Positionen einzudecken. Die Bullionbanken ignorieren dieses Grundprinzip aber. Jetzt haben sie ein Problem. Die aktiv gemanagten Fonds setzen diesem überkauften Marktumfeld hingegen keine rekordverdächtigen Short-Positionen entgegen, ihr Engagement am Markt ist eher moderat. Ihre Marktpositionierung geht aus dem nächsten Chart hervor.

Silver money managers

Die Vermögensverwalter (meist Hedgefonds) haben ihre Long-Positionen zwar fast verdoppelt und ihre Short-Positionen seit Juli zudem drastisch reduziert, allerdings liegt ihr Engagement auf der Long-Seite nur leicht über dem Durchschnitt: Das reicht kaum für ein überkauftes Marktumfeld, welches für einen Großangriff der „Bären" taugen würde. Vor diesem Hintergrund befinden sich die Bullionbanken, die am Markt short sind, in einer potentiell prekären Lage, insoweit sie nicht irgendwo eine große physische Silberquelle anzapfen können. Diese gibt es aber nicht, wenn wir davon ausgehen, dass die 315 Millionen Unzen des iShares Silver Trust nicht zur Verfügung stehen. Es lässt sich keine andere Silberquelle ausmachen – abgesehen vielleicht von einigen Produzentenlieferungen. Es existieren zudem Berichte darüber, dass mit jedem Kursrücksetzer bares Silber von Westen nach Osten abwandert, ein Umstand, der durch die konstante Backwardation am Silbermarkt Bestätigung erfährt.

Aktuell stehen die Chancen für einen kräftigen „Squeeze“ der Leerverkäuferseite recht gut. Da die Vermögensverwalter, die im Juni/ Juli mit ihren Short-Positionen deutliche Verluste erlitten, die Möglichkeit einer Revanche sehen, könnte die Situation schon bald eskalieren. Mit jedem Dollar, den der Silberkurs steigt, entstehen den Silber-Shorts aktuell Verluste in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar. Sie können unmöglich physisch eingedeckt werden, da die nötigen Silbermengen dafür einfach nicht existieren. Wenn die Short schließlich zur Glattstellung gezwungen werden, muss mit spektakulären Preiseffekten gerechnet werden.

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